Großer Bahnhof mit Medienrummel am Flughafen Stuttgart für Deutschlands berühmtesten Abgeschobenen: Um 13.08 Uhr erhob sich vielstimmiger Jubel, als Ramzi Awat Nabi durch die Tür in den Ankunftsbereich trat und Freunden, vor allem aber seinem Bruder, aber auch seinem eigens aus London angereisten Vater und der ältesten Schwester in die Arme fiel. Der 24-Jährige durfte fünfeinhalb Monate nach seiner von der Stadt Stuttgart initiierten gewaltsamen Abschiebung in den Irak mit einem in dieser Woche im deutschen Konsulat in Erbil vorerst auf ein Jahr beschränkten Studentenvisum zurückkehren.

Der Fall hatte bundesweite Aufmerksamkeit erregt, weil der Bannstrahl der Ausländerbehörde und des Justizministeriums mit Ramzi Awat Nabi einen vorbildlich integrierten jungen Mann traf, der nach drei Jahren auf einem Gymnasium im Westerwaldkreis (Rheinland-Pfalz) ein Abitur mit 1,5 abgelegt und danach ein Studium der Energie- und Umwelttechnik in Esslingen begonnen hatte. Gleichzeitig versagt die Landesregierung regelmäßig dabei, Straftäter in ihre Heimatländer abzuschieben.

Ramzi Awat Nabi macht Praktikum bei Firma im Westerwaldkreis

Ramzi Awat Nabi war am Sonntag über Istanbul nach Stuttgart gereist. Sinnigerweise wurde er am Flughafen bei der Passkontrolle gefragt, ob er vorhabe, in den Irak zurückzukehren. Das letzte halbe Jahr in der längst nicht befriedeten ehemaligen Heimat, aus der seine Familie aus Furcht vor Drangsalierung geflüchtet war, hat dem Kurden allerdings gereicht. Er wohnte abwechselnd bei Verwandten und ehemaligen Schulfreunden, die er jahrelang nicht gesehen hatte.

Medienrummel am Flughafen Stuttgart für Deutschlands berühmtesten Abgeschobenen, Ramzi Awat Nabi. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

In wenigen Tagen beginnt er ein Praktikum bei einer Firma im Westerwaldkreis, wo auch Kerstin Doppstadt und Sarah Schell-Hahn leben. Die beiden Sozialpädagoginnen hatten sich nach der Flucht der Eltern vor einigen Jahren über den Ärmelkanal der Brüder Ramzi und Bilal Awat Nabi angenommen – und nach der Abschiebung alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ihren „Ziehsohn“ zurück zu holen.

Ramzi Awat Nabi: Spendenaktion erbrachte rund 14.000 Euro

Eine Spendenaktion hat rund 14.000 Euro erbracht, die nötig sind, um das Studium für ein Jahr zu finanzieren. Der Student dankte seinen vielen Unterstützern, die danach im Ökumenischen Zentrum der Uni Vaihingen eine Willkommensparty feierten. Er betonte vor allem die erfolgreiche Arbeit seines Rechtsanwalts Roland Kugler, der sich nach der Abschiebung des Falls angenommen hatte. Der ehemalige Grünen-Stadtrat überzeugte die Ausländerbehörde davon, dass sein Mandant tatsächlich Ramzi Awat Nabi ist. Das war jahrelang angezweifelt worden, weil die Familie bei der Einreise nach Deutschland gefälschte Ausweise präsentierte.

Der Vater hatte die Originale ins Meer geworfen. Gestern berichtete er, dies sei aus Sorge passiert, zurückgeschickt zu werden. Er habe danach einem Schleuser 2000 Euro für die Beschaffung neuer Originaldokumente gegeben. Aber mehr als schlechte Fälschungen hatte er nicht erhalten. Anwalt Kugler erreichte auch eine Vorabzustimmung des Stuttgarter Amts, die eine rasche Rückkehr zur Fortsetzung des Studiums ermöglichte. Normalerweise beträgt die Wartezeit für einen Antrag auf Wiedereinreise 30 Monate.