Noch ist kein Licht am Ende des Tunnels – oder besser der Unterführung – zu sehen: Die Planungen rund um die Südumfahrung Hagsfeld sind noch immer nicht endgültig festgezurrt.

Stadt vertagt Entscheidung zur Umfahrung Hagsfeld

Eigentlich hätte der Gemeinderat am Dienstag, 27. Januar, über weitere Details des seit 2008 diskutierten Großprojekts entscheiden sollen – doch am Montagvormittag wurde die Umfahrung plötzlich von der Tagesordnung des Gemeinderats gestrichen.

Eine Unterführung unter der DB-Bahnstrecke - das soll die Umfahrung Hagsfeld werden.

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Eine Unterführung unter der DB-Bahnstrecke – das soll die Umfahrung Hagsfeld werden.
Foto: Mailänder Consult/Stadt Karlsruhe

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Eine Unterführung unter der DB-Bahnstrecke – das soll die Umfahrung Hagsfeld werden.
Foto: Mailänder Consult/Stadt Karlsruhe

Auf Nachfrage von ka-news gibt die Stadt Karlsruhe an, den entsprechenden Tagesordnungspunkt 12 aufgrund „interner Fragen“ abgesetzt zu haben. „Eine erneute Behandlung in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen ist vorgesehen“, so die Verwaltung.

Worüber hätte der Gemeinderat abstimmen sollen?

Der Hauptteil der Änderungen in den Plänen der Südumfahrung hätte die Steigerung der Kosten für das Bauprojekt betroffen: 132,5 Millionen Euro soll der Bau der Umfahrung inzwischen verschlingen. Das geht aus den Unterlagen der Stadt vor der Absetzung des Tagesordnungspunktes hervor, die der Redaktion vorliegen.

Damit würden die Kosten erneut ansteigen: Im Mai 2025 war im Planungsausschuss noch von 118 Millionen Euro die Rede. Zum Vergleich: Ursprünglich wurden die Kosten auf 70 Millionen Euro geschätzt. Die Kostenplanung schlüsselt sich laut Beschlussvorlage folgendermaßen auf:

PostenKosten
Baukosten 93.500.000 Euro Baupreissteigerung bis 2029 15.000.000 Euro Unvorhergesehenes 9.400.000 Euro Ablösesumme an DB 1.400.000 Euro Ingenieurleistungen 4.600.000 Euro Gutachten 3.000.000 Euro Bauverwaltungskosten 5.600.000 Euro Gesamtkosten 132.500.000 Euro

Hinzukommen würden laut Vorlage Folgekosten von jährlich 3,8 Millionen Euro. „Die vorliegende Kostenberechnung ist umfassend und basiert auf plausiblen, marktüblichen Einheitspreisen. Die Ingenieurbauwerke inklusive Lärmschutzmaßnahmen machen einen maßgeblichen Anteil von 54 Prozent der Baukosten aus. Weitere 22 Prozent entfallen auf den Straßenbau“, heißt es in der darin.

Bauprojekt könnte noch deutlich teurer werden

Ob es weitere Kostensteigerungen geben wird, ist bisher nicht klar – möglich wäre es laut der Risikobewertung, die der Redaktion vorliegt, allerdings durchaus. So hänge die Durchführung der geplanten Unterführungsvariante etwa an der Sanierung der Bahnstrecke Karlsruhe-Mannheim: „Diese wurde von der DB Infra Go bereits mehrfach neu terminiert“, heißt es in der Bewertung.

Sie rollt, die Blechlawine - in Hagsfeld herrscht stets viel Verkehr.

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Sie rollt, die Blechlawine – in Hagsfeld herrscht stets viel Verkehr.
Foto: Thomas Riedel

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Sie rollt, die Blechlawine – in Hagsfeld herrscht stets viel Verkehr.
Foto: Thomas Riedel

Aktuell ist das Zeitfenster für die Sperrung der Strecke, die für den Bau des Trogs unter den Gleisen genutzt werden soll, auf Januar bis Juli 2031 festgelegt. Noch im Mai 2025 war vom Sommer 2030 die Rede. Auch das Planfeststellungsverfahren, welches noch nicht begonnen hat, könnte für bisher unbekannte Mehrkosten sorgen.

Für Karlsruhe will Brückenlösung wieder ins Rennen bringen

Angesichts der prekären Haushaltslage Karlsruhes sind das keine allzu rosigen Aussichten – auch, weil die Stadt die Mehrkosten für die Trogvariante der Umfahrung selbst tragen muss. Das Land Baden-Württemberg fördert voraussichtlich nur den Bau der Brückenlösung.

Die Gemeinderatsfraktion Für Karlsruhe schätzt die Baukosten der Brückenlösung mit rund 88 bis 104 Millionen Euro deutlich günstiger als die Unterführung ein. Auch die laufenden Kosten würden sich nach Schätzung der Fraktion auf 1 Million Euro pro Jahr reduzieren.

