Der Ausbruch ereignete sich aus Sicht der Sonde am Rand der Sonnenscheibe. Die Forschenden hatten an diesem Tag bereits lange eine Beobachtungskampagne geplant und wurden so Zeugen der Eruption, die sie mit vier Messinstrumenten des Solar Orbiter mit hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung aufzeichneten.
Über die Entstehung der Ausbrüche gab es bisher zwei Theorien, erklärt Sami Solanki, einer der Autoren der Studie vom MPS: „Das eine nenne ich mal ‚Vulkanmodell‘: Die gesamte Eruption passiert gewissermaßen auf einmal. Magnetfeldlinien verdrehen sich, reißen auf, formen sich um, und dabei wird schlagartig sehr viel Energie freigesetzt.“ Das, so der Forscher, sei das etablierte Standardmodell. Es gebe aber auch anderes Modell, das „Lawinenmodell“. Wie bei einer Lawine am Berg beginnt dort alles „mit einer kleinen Freisetzung von Energie an einem Punkt. Diese kleine Instabilität löst an anderen Stellen weitere Instabilitäten aus, sodass dort ebenfalls Energie frei wird – immer mehr, immer weiter, bis sich eine große Eruption aufgebaut hat. Am Ende wird ähnlich viel Energie freigesetzt, und das Magnetfeld ordnet sich ebenfalls neu und stabilisiert sich wieder, aber der Prozess dahin ist völlig anders.“
Bisher war bekannt, dass das Magnetfeld auf der Sonne die nötige Energie für die Ausbrüche liefert, die Strahlung und Teilchen ins All schleudert. Stark miteinander verdrehte, sich kreuzende Magnetfeldlinien brechen dabei auf und setzen sich neu zusammen – ein Vorgang, den die Wissenschaftler „Rekonnexion“ nennen. Wie diese Prozesse aber genau ablaufen, war bisher unklar. Die neuen Aufnahmen bringen mehr Licht ins Dunkel.