Wenn renommierte Musiker neue Alben vorstellen, ist das gerne mal eine etwas undankbare Aufgabe. Fehlt dabei doch oftmals noch die Bindung des Publikums zum neuen Material, weshalb dieses zwar meist mit freundlichem Applaus bedacht wird – im Hinblick auf die Reaktionen aber natürlich nur selten mit der gewachsenen Liebe für das Altvertraute mithalten kann. Gar nicht so verkehrt also, dass der famose Filigranelektroniker Sascha Ring aka Apparat sein Konzert in der Alten Kongresshalle als musikalische Wundertüte gestaltet, indem er sein neues Album „A Hum Of Maybe“ (VÖ: 20. Februar) einfach einen knappen Monat vor der Veröffentlichung auf die Bühne bringt.

Gerade mal den edel wattierten Titeltrack und eine Alternativversion des sphärischen „An Echo Skips A Name“ hat er bisher als Singles veröffentlicht, dabei aber zumindest offenbart, dass er hier auch vermehrt auf analoges Instrumentarium zu setzen scheint. Am 27. Januar wird sich nun zeigen, was Ring auf seinem ersten Solo-Album nach den Jahren als Teil der elektronischen Supergroup Moderat (die er mit den Berliner Kollegen Modeselektor unterhält) ausgetüftelt hat. Tendenz: wunderbar feinteilige und harmonische Seelenschmeichler, zu denen sich aber gerne noch eine Prise Tanzbarkeit gesellen darf.

An letzterer wird es am 30. Januar im Pacha wiederum gewiss nicht mangeln. Legt dort doch mit Peter Cornely aka Karotte ein Resident-DJ auf, der seit den späten Achtzigern derart möhrchenhafte Sets zwischen Techno, House und Minimal auf den Dancefloor zu zaubern weiß, dass man ihm längst das offizielle Prädikat „garantiert tanzbar“ hätte verleihen sollen. Umso schöner also, dass er nach Jahren als Resident im Harry Klein mit dem Pacha eine neue Heimat gefunden hat.

Ein leicht verspätet zelebriertes Jubiläum steht indes am 6. Februar im Blitz Club an, wenn dort der heute 62-jährige Detroit-Techno-Pionier Jeff Mills das 30-Jährige seines Mixes „Live at Liquid Room“ begeht. Ein DJ-Mix als Jubiläumsanlass, das mag an sich erst mal etwas prätentiös wirken. Doch was Mills 1995 im Tokioter Club „Liquid Room“ mit diesen 36 Tracks über eine Spielzeit von 66 Minuten zusammengebaut hat, ist mit all seinen energischen Übergängen, seinen furchtlosen dramaturgischen Brüchen und seiner wuchtigen Intensität zu nichts weniger als einem historischen Techno-Tondokument geworden. Da kann man also schon mal mit einem Leinwand-Screening des Original-Sets und einem taufrischen DJ-Set des Meisters zur Jubiläumssause laden.

Er brachte einst den House ins Ultraschall: Tobi Neumann.Er brachte einst den House ins Ultraschall: Tobi Neumann. (Foto: Greta Saffer)

Pionierarbeit leistete in den späten Neunzigern auch der Münchner Tobi Neumann, der als DJ und Veranstalter qualitativ hochwertigen House in den ansonsten brettlharten Techno-Tempel Ultraschall im Kunstpark Ost brachte. „Flokati“ hieß die Reihe, mit der Neumann dem House jenseits seiner kommerziellen Ausformungen ein Münchner Zuhause gab, was damals tatsächlich ein Novum war. Heute agiert der 60-Jährige von seinem Berliner Apollo-Studio aus mal als Produzent von Indie-Bands wie The Parcels, mal als Kollaborationspartner aufstrebender Techno-Acts wie dem Duo Fjaak – und natürlich auch weiterhin als versierter DJ wie nun auch bei seiner Rückkehr nach München am 6. Februar im Bahnwärter Thiel.

Für alle, die es gerne etwas brachialer haben, empfiehlt sich schließlich die kostengünstige neue Reihe „Ultrasozial“ in der Roten Sonne. Für bescheidene 10 Euro bekommt man dort ein Line-up geboten, das einem aller Voraussicht nach ordentlich die Ohren klingeln lassen wird. Denn auch wenn die Augsburgerin Alina Viktoria hinter den Decks zuweilen auch als DJ Schüchtern agiert, ist ihre Gangart zwischen Schranz und Trance doch mindestens genauso heftig wie die der Münchner Rote-Sonne-Resident Synta oder die des Dortmunder Hardcore-DJs Per Pleks, dessen Sets als Ganzkörpererlebnis durch Mark und Bein gehen. Wer sich traut, steigt am 13. Februar spätabends am Maximiliansplatz die Kellertreppe hinab. Glück auf!