Friedemann Kalmbach (Für Karlsruhe)

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Friedemann Kalmbach (Für Karlsruhe)
Foto: Tim Carmele | TMC Fotografie

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Friedemann Kalmbach (Für Karlsruhe)
Foto: Tim Carmele | TMC Fotografie

In einem Änderungsantrag, der am Dienstag ursprünglich ebenfalls zur Abstimmung in den Gemeinderat eingebracht werden sollte, fordert die Fraktion die Stadt daher auf, die Planungen für die Umfahrung entsprechend dem Bau der Brückenlösung zu ändern. Diese sei zudem die ökologischere und technisch weniger aufwendige Lösung.

„Die Abschreibung der bisherigen Planungskosten für den Trog ist sicherlich schmerzhaft, aber im Vergleich zum enormen Einsparpotenzial bei Bau und Betrieb der Brückenlösung das deutlich geringere Übel“, erklärt Für Karlsruhe-Stadtrat Friedemann Kalmbach in dem Antrag, der der Redaktion vorliegt.

Umfahrung Hagsfeld: Das ist der aktuelle Planungsstand

Ob die Stadträte der Umsetzung der Brückenlösung zugestimmt hätten ist fraglich, denn: Im Gegensatz zu den finanziellen Hürden ist die restliche Planung der Troglösung nahezu in trockenen Tüchern. Nach Angaben der Stadt in der Beschlussvorlage ist die Entwurfsplanung inzwischen abgeschlossen:

  • Die Anbindung des Technologieparks wurde an den Bebauungsplan angepasst.
  • Bäume entlang der Umfahrung wurden eingeplant.
  • Die Entwässerung wurde konkretisiert und angestimmt.
  • Die Gestaltung der Lärmschutzwände wurde konkretisiert.
  • Das Bauverfahren wurde finalisiert.
  • Alle notwendigen Ausgleichsflächen wurden gefunden.

Die geplante Trassenführung der Umfahrung Hagsfeld.

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Die geplante Trassenführung der Umfahrung Hagsfeld.
Foto: ka-news.de/umap

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Die geplante Trassenführung der Umfahrung Hagsfeld.
Foto: ka-news.de/umap

Umfahrung Hagsfeld: So soll es weitergehen

Laut der Beschlussvorlage berät die Stadt die Planfeststellungsunterlagen aktuell mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe. Im Anschluss soll der offizielle Antrag auf Planfeststellung gestellt werden. Wie bereits bekannt, sollen 2027 die ersten Ausgleichsmaßnahmen zum Schutz von Eidechsen (CEF-Maßnahmen) beginnen, die bis zum Baubeginn 2029 funktionsfähig sein müssen.

Die Hagsfelder sehnen sich nach Verkehrsentlastung.

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Die Hagsfelder sehnen sich nach Verkehrsentlastung.
Foto: Thomas Riedel

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Die Hagsfelder sehnen sich nach Verkehrsentlastung.
Foto: Thomas Riedel

2029 soll dann mit den ersten Baumaßnahmen wie der Einrichtung der Baustelle und der Herstellung der Baugrube begonnen werden. 2031 soll dann der Trog, also die Unterführung unter den Bahngleisen der DB, hergestellt werden.

ka-news-Hintergrund: Die Südumfahrung Hagsfeld

Die Stadtteile Hagsfeld und Rintheim sollen vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Dafür ist eine Umfahrung geplant, die die Autobahnabfahrt Karlsruhe Nord mit der B10 und der L560 verbindet. Zusätzlich soll der Technologiepark über einen neuen Anschluss direkt an die Umfahrung angeschlossen werden. Begonnen hatte das Projekt, das sich heute „Südumfahrung Hagsfeld“ nennt, als erster Teil der einst geplanten Nordtangente.

Da die Strecke eine Gleistrasse der Deutschen Bahn kreuzt, hat man sich auf zwei Trassenvarianten geeinigt: eine Unterführung/Trog, oder eine Brücke:

Die Unterführung ist 280 Meter lang . Sie taucht von der Elfmorgenbruchstraße her kommend kurz hinter der Alte Bach ab und unterquert die DB-Trasse und den Hinterwiesenweg mit 4,70 Meter Tiefe. Rund 100 Meter weiter nach Westen erreicht die Straße wieder die Geländeoberkante und wird ebenerdig zur Haid-und-Neu-Straße geführt. Diese Variante wird aktuell geplant.

Die Brücke ist rund 430 Meter lang. Sie erhebt sich von der Elfmorgenbruchstraße kommend kurz vor der Alte Bach, wird mit einer Höhe von 6,40 Meter über die DB-Trasse geführt und endet hinter der Rintheimer Hauptstraße. Die Rampen der Brücke erstrecken sich jeweils bis an die Knotenpunkte heran.

Das Projekt spaltet die Karlsruher seit jeher. Während vor allem die Anwohner Rintheims und Hagsfelds durch den Bau der Umfahrung auf eine Verkehrsentlastung in ihren Stadtteilen hoffen, kritisieren Gegner vor allem negative Auswirkungen des Bauprojekts auf das Klima.

  • Melissa Betsch

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  • Kostenexplosion

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  • Umfahrung

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