Sie feierten ihren Chef wie einen Rockstar. Mit Ovationen verabschiedeten Mitarbeitende, Richterkolleginnen und -kollegen jetzt den scheidenden Direktor des Amtsgerichts Gelsenkirchen, Dr. Mathias Kirsten. Gudrun Jockels, Präsidentin des Landgerichts, stellte bei der Verabschiedung den großen Mut und das Herz als starke Charaktere Kirstens heraus. Der ehemalige Chef bezeichnete es als Ehre, in Gelsenkirchen Direktor gewesen zu sein. Die schönste Zeit seiner Dienstjahre habe er hier verbracht.
Seiner Nachfolgerin Felizitas Hense-Neumann, die ihr Amt schon im vergangenen Jahr angetreten hatte, wünschte er den gleichen Erfolg und den Rückhalt der gesamten Mannschaft. Er dankte seinem Team, das ihn unterstützt und motiviert habe.
Justiz als Bollwerk gegen antidemokratische Strömungen
Felizitas Hense-Neumann, die neue Chefin, hatte sich schon in ihren ersten Jahren als Richterin zum Ziel gesetzt, erzieherisch auf jugendliche Straftäter einzuwirken. Sie hob den persönlichen Einsatz der gesamten Mannschaft hervor, die daran mitarbeite, dass man auch zukünftig der Justiz vertrauen könne. Die jeweiligen Direktoren des Amtsgerichts sind im neuen Justizzentrum gleichzeitig auch federführend bei den Dienstgeschäften des Amts-, Sozial- und Arbeitsgerichts.
Mathias Kirsten warnte vor einer Zukunft, in der die Justiz an Bedeutung in der Öffentlichkeit verlieren könnte. Die Unabhängigkeit der Justiz, die er von antidemokratischen Kräften bedroht sieht, sei bedeutsam. Kirsten: „Die unabhängige Justiz muss ein Bollwerk sein, um den Rechtsstaat zu schützen.“
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Zu Gelsenkirchen hatte Kirsten schon immer einen besonderen Draht. Nach dem Abitur in der Stadt und dem Studium wurde er 1994 zum Richter am Amtsgericht Gelsenkirchen ernannt. Nach Stationen in Hamm und Essen hatte er sich anlässlich der WM 2006 nach Gelsenkirchen abordnen lassen.
Nach der Zusammenlegung der beiden Amtsgerichte Buer und Gelsenkirchen trat der damals 50-jährige Kirsten 2015 seinen Dienst als Amtsgerichtsdirektor im neuen Justizzentrum an. Die Förderung der Ausbildung und das Wachhalten der Erinnerungskultur an die düsteren Jahre der Naziherrschaft prägten unter anderem seinen Einsatz. Er hatte durch Ausstellungen über die Aufarbeitung des NS-Unrechts Gelsenkirchen zum Ort der lebendigen Erinnerung gemacht.
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Das Thema bleibt auch in seinem Ruhestandsalter präsent. Die Aufarbeitung der Justiz im 3. Reich ist ihm nach wie vor ein besonderes Anliegen. Im Rahmen der Ausstellung Justiz und NS möchte er im Februar Schüler bei der Ausstellung im Justizzentrum begleiten. Als Referent bietet er Vorträge in der Justiz-Akademie in Recklinghausen an und bleibt als Tagungsleiter in der Richter-Akademie in Trier aktiv.
In seiner Freizeit will er sich häufiger auf sein gerade gekauftes Fahrrad schwingen und seinen Garten pflegen. Der, so meint er, habe mehr Zuwendung verdient.