Rund 160.000 Besucher kommen jährlich in die Stadtbibliothek in Neuss – und diese könnten unterschiedlicher gar nicht sein. Von ganz jung bis ganz alt, mit und ohne Migrationshintergrund, nicht wenige auch mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen. Um ihnen allen einen möglichst selbst bestimmten Besuch in der Stadtbibliothek bieten zu können, haben Bibliotheksleiterin Claudia Büchel und ihre Kollegin Claudia Neufurth gemeinsam mit ihrem Team bereits zahlreiche Projekte mit Blick auf die Themen Barrierefreiheit und Inklusion umgesetzt.
Zusammen mit der Inklusionsbeauftragten der Stadt Neuss, Mirjam Lenzen, berichten sie, welche weiteren Schritte zur Barrierefreiheit nun mithilfe von Fördermitteln der Landesregierung umgesetzt werden konnten. Mirjam Lenzen erinnert daran, dass die Stadtbibliothek bereits früh Pionierarbeit geleistet habe: „Sie waren die ersten in Neuss, die konsequent auf leichte Sprache gesetzt haben. Hier ist man immer einen Schritt voraus. Das finde ich sehr lobenswert.“ Aus Gesprächen mit ihren Kunden erfuhr Claudia Neufurth, woran es in der Bibliothek noch fehlt und was sich die Kunden wünschen. Ein Schwerpunkt lag dabei unter anderem auf der Anpassung des Medienbestands und der Einführung von Bibliotheksführungen in vereinfachter Sprache.
Diese Wünsche konnten jetzt mit der Hearonymus-App erfüllt werden. Es wird empfohlen, sich die kostenlose App vor dem Besuch der Bibliothek herunterzuladen. Darin findet sich ein Audioguide für die Stadtbibliothek in Deutsch, Englisch, einfacher Sprache und sogar speziell für Kinder. Auch die Website ist barriereärmer gestaltet worden, was ein unverzichtbarer Schritt für einen gleichberechtigten Zugang sei. Auf der Website und dem eigenen Youtube-Kanal finden Gehörlose ab sofort Videos in Gebärdensprache mit vielen wichtigen Informationen rund um die Bibliothek.
Weiter hätten viele Besucher sich über das Mobiliar beklagt: zu starr, zu niedrig, zu laut. Mit der Förderung konnten höhenverstellbare Pulte, flexible Stühle und vor allem drei neue Arbeitsboxen angeschafft werden. Diese ermöglichten Rückzug, Ruhe und Konzentration, besonders wertvoll für hochsensible Menschen oder Menschen aus dem Autismus-Spektrum. „Unser Ziel ist ein selbst bestimmter Aufenthalt“, betont Neufurth. „Wer hierherkommt, soll sich willkommen fühlen.“
Dank der Förderung in Höhe von 36.000 Euro konnten all diese Dinge und eine Fortbildung für die Mitarbeiter umgesetzt werden. Dabei kamen rund achtzig Prozent des Geldes aus Fördermitteln des Landes NRW, vermittelt durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft, die restlichen zwanzig Prozent wurden durch den Haushalt finanziert. Claudia Büchel richtet ein ausdrückliches Dankeschön an Ministerin Ina Brandes, die sich dafür eingesetzt hat.