Kurze Folge im Dschungel, wegen der NFL, aber dafür mit dem lang erwarteten Kampf zwischen der Betrogenen Samira Yavuz und Seitenspringerin Eva Benetatou. In der ersten Reihe am Ring – jede Menge fragwürdige „Stars“.
Vielleicht hätte es Ariel geholfen oder zumindest die Stimmung im Camp kurz aufgelockert, wenn das naturpanische Dschungelküken aus der Schweiz nach dem erneuten Vollversagen bei seiner zweiten Dschungelprüfung (Null Sterne, Abbruch wegen: keine Ahnung) den Rat des großen Wiglaf Droste beherzigt hätte. Droste, längst im Satirikerhimmel, riet einst seinen „Mitmenschen“, immer mal wieder ein Schild um den Hals zu tragen mit der Aufschrift: „Das Elend der Welt hat viele Gesichter – wie gefällt Ihnen meins?“
Vermutlich wären dann zumindest die Blicke etwas weniger lang gewesen, die u.a. „Ich-suche-eine-starke-Frau-Bauer“ Patrick, Frohnatur Umut Tekin und Ex-TV-Förster Hardy Krüger Ariel schweigend entgegenwarfen. Die Schweizerin versuchte sich zumindest halbherzig an einem betretenen Gesicht, wohl wissend, dass ihre Erklärungsversuche („Ich wurde in einer Grube festgeschnallt, da waren Mehlwürmer und Kakerlaken. Ich hatte Panik!“) absolut niemanden unter den Hungrigen im Camp überzeugen würden. Wenn sich stille Verachtung Waldorf-pädagogisch tanzen ließ, im Gesicht von Simone Ballack steckte die gesamte Choreografie. Bauer Patrick: „Ich ahne Schlimmes für die ganze Woche.“ Umut: „Wir werden verhungern!“ Eva: „Liebes Publikum, bitte wählt doch mal jemanden in die Prüfung, der ein paar Sterne mit nach Hause bringt.“ Ariel: „Alle guten Dinge sind drei.“
Kurz gesagt: Alle haben recht.
Und damit herzlich willkommen zur Besprechung der mit Abstand kürzesten Dschungelshow des Jahrgangs 2026. Die Folge dauerte inklusive Werbung gerade mal 40 Minuten (20.15 bis 20.55 Uhr), was netto eher 3o und gefühlt sogar nur 25 Minuten entsprach. Bei RTL ist das Geld bekanntlich gerade knapp und die Football-Rechte sind teuer. Um 21 Uhr stand das erste Playoff-Halbfinale auf dem Weg zum Super Bowl an. Deshalb gab es am Ende auch keine langatmige „Du bist es…nicht“-Zeremonie in Australien, bloß ein knappes „Nominiert zur Dschungelprüfung sind: Eva, Gil und Ariel.“ Minipause. „Ihr seid es alle drei.“ Und tschüss.
Es blieb nicht mal viel Zeit, einen genaueren Blick auf die Outfits der beiden Moderatoren zu werfen. Dabei trug Jan Köppen, berüchtigt für seine im Dschungel oft abenteuerlich scheußlichen, betont kastigen Hemden, zur Verkündung ein wahres Prachtexemplar. Ein bräunlich eingefärbtes Seidenmodell mit großen Schwanenköpfen auf der Brust, seine Kollegin Sonja Zietlow wählte dazu als Kontrastprogramm ein keusch weißes Hemd im Prinzessin-Lea-Gedächtnislook, ebenfalls aus Seide, dazu eine große, runde, tief hängende Silberbrosche. Sie ahnen – es gab wirklich nur bedingt Interessantes zu sehen.
Das Hauptevent: Anders als gestern an dieser Stelle vermutet, haben die Macher „beim“ RTL sich doch dafür entschieden, den von der Reality-Gemeinde heiß erwarteten Kampf zwischen – in der blauen Täter-Ecke – Ehebrecherin Eva Benetatou und – in der roten Opfer-Ecke – der Betrogenen Samira Yavuz als einzigen Punkt auf die Abendordnung zu setzen. Neben der Prüfung natürlich, die Panik-Ariel, passend zur ganzen Folge, durch Aufgabe von möglichen sechs Minuten auf knapp 30 Sekunden verkürzte.
