Der Wirtschaftsflügel der CDU attackiert den Anspruch auf Teilzeit – und löst damit einen offenen Konflikt aus. Hamburgs CDU-Landes und Fraktionschef Dennis Thering hält den Vorstoß für realitätsfern und warnt vor schweren Folgen für Beschäftigte und Wirtschaft.

Die Forderung aus CDU-Reihen nach einer Einschränkung des Rechtsanspruchs auf Teilzeit stößt bei Dennis Thering auf Kritik. „Der Rechtsanspruch auf Teilzeit ist eine wichtige Errungenschaft. Viele möchten oder können nur in Teilzeit arbeiten“, sagte der Vorsitzende der CDU-Bürgerschaftsfraktion und des Landesvebandes der Christdemokraten in Hamburg. Der Vorschlag gehe an der Lebensrealität vieler Menschen vorbei und schade dem Wirtschaftsstandort Deutschland, kritisierte Thering.

Der Wirtschaftsflügel der CDU will den Rechtsanspruch auf Teilzeit einschränken. Es soll ihn nur noch geben, wenn besondere Gründe vorliegen. Dazu zählt die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) die Erziehung von Kindern, die Pflege von Angehörigen und berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung.

Das geht aus einem Antrag der MIT an den CDU-Bundesparteitag im Februar hervor. Der Antrag trägt den Titel „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“. Widerspruch kam nicht nur aus der Opposition, sondern auch vom Koalitionspartner SPD und aus der CDU selbst.

Thering: Wortwahl ist respektlos

Der gesetzliche Anspruch auf Teilzeit erlaubt es Arbeitnehmern unter bestimmten Voraussetzungen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Bei vorübergehender Teilzeit kehren sie anschließend automatisch zur vorherigen Stundenzahl zurück. Arbeitgeber können den Antrag nur aus gewichtigen betrieblichen Gründen ablehnen.

Thering sagte, die Beschäftigung würde zurückgehen und der Fachkräftemangel weiter steigen. Es gehe nicht um die Frage des Lifestyles – „diese Wortwahl ist respektlos“. Wer weniger Teilzeit möchte, müsse die Rahmenbedingungen bei Kinderbetreuung und Pflege verbessern, betonte der CDU-Politiker.

Auch aus der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten kommt deutliche Kritik. Die stellvertretende NGG‑Vorsitzende Claudia Tiedge sagte in Hamburg, die Teilzeitpläne des CDU‑Wirtschaftsflügels gingen „meilenweit an der Realität der Arbeitswelt vorbei“. Der Begriff „Lifestyle‑Teilzeit“ stelle Beschäftigte an den Pranger und treffe besonders Frauen, da Teilzeitarbeit in Deutschland überwiegend weiblich sei. Notwendig seien verlässliche Kinderbetreuung, eine funktionierende Pflegeinfrastruktur und weniger Hürden auf dem Weg in Vollzeit.

In den NGG‑Branchen hielten hunderttausende Teilzeitkräfte den Betrieb im Schichtdienst und zu wenig attraktiven Zeiten am Laufen – für viele sei Teilzeit „keine Bequemlichkeit, sondern die zwingende Voraussetzung“, um Arbeit, Familie, Pflege oder die eigene Gesundheit zu vereinbaren, so Tiedge.

juve/lno