Von einer „Krise der mentalen Gesundheit bei jungen Menschen“ spricht die Bundesschülerkonferenz (BSK). Das Sprachrohr der Schüler in Deutschland hat sich am Wochenende zu einem Bildungskongress in Berlin zusammengefunden. Rund 200 Teilnehmer diskutierten, wie sich das Problem lösen lässt. Mit dabei war auch Lilli Berthold. Sie geht in die zwölfte Klasse des Georg-Cantor-Gymnasiums in Halle und ist Generalsekretärin der BSK.

Leistungsdruck, Burnout und Schulangst seien häufige Symptome, sagt die 18-Jährige. Jeder fünfte Schüler fühlt sich laut Deutschem Schulbarometer psychisch belastet, etwa durch Ausgrenzung in sozialen Medien, gesellschaftliche Krisen und Leistungsdruck. Lilli Berthold ergänzt die vergangene Corona-Pandemie als weiteren Krisenfaktor: „Corona hat soziale Vereinsamung gefördert und soziale Grundkompetenzen eingeschränkt. Jugendliche bräuchten jetzt eigentlich Entwicklungshilfe.“

Schulpsychologen nicht erst bei Suizidgedanken einsetzen

Nicht alle Probleme von jungen Menschen werden in der Schule ausgelöst. Doch die Schulen müssen es auffangen, allein weil sich durch die Ganztagsbetreuung ein Großteil des Lebens in der Schule abspielt. Das Ziel: Schulen von einer reinen Bildungseinrichtung zu einem Lebensort zu machen. Die Bundesschülerkonferenz fordert dafür mehr Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen. In Sachsen-Anhalt fehle beides zu oft, sagt Lilli Berthold: „Das Land bezahlt Schulsozialarbeiter aus EU-Fonds, die deshalb immer befristete Stellen haben. Teilweise teilen sich Schulsozialarbeiter drei Schulen, wo sie dann jeweils ein bis zwei Tage in der Woche verbringen.“ Schulpsychologische Unterstützung wird laut Lilli Berthold, wenn überhaupt, erst im Ernstfall eingeschaltet, etwa bei Suizidgedanken.

Ein Bewusstsein für die Lage junger Menschen wäre der erste Schritt. Für plumpe Sprüche wie „Die Jugend kann heute nichts mehr ab“, hat sie eher Mitleid: „Menschen, die so etwas sagen, sieht man an, dass sie selbst schlechte Kindheitserfahrungen nie verarbeitet haben. Ich will mich nicht darum streiten, wer die größere Opferrolle spielt. Aber das als Ausrede zu benutzen, dass es anderen Leuten auch schon schlecht ging, ist ein bisschen lost.“