Zum ersten Mal haben Russland, die Ukraine und die USA gemeinsam über ein Ende des Kriegs verhandelt: Am Freitag und Samstag waren Vertreter der Staaten zu trilateralen Gesprächen in Abu Dhabi zusammengekommen. Über konkrete Ergebnisse wurde nichts bekannt, alle Beteiligten sprachen im Nachhinein aber von konstruktiven Gesprächen oder verwiesen auf Resultate. Rückt ein Frieden in der Ukraine damit näher?

Das ist nach den ersten Meldungen vom Wochenende schwer zu sagen. Vieles spricht jedenfalls dafür, dass der Weg zu einem Waffenstillstand weit bleibt. Trotzdem sind die Verhandlungen ein Fortschritt. Dass sich alle Seiten in ersten Reaktionen tendenziell positiv äußerten und keine Details nach außen drangen, darf als vorsichtiger Erfolg gewertet werden.

Was die Bilanz trübt: Trotz der Verhandlungen hat Russland die Ukraine auch in den vergangenen Tagen mit Drohnen und Raketen beschossen. Das ist grausam und muss scharf verurteilt werden. Zugleich bedeuten die neuerlichen Attacken nicht automatisch, dass die Gespräche zum Scheitern verurteilt sind. Laut Experten könnte Putin auf diese Weise versuchen, seine Verhandlungsposition zu stärken. So grausam Russlands Angriffe in der Ukraine auch sind: Sie schließen einen mittelfristigen Waffenstillstand nicht automatisch aus.

Gleichwohl bleiben schwierige Fragen zu lösen. Streitpunkt dürfte vor allem die Zukunft der Donbass-Gebiete bleiben: Russland fordert den Abzug ukrainischer Truppen aus Regionen, die es selbst nicht vollständig beherrscht. Die Ukraine hingegen sieht keinen Grund, Land freiwillig herzugeben, das Russland seit Jahren nicht erobern konnte. Dass die Gespräche in Abu Dhabi hier zu einem Durchbruch führen, erscheint unwahrscheinlich. Sollte man aber zumindest einen weiteren Zeitplan vereinbaren können, wäre viel gewonnen.

Umso beschämender ist, dass Europa wieder einmal keine Rolle spielt. Obwohl es auch an den Europäern liegen wird, einen möglichen Frieden abzusichern und dafür zu bezahlen, sitzen sie in Abu Dhabi nicht am Verhandlungstisch. Das zeigt: Alle Bemühungen, auch von Kanzler Friedrich Merz (CDU), mit einer geeinten europäischen Stimme mehr Gewicht in die Waagschale zu werfen, haben unterm Strich noch nicht viel gebracht. Das muss den EU-Staatenlenkern zu denken geben.

Fast vier Jahre nach dem russischen Überfall auf die Ukraine scheint ein gerechter Frieden noch immer in weiter Ferne zu liegen. Dass die Dreiergespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA in einer Woche fortgesetzt werden sollen, ist gleichwohl ein eher gutes Zeichen. Und ein kleiner Hoffnungsschimmer dafür, dass das Sterben in der Ukraine endlich bald enden könnte.