Frage: Bringt es was, einen Monat keinen Alkohol zu trinken?
Prof. Thomas Berg: Das hängt vor allem davon ab, welche Menge Alkohol man trinkt. Es gibt Menschen, die einen sehr moderaten Alkoholkonsum haben. Das ist so ungefähr ein kleines Bier, ein Glas Wein. Bei diesen Menschen wird es sicherlich keinen großen Effekt haben. Es gibt Menschen, die aber doch einen relativ regelmäßigen Wein- oder Alkoholkonsum haben, den manchmal auch einsetzen, um einen gewissen Effekt zu erzielen, um ein bisschen runterzukommen. Und da ist es sicherlich nicht verkehrt, einfach mal zu sehen, wie ist es ohne. Wie geht es einem da?
Langfristig gesehen, muss man sagen, wenn es jetzt um Lebererkrankungen geht, da bringt ein Monat natürlich nichts. Wenn man die anderen elf Monate deutlich zu viel konsumiert, wird man davon auch nicht so viel merken.
Ein Monat ohne: Kann sich die Leber in dieser Zeitspanne etwas erholen?
Die Leber hat wirklich eine sehr hohe Regenerationsfähigkeit. Je kürzer sozusagen die schädigende Wirkung auf die Leber eingewirkt hat, desto schneller ist es auch wieder rückgängig. Aber grundsätzlich kann man solche Effekte sehr schnell sehen.
Wenn man zum Beispiel zum Hausarzt geht und einen Gesundheitscheck macht. Man sieht, die Leberwerte sind etwas erhöht und man hat die Vermutung, das könnte auch mit dem Alkoholkonsum zusammenhängen. Und man lässt ihn dann weg, dann kann es schon sein, dass man nach zwei Wochen bereits sieht, dass die Werte fast wieder normal geworden sind.
Die Leber hat wirklich eine sehr hohe Regenerationsfähigkeit.
Prof. Thomas Berg
Bereichsleiter Hepatologie des Universitätsklinikums Leipzig und Leberexperte
Stimmt es, dass jeder Tropfen Alkohol schädlich ist?
Ich glaube, dass man das so simpel nicht sagen kann. Es kommt auf den gesamten Menschen an. Wenn Sie ein Sportler sind, sich gesund ernähren, kein Übergewicht haben und Sie trinken ab und zu ein Glas Wein oder ein Glas Bier, dann habe ich es noch nicht gesehen, dass das wirklich negative Effekte hat.
Wobei manche Mediziner, Ernährungsmediziner sagen, jedes Glas ist schädlich. Ich glaube, das ist übertrieben. Aber wenn Sie eben andere Risikofaktoren haben, Sie sind übergewichtig, Sie sind zuckerkrank, dann müssen Sie unter Umständen vorsichtiger sein.
Ist es schlimmer für die Leber, selten viel Alkohol zu trinken oder häufig ein bisschen?
Es gibt diese sogenannten Binge-Drinker, die mal einen Monat ganz viel und dann aber auch wieder monatelang nichts trinken. Da ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Leber zwischendurch doch wieder so gut erholt, hoch, sodass diese Wahrscheinlichkeit der Zirrhose geringer ist.
Diese Patienten haben aber ein Risiko, eine sogenannte schwere, akute Alkoholhepatitis, also eine alkoholausgelöste Leberentzündung zu bekommen, das heißt, da muss die Leber noch gar nicht unbedingt eine Zirrhose haben, aber die trinken dann ja manchmal bis zu zwei Flaschen Schnaps. Das sind dann wirklich hohe Mengen und das kann die Leber so entzünden, dass man eine Gelbsucht kriegt und im schlimmsten Fall wirklich ins Leberversagen rutscht.