Ricky-Jade Jones vom FC St. Pauli

AUDIO: St. Paulis Nachholspiel gegen Leipzig soll stattfinden (5 Min)

Bundesliga

Stand: 26.01.2026 17:19 Uhr

Der FC St. Pauli hofft am Dienstagabend im Nachholspiel gegen Champions-League-Anwärter RB Leipzig auf eine Überraschung. Dafür wird sich der abstiegsbedrohte Hamburger Fußball-Bundesligist im Vergleich zum ängstlichen Auftritt im Derby gegen den HSV aber erheblich steigern müssen.

„Angst essen Seele auf“ – nachdem das tor- und trostlose Duell der beiden Stadtrivalen am Freitagabend die Überschrift des berühmten deutschen Melodrams trug, soll nun am Dienstagabend (20.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) an selber Stelle im Millerntor-Stadion wieder Reeperbahn-like richtig abgerockt werden. Ein paar Mal „Song 2“ aus den Lautsprechern – das wäre doch was. Zumindest aus Sicht der St.-Pauli-Fans. Dann nämlich wären nahe des Spielbudenplatzes „Buden“ für die Gastgeber gefallen.

Doch die Wahrscheinlichkeit, dass die Tormusik des Kiezclubs mehrfach ertönt, erscheint eher gering. Zum einen, weil der Gegner nicht zur Kategorie „Laufkundschaft“ zählt. Zum anderen haben die Hanseaten in 18 Partien gerade einmal 16 Treffer erzielt – Minuswert im deutschen Oberhaus.

Coach Alexander Blessin, in seiner Profi-Laufbahn selbst Stürmer, will die miese Statistik aber nicht als Ausrede gelten lassen. „Wir müssen einfach eine Schippe drauflegen – zuallererst bei der Intensität“, forderte der 52-Jährige. Seine Jungs seien nach dem Mutlos-Auftritt gegen den HSV „in der Pflicht“, so der Trainer. Denn: „Das war schon harte Kost.“

St. Paulis Hauke Wahl (l.) und HSV-Angreifer Fabio Baldé

Der HSV kann mit dem Remis besser leben als der FC St. Pauli, für den die Lage im Bundesliga-Abstiegskampf prekär bleibt.

Blessin: „Tun uns gegen große Gegner leichter“

Nur gut für St. Pauli, dass es nun nicht wieder gegen einen Mitkonkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt, sondern ein Spitzenteam geht. Denn gegen Mannschaften aus dem oberen Tabellendrittel zeigten die Hamburger in dieser Saison bisher gute Leistungen, auch wenn es am Ende weder gegen Bayern München (1:3) noch Borussia Dortmund (2:3) oder Bayer Leverkusen (1:2) zu etwas Zählbarem reichte.

„Wir tun uns von Natur aus gegen große Gegner leichter. Wir müssen aber an die 100 Prozent kommen, um da etwas zu holen“, sagte Blessin, der bei seiner Equipe gegen den HSV ein mentales Problem ausmachte: „Wir waren zu verkopft.“

Rasmussen soll Kreativ-Probleme lösen

Vielleicht bedarf es ja einfach auch ein wenig frischen Blutes. Oder um den Silberstreif an St. Paulis Horizont mit einem deutschen Hit auszudrücken: „Neue Männer braucht das Land.“ Das sang schon Ina Deter. Und mit anderen Worten tat dies nun vor dem Duell mit den Leipziger „Roten Bullen“ auch Blessin. Sein Lobesgesang galt dabei einem Norweger namens Mathias Knutsen Rasmussen. Mit dem 28 Jahre alten zentralen Mittelfeldspieler hat der Coach bereits in Belgien beim Zungenbrecher-Club Union Saint-Gilloise zusammengearbeitet. Und seitdem ist Blessin glühender Fan des Strategen.

„Er kann verschiedene Positionen spielen, auf der Sechs, Acht oder Zehn. Er bewegt sich sehr gut im Raum, hat ein sehr gutes Auge für seine Mitspieler, sehr gute Tiefenläufe, sehr gute Pässe, ist sehr, sehr ballsicher und hat einen guten Tiefendrang auch im Spiel gegen den Ball. Und er ist sehr, sehr clever im Verbund, da Ballgewinne zu generieren“, schwärmte Blessin über Rasmussen, den St. Pauli am vergangenen Sonnabend von den Unionern aus Saint-Gilloise geholt hat.

Sprintet Weltrekordler Jones in die Startelf?

Darf man den Worten des Coaches Glauben schenken, hat St. Pauli in dem Norweger einen kompletten Spieler verpflichtet, der die Kreativ-Probleme lösen kann und zudem auch in der Arbeit gegen den Ball prima ist. Aber wird der Neue auch gleich gegen Leipzig auflaufen? „Er hat jetzt zwei Einheiten mitgemacht. Es steht dem nichts im Wege, dass er im Kader steht“, sagte Blessin geheimnisvoll.

Rasmussen dürfte also gute Chancen auf einen Einsatz von Beginn haben. So auch Ricky-Jade Jones. Der Engländer stellte nach seiner Einwechslung zum zweiten Abschnitt gegen den HSV in einem Sprint mit 36,46 km/h eine neue Bundesliga-Bestmarke für diese Saison auf. Damit blieb der 23-Jährige allerdings noch ein wenig unter dem Weltrekord von 37,6 km/h, den er einst im Trikot seines Ex-Clubs Peterborough United aufstellte.

Und überhaupt war Jones ein sehr belebendes Element für die Kiezkicker. „Ricky hat das gut gemacht. Es spricht nichts dagegen, dass er auch anfangen kann“, sagte Blessin. Da Andréas Hountondji weiter verletzt ausfällt und Martijn Kaars gegen den HSV kein Faktor war, spricht vieles für eine Startelf-Nominierung des Engländers. Würde ja auch irgendwie passen, wenn er mit einer „Bude“ dafür sorgt, dass die Musik seiner Landsleute von Blur aus den Lautsprechern des Millerntors erklingt…

Mögliche Aufstellungen:

FC St.Pauli: Vasilj – Ando, Wahl, Mets – Pyrka, Sands, Smith, Oppie – Fujita, Pereira Lage – Jones
RB Leipzig: Gulacsi – R. Baku, Orban, Bitshiabu, Raum – Seiwald – X. Schlager, Baumgartner – Diomande, Romulo, Nusa

Holocaust-Gedenken: St. Pauli erinnert an verfolgte Sportler

St. Pauli wird sich am Dienstagabend vor dem Nachholspiel mit einer besonderen Aktion am Holocaust-Gedenktag beteiligen. Spieler der Profimannschaft stellen die Biografien früherer St.-Pauli-Sportler vor, die während der NS-Zeit verfolgt, deportiert oder ermordet wurden. Diese Videobeiträge werden dann im Stadion gezeigt.

Abwehrspieler Hauke Wahl beispielsweise wird an den jüdischen St.-Pauli-Spieler Selig Cahn erinnern, der 1942 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet wurde. „Damit möchte der Verein ein klares Zeichen setzen gegen das Vergessen und für eine aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit“, so der Club.

Schnee satt am Millerntor-Stadion des FC St. Pauli

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