Bei der „Grünen Woche“ in Berlin war es am Donnerstag, 22. Januar, so weit: Die Metropolregion Nürnberg präsentierte ihre Bewerbung um den Titel als Welt-Agrarkulturerbe der Vereinten Nationen (UN). Sollte sie damit Erfolg haben, könnte sie die erste Region in ganz Deutschland sein, die den Titel trägt.
Nürnberg: Metropolregion will Welt-Agrarkulturerbe werden
Ob Streuobst, Wein oder tierische Produkte: Die Land- und Ernährungswirtschaft in der Metropolregion Nürnberg ist vielfältig. Zum Teil gibt es die Techniken und Agrarlandschaften bereits seit Jahrhunderten. Daraus sei ein „einzigartiger Schatz an Agrarkultur“ entstanden, argumentiert die Metropolregion. Gleichzeitig, so heißt es auf ihrer Webseite, sei diese Vielfalt entscheidend für die Zukunftsfähigkeit der Region.
Eine Besonderheit sei demnach die Nähe zur Stadt. Innerhalb der Metropolregion finden sich unter anderem die Karpfenteichlandschaft in der Oberpfalz und im Aischgrund, die zum Teil jahrhundertealte Traditionen erhalten, sowie die Hopfengärten und Weinberge in Franken und das Knoblauchsland, das als größtes zusammenhängendes Gemüseanbaugebiet Deutschlands gilt. „Es ist der Gemüsegarten der Metropolregion und sorgt für Ernährungssouveränität“, so Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König auf der „Grünen Woche“ über das Anbaugebiet.

Wirtschaftsfaktor Landwirtschaft: 100.000 Arbeitsplätze im Agrarsektor
In der Land- und Ernährungswirtschaft in der Region sind zurzeit rund 100.000 Menschen beschäftigt, heißt es auf der Webseite. Der Sektor ist zuständig für die Versorgung der Region und darüber hinaus. Dadurch gebe es einen stabilen regionalen Kreislauf, auch in Krisenzeiten.
Die Bewerbung um den Titel als Welt-Agrarkulturerbe soll auch den Blick auf die Menschen hinter den Produkten lenken. Der Fokus liege auf den Leistungen der Landwirtinnen und Landwirte. Diese leisten mit ihrer Arbeit einen Beitrag zur Landschaftspflege und beteiligen sich damit auch daran, die Biodiversität der Metropolregion Nürnberg zu erhalten. „Unsere Stärke ist die Mischung. Sie macht uns zu einem Modell für nachhaltige, anpassungsfähige Landwirtschaft, die letztlich unsere Ernährung sichert“, sagte Dr. Christa Standecker, Geschäftsführerin der Metropolregion Nürnberg.

Landwirtschaft in der Region Nürnberg: „Unsere Agrarkultur ist kein Museum“
Für die Metropolregion wäre es nicht die erste UN-Auszeichnung. Unter anderem gehören die Wässerwiesen zur „Repräsentativen Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ der UNESCO. Diese Wertschätzung soll durch den neuen UN-Titel ausgebaut werden: „Unsere Agrarkultur ist kein Museum, sondern ein lebendiges System aus Wissen, Handwerk und Innovationskraft. Zu dieser Kultur gehören 19 für die Region typische Immaterielle Weltkulturerben mit landwirtschaftlichem Bezug, wie etwa die Oberpfälzer Zoiglkultur, Streuobstanbau oder handwerkliche Brennkunst“, sagte Klaus Peter Söllner, Sprecher des Beirats Welt-Agrarkultur und Landrat im oberfränkischen Kulmbach.
Die Bewerbung wird dabei von einem Zusammenschluss aus Kommunen, Landwirtschaft und Wissenschaft unterstützt. Die Akteure haben dazu einen Aktionsplan erstellt. Darin enthalten sind strategische Projekte in der Region, um unter anderem kommunale Kantinen mit den regionalen Produkten zu versorgen. „Grundlage dieses Erfolgs ist auch die gegenseitige Wertschätzung von Stadt und Land und der enge, kontinuierliche Austausch zwischen Landwirtschaft, Kommunen und Gesellschaft. Diese Bewerbung unterstreicht den unschätzbaren Wert unserer regionalen Agrarsysteme für Ernährungssicherheit, Biodiversität, Kulturlandschaft und Identität. Genau solche vielfältigen, resilienten Strukturen verdienen internationale Anerkennung“, so Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber.

Mögliche erste Auszeichnung als Welt-Agrarkulturerbe in Deutschland
Die Metropolregion wird die Bewerbung offiziell über das Bundeslandwirtschaftsministerium einreichen. Diese wird dann an die FAO, die „Food and Agricultural Organization of the United Nations“, weitergeleitet. Die UN-Organisation verleiht die Auszeichnung seit 2002. Ihr Hauptsitz befindet sich in der italienischen Hauptstadt Rom. Dort wird auch die Entscheidung gefällt.
Mit dem Programm „Globally Important Agricultural Heritage System“ werden weltweit landwirtschaftliche Systeme ausgezeichnet, die einzigartig sind. Zu den Bewertungskriterien gehören unter anderem traditionelles Wissen, aber auch die ökologische Resilienz und die kulturelle Bedeutung der Systeme.
Weltweit haben bislang 104 Systeme in 28 verschiedenen Ländern diese Auszeichnung erhalten. Diese finden sich auf nahezu allen Kontinenten der Welt. In Europa haben unter anderem Gebiete in Spanien, Österreich und Italien diese Auszeichnung erhalten. Bevor die Entscheidung über den Titel fällt, wird eine Delegation der FAO die Metropolregion besuchen.
-
Julia Mondry
Icon Haken im Kreis gesetzt
Icon Plus im Kreis
-
Nürnberg
Icon Haken im Kreis gesetzt
Icon Plus im Kreis
-
Metropolregion
Icon Haken im Kreis gesetzt
Icon Plus im Kreis