Liebe Leserin, lieber Leser,

gerade lese ich den Roman „Was wir wissen können“
von Ian McEwan (ich kann ihn sehr empfehlen, mein Kollege Adam Soboczynski hat
ihn hier (Z+)
gelobt). Er spielt im Jahr 2119 und handelt von einem britischen Literaturwissenschaftler,
der einem berüchtigten Gedicht nachspürt. Es war im Jahr 2014 nur ein einziges
Mal mündlich vorgetragen worden, seitdem ist der Text verschollen.

2119 ist die Welt
eine andere als die, die wir kennen: Eine schwere Überflutung im Jahr 2042 hat aus
Großbritannien eine Ansammlung kleiner Inseln gemacht, Hamburg steht unter
Wasser, der Rest Deutschlands ist von Russland eingenommen, Nigeria eine
Großmacht. Krieg, Pandemien und die Erderwärmung haben die Weltbevölkerung
halbiert und die Artenvielfalt dezimiert. Klingt etwas dystopisch, finde ich
auch. Aber durch den Perspektivwechsel – der Protagonist blickt suchend zurück
auf unsere Zeit – eröffnet das Buch einen ganz besonderen Raum, um über die
Zukunft nachzudenken.

So wie es Kanadas Premierminister
Mark Carney in Davos getan hat (seit Jahren die erste Rede eines Politikers,
die ich mir mehrmals angesehen habe; sie werden sie kennen, falls nicht: hier entlang). Seine Botschaft: Gerade Länder,
die keine Großmacht sind, müssen neue Allianzen schmieden, damit sie souverän
bleiben können – anstatt allein zu handeln und sich souverän zu fühlen, während
sie in Wirklichkeit umhergeschubst werden von Ländern wie den USA.

Verzeihen Sie die
Schlenker, jetzt sind wir in Hamburg: Dort beginnt heute der Nordseegipfel, es
ist erst der dritte, das Format wurde nach Russlands Überfall auf die Ukraine
gegründet. Zum ersten Mal tagt der Gipfel in Deutschland. In der Hansestadt
empfängt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Staats- und Regierungschefs von
Belgien, Dänemark, Irland, Luxemburg, Norwegen und den Niederlanden, die
Energieminister aller neun Nordsee-Anrainerstaaten und Vertreter von EU, Nato
und aus der Wirtschaft. Das Ziel: Besser zusammenarbeiten, etwa bei dem Ausbau
der Windenergie auf See und der Wasserstoffinfrastruktur.

© ZON

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Ich weiß nicht, ob
es Ihnen auch so geht. Aber trotz – oder gerade wegen – der aktuellen Umbrüche
in der Welt geben mir Zusammenarbeit und Diplomatie ein Gefühl von Hoffnung.

Haben Sie einen guten Start in die Woche!

Ihr
Yannick Ramsel

Wollen Sie uns Ihre
Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie
uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de.

WAS HEUTE WICHTIG IST

Aufgrund
des Nordseegipfels sind die Straßen rund um das Rathaus und die Handelskammer heute
für den Autoverkehr gesperrt, eventuelle Einschränkungen im ÖPNV werden
über den HVV kommuniziert. In den angrenzenden Straßenzügen kann es zu
Auswirkungen auf Geschäfte, den Lieferverkehr und für Fußgänger kommen. Über dem
Rathaus gilt während des Treffens ein Flugverbot für Drohnen und
Kleinflugzeuge. Proteste gegen den Gipfel erwartet die Polizei nicht.
Allerdings könne es im Tagesverlauf zu weiteren, kurzfristigen und temporären
Beeinträchtigungen im Straßenverkehr kommen, wenn Staatsgäste durch die Stadt
transportiert würden.

© Gregor Fischer/​picture alliance/​dpa

Knapp
7.000 Menschen
haben
in Hamburg bei mehreren Kundgebungen für Demokratie und gegen
Menschenrechtsverletzungen im Iran und in Syrien demonstriert. An der
Demonstration „Nein zur Islamischen Republik im Iran“ nahmen nach
Polizeiangaben rund 1.200 Menschen teil. Zahlreiche Demonstranten und
Demonstrantinnen trugen iranische Flaggen mit dem Löwensymbol aus der
Herrschaftszeit des Schahs, zudem legten einige Blumen und Kerzen neben Fotos
von Menschen ab, die nach Teilnehmerangaben während der Demonstrationen im Iran
getötet wurden. Rund 5.500 Menschen nahmen an einer weiteren Kundgebung für
Demokratie in Syrien und im Iran teil.

Neuer
Schneefall soll ab heute die zuletzt schlechte Luftqualität verbessern.
Ein Hochdruckgebiet hatte in den vergangenen Tagen die Luft eher nach unten
gedrückt und sie dort gehalten hat, weshalb es laut Deutschem Wetterdienst zu
schlechten bis sehr schlechten Feinstaubwerten kam. Für Hamburg werden über den
Tag verteilt, aber vor allem vormittags, insgesamt fünf bis zehn Zentimeter
Neuschnee erwartet.

