Stefan Kuntz in einer Jacke mit HSV-Raute.

AUDIO: HSV verschärft den Ton im Streit mit Stefan Kuntz (1 Min)

Streit spitzt sich zu

Stand: 26.01.2026 17:33 Uhr

Die Auseinandersetzung zwischen dem HSV und Ex-Sportvorstand Stefan Kuntz spitzt sich zu. Nachdem der 63-Jährige zuletzt erstmals ausführlich seine Sicht der Dinge geschildert hatte, verschärft nun der Club den Ton.

Beide Seiten verbreiten unterschiedliche Angaben, wie die Trennung im Dezember abgelaufen sein soll. Im Kern geht es in der längst öffentlich geführten Auseinandersetzung um zwei Punkte.

Die Anwälte von Kuntz hatten zuletzt in der „Süddeutschen Zeitung“ („SZ“) erklärt, ihr Mandant wisse bis heute nicht, was ihm konkret von wem vorgeworfen wird. Diese Darstellung nennen die Mitglieder des Aufsichtsrats „nachweislich unwahr“. In einer Erklärung vom Montag halten sie dagegen, dass Kuntz sehr wohl informiert worden sei.

HSV-Aufsichtsrat: Kuntz war über Vorwürfe informiert

„Am 18. Dezember wurde Stefan Kuntz förmlich über die Untersuchung informiert; am 19. Dezember wurden seinen damaligen Anwälten in anonymisierter Form die Inhalte sämtlicher bis dahin vorliegender Zeugenaussagen mitgeteilt.“ Zudem habe der Aufsichtsrat Kuntz „zwei Termine (22./23. Dezember) für die Anhörung angeboten; hierauf gingen Stefan Kuntz und seine Anwälte nicht ein. In der Folge unterbreitete der HSV-Aufsichtsrat auf Wunsch von Stefan Kuntz bis zum 27. Dezember zwei weitere konkrete Anhörungstermine, die von Stefan Kuntz oder seinen Anwälten verschoben oder abgesagt wurden.“

Am 27. Dezember habe Kuntz das Gremium dann über einen Wechsel seiner Anwälte informiert und um einen Anhörungstermin am 29. Dezember ab 11 Uhr gebeten. „Diesen Termin hat der Aufsichtsrat gegenüber den neuen Anwälten bestätigt“, so der HSV. Am Vorabend des Termins habe Kuntz aber über seine Anwälte mitgeteilt, „doch nicht mehr für die Anhörung zur Verfügung zu stehen und den Termin stattdessen für die Verhandlung des Aufhebungsvertrages nutzen zu wollen. Eine Anwesenheit bei diesem Termin lehnte Stefan Kuntz ab. Den neuen Anwälten wurde in diesem Termin angeboten, die bis dato ermittelten Vorwürfe erneut detailliert mitzuteilen.“ Das sollen sie abgelehnt haben. Mit der Begründung, dass ihnen die Vorwürfe bekannt seien.

Vertragsauflösung „aus freien Stücken“?

Punkt zwei betrifft die ursprünglich als „einvernehmlich“ verkündete Trennung zum 31. Dezember des vergangenen Jahres. Laut HSV-Aufsichtrat habe sich Kuntz aus freien Stücken für den Abschluss der Aufhebungsvereinbarung entschieden. „Tatsächlich wurde ihm gesagt, dass eine einvernehmliche Aufhebungsvereinbarung eine Möglichkeit sei, eine längere und möglicherweise öffentlich werdende Untersuchung zu vermeiden. Ob dies sinnvoll sei, könne er, da er die Berechtigung der Vorwürfe kenne, selbst am besten beurteilen.“

Kuntz‘ Anwälte hatten in der SZ angedeutet, ihr Mandant sei vom HSV unter Druck gesetzt worden. Ihm sei durch die Kontrolleure vermittelt worden, seine Anhörung würde zu einem öffentlichen Bekanntwerden der Vorwürfe führen, sollte Kuntz die Vereinbarung nicht binnen einer gesetzten Frist unterschreiben.

HSV-Aufsichtsrat: „Schwerwiegende Pflichtverletzungen“

Insgesamt verschärft der HSV den Ton und spricht mittlerweile von „zahlreichen schwerwiegenden Pflichtverletzungen“ von Stefan Kuntz, für die es „glaubhafte Hinweise“ geben würde. Diese hätten „jeden verantwortungsvollen Aufsichtsrat zum Handeln veranlassen müssen“.

Am 2. Januar war die Trennung zwischen Kuntz und dem Fußball-Bundesligisten verkündet worden. Zunächst war in der Mitteilung des HSV von „familiären Gründen“ die Rede. Einen Tag nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung, die von sexueller Belästigung sprach, teilte der Aufsichtsrat jedoch mit, dass der Abschied im Zusammenhang mit Vorwürfen wegen eines angeblichen Fehlverhaltens von Kuntz stehe. Kuntz weist die Vorwürfe weiterhin entschieden zurück.

HSV-Sportvorstand Stefan Kuntz

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