Im Juli 2021 hatte ein Starkregenereignis im Ahrtal gravierende Folgen für das Leben zehntausender Menschen sowie für die Region. Im Rahmen des Projekts SOZIAHR steht daher die Ahrtalflut als einschneidendes Ereignis für die Menschen der Region im Mittelpunkt. Anhand einer Fallstudie wollen die Forschenden untersuchen, wie rechtliche, politische und soziale Strukturen in Krisensituationen funktionieren – und wo Verbesserungen möglich sind, die auch für andere Regionen in Deutschland relevant sein können. Extremwetterereignisse als Folgen des menschengemachten Klimawandels werden immer wahrscheinlicher und können künftig vielerorts auftreten. Daher ist es entscheidend, aus den Erfahrungen im Ahrtal zu lernen, um besser vorbereitet zu sein und die Auswirkungen zukünftiger Katastrophen abzumildern.
Um statistisch belastbare Daten zur Lebenssituation der Menschen im Ahrtal seit der Flut zugrunde legen zu können, ist im Sommer dieses Jahres eine große Bevölkerungsumfrage im Ahrtal geplant, für die ca. 40.000 Haushalte angeschrieben werden. Parallel sollen auch Verwaltungsmitarbeitende aus Behörden interviewt werden und mittels Dokumentenanalysen die administrative Seite des Wiederaufbaus in den Blick genommen werden. Ziel ist es, die Projekterkenntnisse zeitnah ins Ahrtal zurück zu melden und gemeinsam realistische Handlungen für die identifizierten Problemlagen zu entwickeln. Damit dies gelingt, veranstalten die Projektpartner*innen mehrere Workshops mit Expert*innen aus der Region, um den direkten Austausch mit der Praxis zu fördern. Die Wissenschaftler*innen des Wuppertal Instituts unterstützen das Projekt zudem im Rahmen einer Kooperation mit einer Akteurs- und Politikfeldanalyse, die die verschiedenen Politikebenen (Kommune, Landkreis, Bundesland und Bund) zusammen denkt und systemische Lösungswege aufzeigt. Anfang 2027 werden die Ergebnisse der Bevölkerungsumfrage öffentlich zugänglich gemacht.
Insgesamt stehen dem Team von SOZIAHR im Zeitraum von 2026 bis 2028 rund 1.000.000 Euro an Forschungsgeldern zur Verfügung, wobei ein Anteil von 840.000 Euro durch die Stiftung Mercator getragen wird. Verschiedene Einrichtungen der Universität Bonn – Rektorat, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät und Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät – leisten mit Zuschüssen in Höhe von circa 160.000 Euro ebenfalls einen wichtigen finanziellen Beitrag.