In aller Kürze

Unbekannte Täter haben in
einem türkischen Kulturverein in Hamburg-Lurup mehrere Schüsse abgegeben
und damit zwei Männer verletzt. Die Täter seien am Sonntagmorgen gegen 3:30 Uhr
in die Räume des Vereins eingedrungen, hätten dort die Schüsse abgefeuert und
seien anschließend geflüchtet – einer der Männer wurde später festgenommen
Der Schauspieler Paul Behren hat im St. Pauli Theater den mit
10.000 Euro dotierten Ulrich-Wildgruber-Preis erhalten Kultur- und
Medien-Senator Carsten Brosda (SPD) hat sich gegen eine Altersbeschränkung
für Jugendliche in den sozialen Netzwerken nach australischem Vorbild
ausgesprochen. Diese sei praktisch schwer durchzusetzen, zudem sei wichtiger,
dass Kinder und Jugendliche frühzeitig lernten, mit den Plattformen umzugehen

THEMA DES TAGES

© Carlsen Verlag GmbH, 2026

„Ich musste dieses Buch einfach machen“

Über
den Frauenmörder Fritz Honka gibt es einen Roman, einen Film und jetzt auch
einen Comic. Eine Begegnung mit Ully Arndt, der acht Jahre lang daran
gezeichnet hat. ZEIT-Autor Sven Stillich hat ihn getroffen; lesen Sie hier
einen Auszug aus dem Artikel.

Es führen viele Wege zum
Goldenen Handschuh am Hamburger Berg auf St. Pauli. Wie der Serienmörder Fritz Honka hier gelandet ist, hat Heinz Strunk in seinem Roman beschrieben (Z+). Später
machte Fatih Akin einen Spielfilm daraus:
In den Siebzigerjahren lernte Honka in der Kneipe Frauen kennen, die er zu sich
nach Hause lockte und ermordete. Aufgefallen ist das erst Jahre später, als die
Feuerwehr bei Löscharbeiten Leichenteile in Honkas Wohnung entdeckte.

Auch
Ully Arndt war in den Siebzigern in solchen Kneipen unterwegs. Nicht um zu
trinken, so wie Honka und seine Opfer, sondern um Bier auszuliefern. Damals,
als Arndt noch ein Junge war, hatte sein Vater einen Getränkevertrieb, und der
kleine Ully begleitete ihn manchmal auf seinen Touren. „Wir sind immer zur St. Pauli-Brauerei
am Hafen gefahren, haben aufgeladen“, sagt Arndt, „dann haben wir
ausgeliefert.“

Ein halbes Jahrhundert
später steht der heute 64-Jährige in seinem Atelier in Altona und hält ein Buch
in den Händen. Acht Jahre hat er daran gearbeitet, nun ist es fertig: Der
Goldene Handschuh als Comic, seine Interpretation des Romans von Heinz Strunk. Hunderte Comicfiguren hat Arndt bereits erfunden und gezeichnet, so
ziemlich jeder in Hamburg kennt eine davon. Der Handschuh aber: Das war etwas
anderes. „Ich musste dieses Buch einfach machen“, sagt er.

Was den Comic so gut macht und warum er eine
Adaption des Buches und nicht des Films ist, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de.

DER SATZ

© Rene Glover für DIE ZEIT (links); Dominik Asbach für DIE ZEIT (rechts)

„Das Konzept der SPD würde dazu führen, dass das
produktive Betriebsvermögen besteuert würde und damit nicht mehr für die
Wertschöpfung und die Sicherung von Arbeitsplätzen zur Verfügung steht.“

Marie-Christine Ostermann

Die SPD hat eine Reform
der Erbschaftsteuer vorgeschlagen; über das Konzept streiten
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf und Unternehmerin Marie-Christine Ostermann.
Was Klüssendorf der Aussage von Ostermann entgegenzusetzen hat,
lesen Sie hier
.

DAS KÖNNTE SIE INTERESSIEREN

Zum Gedenktag für die
Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar laden die Künstlerin Valérie Wagner
und die Stiftung Bornplatzsynagoge zu einer öffentlichen Kunstaktion gegen
Antisemitismus ein. Hamburgerinnen und Hamburger sind eingeladen, in dunkler
Kleidung und mit einer Kerze auf dem Joseph-Carlebach-Platz zusammenzukommen
und gemeinsam einen leuchtenden Davidstern zu formen. Die Formation wird per
Drohne fotografiert und ist Teil des Kunstprojekts „Seite an Seite“, das
jüdisches Leben im öffentlichen Raum sichtbar macht. Im Anschluss folgt eine
kurze Ansprache zum Gedenken an die Opfer.

„Seite an Seite“, 27.1., 16.15-17.30 Uhr,
Joseph-Carlebach-Platz, weitere
Infos

MEINE STADT

Nanu? Verschwommen? © Dominik Hünniger

HAMBURGER SCHNACK

Durchsage im ICE: „Liebe
Fahrgäste, waren Sie schon mal in Winsen/Luhe? Das können Sie jetzt von Ihrer
Bucketlist streichen, denn wir sind hier außerplanmäßig zum Halt gekommen.“

Gehört
von Christine Strecker

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