Kurzfassung des Artikels:

  • In Rendsburg wurden innerhalb weniger Wochen drei Bronze-Skulpturen, unter anderem von Karlheinz Goedtke, von öffentlichen Plätzen gestohlen.
  • Ähnliche Diebstähle gab es auch bei Itzehoe und in weiteren Orten Norddeutschlands, wobei besonders Werke von Goedtke betroffen sind.
  • Bis zum 23. Januar liegt der Polizei Rendsburg keine Spur zu den Tätern vor, Hinweise sprechen jedoch für eine mögliche Diebstahlserie.

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Was Hans Heinemann jetzt wohl denken würde? Wer macht so etwas, wer klaut Kunst im öffentlichen Raum? Der nach dem Maler und Kunstmäzen benannte Stadtpark in Rendsburg war vor Wochen Schauplatz eines Kriminalfalls, und gewissermaßen war Heinemann sogar Augenzeuge. Die Büste des 2002 verstorbenen Namensgebers der Parkanlage steht nur wenige Meter neben einem Betonsockel, von dem unbekannte Täter die Skulptur „Kopf“ (Klaus Kütemeier) gewaltsam entfernten. Auch die benachbarte Skulptur „Mohns Torso“ des Künstlers Michael Mohns verschwand über Nacht.

Diebstahl Nummer drei ereignete sich an der Hollesenstraße. Die „Karpfengruppe“, 1973 geschaffen von Karlheinz Goedtke, wurde gewaltsam vom Steinsockel gestoßen. Halb abgeflext, halb umgebogen. Eine abgebrochene Steinplatte zeugt von der Brutalität, mit der die Täter vorgingen.

Vom Sockel gestoßen: An der Hollesenstraße in Rendsburg stand zum Diebstahl im vergangenen Dezember die „Karpfengruppe“ von Karlheinz Goedtke.
Foto: Frank Höfer

Vom Sockel gestoßen: An der Hollesenstraße in Rendsburg stand zum Diebstahl im vergangenen Dezember die „Karpfengruppe“ von Karlheinz Goedtke. Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Rund sechs Wochen nach dem Diebstahl fehlt von den genannten Objekten weiter jede Spur. Die gute Nachricht in der schlechten: Weitere Skulpturen kamen nicht abhanden. Zumindest nicht in Rendsburg. Neue Fälle aus der Kanalregion seien nicht bekannt, so Polizeisprecher Sönke Petersen am Freitag, 23. Januar, auf Nachfrage. Hinweise auf den oder die Täter habe man ebenfalls nicht.

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Auch „Neptun“ und der „Fährmann“ stammen von Karlheinz Goedtkegrößer alsGrößer als Zeichen

Eines der berühmtesten Werke von Karlheinz Goedtke im Norden ist der Eulenspiegel-Brunnen auf dem Möllner Marktplatz. In Rendsburg ragen der „Neptun“ neben dem Hotel Conventgarten und der „Fährmann“ am südlichen Kanaltunnel-Portal aus der großen Menge an Kunstwerken heraus. Bis in die 1980er-Jahre hinein hat der Bildhauer mehr als 200 Skulpturen für den öffentlichen Raum geschaffen, dazu mehrere 100 Kleinstfiguren.

Zwei der bekanntesten Kunstwerke von Karlheinz Goedtke in Rendsburg: „Neptun“ am Conventgarten (links) und der „Fährmann“ am Kanaltunnel.
Foto: Frank Höfer

Zwei der bekanntesten Kunstwerke von Karlheinz Goedtke in Rendsburg: „Neptun“ am Conventgarten (links) und der „Fährmann“ am Kanaltunnel.  Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Mindestens eine Spur gibt es trotzdem. Ob sie sich mit den Rendsburger Taten in Verbindung bringen lässt, steht indes nicht fest. Parallelen sind auffällig. An der Breitenburger Fähre bei Itzehoe lösten Diebe eine Bronzeplastik ebenfalls per Säge vom Betonsockel und machten sich mit der Plastik aus dem Staub. Das Fehlen blieb dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) als Eigentümer verborgen und wurde am 15. Januar bemerkt – von einem shz-Leser, nicht vom LBV. Er gab der Polizei Bescheid. Übrig blieben nur das Betonfundament der historischen Skulptur und zwei Metallstumpen. Genau wie bei der „Karpfengruppe“ an der Hollesenstraße in Rendsburg, wo nur noch ein Rest der Halterung aus dem Sockel ragt.

In Mölln verschwand ein „Reiter auf Granitsockel“

Möglicherweise haben es die Ermittler mit Serientätern zu tun. Die Skulpturen aus Rendsburg und Breitenburg sind nicht die einzigen Werk von Goedtke, nach denen gesucht wird. Das bestätigte der Vorsitzende des Freundeskreises Karlheinz Goedtke, Klaus Schlie, kürzlich auf Nachfrage unserer Itzehoer Redaktion. Nach Angaben des früheren Innenministers und Landtagspräsidenten von Schleswig-Holstein, der in Mölln lebt, gibt es mehrere weitere Diebstähle oder Versuche. Immer hatten es die Diebe auf Kunst von Goedtke abgesehen. Bekannt sind Fälle aus Mölln (Reiter auf Granitsockel), aus Schmilau bei Mölln (Lesendes Mädchen) sowie aus Geesthacht und Meldorf.

Die Bronzeplastik „Lesendes Mädchen“ wurde bei einer Razzia des Landeskriminalamts Berlin in einer Halle wiedergefunden, wo laut Schlie „Dutzende und Aberdutzende weitere Skulpturen standen“. Im Mai vergangenen Jahres stellten Ermittler Bronze-Skulpturen, Stein-Skulpturen, Reliefplatten und historische Zaunelemente sicher, verschwunden aus Parks und von Friedhöfen vor allem in Berlin.