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Berlin – Seit Jahren warnt die Gewerkschaft der Polizei (GdP) vor dem schleichenden Verfall der Berliner Polizei: mangelnde Bewerberqualität, fehlende Attraktivität des Berufs, hohe Abbruchquoten. Jetzt muss auch Berlins Polizeipräsidentin zugeben: Viele Bewerber sind zu schlecht.
Im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses beklagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel (59) das Bildungsniveau von Schulabgängern. Konkret: Bei vielen Bewerbern sind die Deutschkenntnisse nicht mal ausreichend.
Viele Bewerber fallen bei Computertests durch
„Ich will kein Schulbashing betreiben, aber es gibt ein Problem der Bildungsniveaus, mit denen die jungen Menschen aus den Schulen kommen“, sagte Berlins oberste Polizistin. Viele Bewerber würden schon bei den Computertests durchfallen – und das liege zu 80 Prozent am mangelnden Deutsch.
Slowik Meisel stellt dabei klar: „Wir haben ein ganz erhebliches Problem der Deutschkenntnisse, ganz unabhängig von der Nationalität.“
Die Anforderungen bei den Tests seien keineswegs zu hoch und ließen sich auch nicht senken, betonte sie. Sonst werde das Problem nur aufgeschoben und würde innerhalb der Ausbildung dann zu höheren Abbrecherquoten führen. Diese seien bei der Berliner Polizei bisher in Relation zu anderen Polizeibehörden und anderen Berufen etwas niedriger.

Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel (59, r.) mit Innensenatorin Iris Spranger (64, SPD)
Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Deutsch-Nachhilfe für Polizei-Azubis seit 2019
Schon seit 2019 bietet die Berliner Polizei darum Deutsch-Nachhilfekurse für ihre Auszubildenden an. Da es „grundsätzliche Schwierigkeiten im sprachlichen Bereich (…) bei Rechtschreibung, Zeichensetzung und beim schriftlichen Verfassen von Texten“ gäbe.
Ob sich seitdem etwas gebessert hat, ist nicht bekannt. Von den jährlich 1224 Plätzen in der Ausbildung des Nachwuchses für die Polizei wurden im vergangenen Jahr nur 936 Plätze besetzt, wie Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sagte. Zu wenig, um die Sicherheit auf Berlins Straßen auch in Zukunft vollumfänglich gewährleisten zu können, warnte bereits die GdP.
Denn bis 2030 geht ein Drittel der aktuellen Beamten in Pension. Ohne genügend Nachwuchs droht ein Personalkollaps.