Durch die überraschende Zusammenlegung der beiden Camps (Immer noch: Warum so schnell? Warum überhaupt?) sind die beiden Kontrahentinnen also weit früher als erwartet aufeinandergetroffen. Im Dschungel geht es dabei auch nicht anders zu als bei groß angekündigten Kampfabenden in der Dortmunder Westfalenhalle: Das Publikum sitzt mehr oder minder erwartungsvoll vor dem Fernseher, während halbwegs „Prominente“ und andere dubiose Figuren rund um den Ring in der ersten Reihe sitzen. Dumm nur, wenn eine der beiden Haupt-Kämpferinnen dann den Fight weitgehend verweigert.
Sonja Zietlow war vorher so nett, für alle nicht so Reality-Bewanderten zu erklären, worum es beim Kampf eigentlich geht: Samira (Opfer) war mit der zweiten Tochter schwanger, als Eva (Täterin), frustriert durch eigene Nichtbeachtung an ihrem Geburtstag, eine „PM“ (persönliche Mitteilung) an Serkan schickte. Das ist (noch) Samiras Mann, ein notorisch untreuer Geselle, den diese (was sonst?) bei einem Dating-Format kennengelernt hatte – und danach hinausschmiss. Serkan sei auf die Nachricht hin gleich zu Eva gefahren und habe ihr nicht nur seine starke Schulter angedient, sondern – Zietlow unter Mithilfe ihrer Hand, die in Schritthöhe nach vorn zeigte –, ihr auch noch „ein Ständchen gesungen“. Den Seitensprung wiederum offenbarte Eva höchstpersönlich in einem Instagrampost aller Welt (angeblich unter Druck), nachdem sie vorher der Betrogenen noch eine Nachricht geschickt hatte, in der sie ihr „ein offenes Ohr“, einen „Ratschlag“ oder gar eine „Umarmung“ anbot. So weit, so verlogen, so insgesamt armselig. Aber auch: irgendwie öde.
Samira versuchte es im Ring (eines der Feldbetten) zwar immer wieder mit (verbalen) Geraden („Schämst Du Dich nicht?“), ab und an auch mit Tiefschlägen („Du hast ihm die offenen Beine angeboten und für mich gibt es danach die offenen Ohren?“), die jedoch wirkungslos an der Deckung der Gegnerin abprallten. Ariel, wie alle anderen Camp-Insassen bei Showdown, zunehmend enttäuscht vom Geschehen: „Es war wie Live-Kino, wie ein Theaterstück, das man gerade sieht.“ Titel? „Die Betrogene und der Clown“. Ehrliche Einschätzung von Samira: „Geil war das jedenfalls nicht.“
Was bleibt: Eine Betrogene, die zwar als Punktsiegerin angesehen werden mag – aber weit entfernt war von einem Knock-out-Sieg.
Und was ist mit Eva: Die Betrügerin wagt am Ende einen wahrhaft Ofarim-esken „Move“, versuchte eine Täter-Opfer-Umkehr. Gab ihr Vergehen zwar zu, schob aber gleich die Verantwortung weit von sich („Ich war ja längst nicht die einzige…“; „Das Problem lag ja zwischen den beiden.“ ). Von Bedauern, gar Reue keine Spur. Und dann folgte ein Satz, der aufmerksamen Zuschauern der ersten beiden Folgen bekannt vorkommen dürfte: Eva zu Schnacksel-Bauer Patrick: „Ich habe so viel mehr zu erzählen und zu bieten als das.“
Selbsteinschätzung Eva: „Ich halte so viel von mir!“
Einschätzung des Publikums: Eva gehört in die Dschungelprüfung.
Fazit Sonja Zietlow: „Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Rindenmulch.“
Montag geht es mit einer normalen Folge um 20.15 Uhr weiter bei RTL und RTL+