Der Tod des US‑amerikanischen Pflegefachmanns Alex Pretti in Minneapolis hat weltweit Reaktionen von Pflegeverbänden und Pflegefachpersonen ausgelöst. Die American Nurses Association (ANA) spricht von einem erschütternden Ereignis und fordert Aufklärung. Pretti kam am 24. Januar während eines Einsatzes von Bundesbeamten der Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis ums Leben. Details zum genauen Ablauf werden derzeit untersucht. Die ANA forderte eine „vollständige, ungehinderte Untersuchung“ und betonte, dass die Ergebnisse „umgehend und klar“ veröffentlicht werden müssten. Gleichzeitig verwies der Verband darauf, dass bereits jede vierte Pflegefachperson Gewalt am Arbeitsplatz erlebe.

Solidarität aus Europa und Forderung nach Aufklärung

Auch auf europäischer Ebene äußerten Pflegeorganisationen ihre Betroffenheit. Die European Federation of Nurses Associations (EFN) erklärte am Sonntag ihre Solidarität mit der ANA, der Familie von Alex Pretti sowie der internationalen Pflegegemeinschaft. In der Stellungnahme heißt es, der Tod eines Pflegenden treffe „die gesamte globale Pflegegemeinschaft“.

Die EFN schloss sich der Forderung nach einer vollständigen und transparenten Untersuchung an und betonte die Notwendigkeit, Pflegefachpersonen vor Gewalt zu schützen. Pflege sei dem Schutz des Lebens verpflichtet; Pflegende dürften „keine Ziele von Gewalt“ sein, so der Verband sinngemäß.

Petition fordert posthume Auszeichnung durch den ICN

Parallel dazu hat der Pflegedirektor des Deutschen Herzzentrums der Charité, Sebastian Dienst, eine internationale Petition gestartet. Der Pflegemanager ruft auf Change.org dazu auf, Alex Jeffrey Pretti posthum mit dem „Health and Human Rights Award“ des International Council of Nurses (ICN) auszuzeichnen. In der Petition heißt es, Pretti habe „in einem Moment akuter Gefahr“ im Sinne der professionellen Pflege gehandelt und Menschen geschützt.

Die Auszeichnung des ICN wird seit 2000 für besondere Verdienste im Bereich Gesundheit und Menschenrechte vergeben. Der ICN erklärte auf LinkedIn, aus aller Welt gebe es „ein tiefes Gefühl von Verlust, große Sorge und Trauer“ nach dem Tod des US‑Pflegefachmanns. Die Gedanken des ICN seien bei der Familie von Pretti; der Verband habe der ANA sein tiefes Beileid bereits persönlich übermittelt. Der Weltpflegeverband kündigte eine ausführliche Stellungnahme kurzfristig an.

Stimmen aus der Pflegecommunity

Auch in sozialen Netzwerken äußerten sich Pflegefachpersonen deutlich. Die Präsidentin der Pflegekammer Nordrhein‑Westfalen, Sandra Postel, schrieb auf LinkedIn: „Die Reaktionen aus der Pflege-Community zeigen, wie stark sein Verlust schmerzt.“ Sie verwies darauf, dass Pflegende in den USA eine zentrale Rolle in der Versorgung von Veteraninnen und Veteranen spielen, zugleich jedoch zunehmend unter beruflichen, politischen und existenziellen Druck geraten.

Der Tod von Alex Pretti mache sichtbar, „wie zerbrechlich Schutz und Menschlichkeit geworden sind, wenn staatliche Gewalt eskaliert und Verantwortlichkeit unklar bleibt“, so Postel. Auch aus Deutschland werde mit Sorge beobachtet, wie repressive politische Entwicklungen Einfluss auf die Arbeitsbedingungen von Pflegenden nehmen. „Wer Pflege schwächt, gefährdet Menschen. Wer Pflegende zum Schweigen bringt, gefährdet Demokratie.“ 

Auch der frühere US-Präsident Barack Obama hat die tödlichen Polizeischüsse auf den 37-Jährigen Pretti verurteilt und das Vorgehen von Präsident Donald Trump scharf kritisiert. „Die Tötung von Alex Pretti ist eine herzzerreißende Tragödie“, schrieben Obama und seine Ehefrau Michelle in einer gemeinsamen Erklärung. „Sie sollte auch ein Weckruf für jeden Amerikaner unabhängig von Parteizugehörigkeit sein, dass viele unserer zentralen Werte als Nation zunehmend angegriffen werden.“