Liebe Leserin, lieber Leser,

seit
knapp zweieinhalb Jahren arbeitet die Fotografin Valérie Wagner an
ihrem Projekt Seite an Seite.
Dafür hat sie in Hamburg immer wieder Menschen in Form eines
Davidsterns gruppiert und aus der Luft mit einer Drohne aufnehmen
lassen. Meine Kollegin Viola Diem hat vergangenes Jahr mit Wagner
gesprochen, das Interview finden Sie hier (Z+).

Am
Elbstrand hat Wagner fotografiert, da nahmen 24 Menschen Teil, dann
auch in der HafenCity, vor der Kunsthalle, oben auf dem
St.-Pauli-Bunker und vor dem Rathaus, wo 90 Menschen den Davidstern
formten. Heute, am Tag des Gedenkens an die Opfer des
Nationalsozialismus, soll der vorerst letzte menschengemachte Stern
auf dem Joseph-Carlebach-Platz fotografiert werden. Zum ersten Mal
werden die Teilnehmer dabei Kerzen in der Hand halten.

„Ich
hoffe auf 200 Menschen“, sagt Wagner. Sie wolle einen Raum bieten
für alle, die sich engagieren wollen, und spreche auch die jüdische
Community an. Mit der Stiftung Bornplatzsynagoge arbeitet sie beim
heutigen Termin zusammen, im Anschluss gebe es eine Ansprache und ein
Gebet. „Wir werden gegen 17 Uhr die Aufnahme machen, wenn es schon
fast dunkel ist, aber noch einen Schimmer von Licht gibt.“ So kämen
die Kerzen besonders gut zur Geltung.

Es
geht Wagner aber nicht nur um die Aktionen, sondern auch um die
Veröffentlichung der Bilder selbst, „damit
das Thema eine große Reichweite erhält“. Die Bilder will sie
ausstellen, am besten während der Hamburger Phototriennale ab Juni.
Nur hat sie bisher noch keinen Ort gefunden. Mit zwei Anbietern von
Bildschirmflächen, die in Hamburg etwa in U-Bahnhöfen und an
Straßenkreuzungen zu sehen sind, steht sie im Austausch, hat aber
noch keine Zusage. Und Wagner will zudem einen Ort finden, an dem die
sechs Bilder in voller Größe, sechs mal acht Meter, nebeneinander
gezeigt werden können.

© ZON

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Doch
solch große Freiflächen sind eher rar. Eine große Hamburger
Privatbank habe nach interner Diskussion abgesagt – „aus Sorge vor
antisemitischem Vandalismus, gewalttätigen Demos und schlechter
Presse“, sagt Wagner.

Wagner
will jetzt noch bei der Hauptkirche St. Petri anfragen und beim
Thalia Theater. „Die Bilder gehören für mich in den öffentlichen
Raum, weil es um die Sichtbarkeit von jüdischem Leben in Hamburg
geht.“ Inzwischen sei ihr auch recht, wenn die Bilder zu einer
anderen Zeit als der Phototriennale hingen. „Ich habe den Eindruck,
dass es nach dem 7. Oktober zu wenig Solidarität mit Jüdinnen und
Juden in Deutschland gab“, sagt sie. „Ich möchte mit meinen
Mitteln als Fotografin eine Möglichkeit dafür schaffen.“

Ich
wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Ihr
Yannick Ramsel

WAS HEUTE WICHTIG IST

© Christian Charisius/​dpa

Hamburg
kann nach Ansicht von Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) von den
Beschlüssen des Nordsee-Gipfels direkt
profitieren.
Die meisten deutschen
Offshore-Windenergie-Projekte würden schon jetzt von Hamburg aus
gesteuert, sagte Tschentscher. Deutschland und die Anrainerstaaten
der Nordsee hatten sich beim Gipfel geeinigt, den Ausbau von
Windenergie-Anlagen vor den Küsten voranzutreiben.
Vor allem die grenzüberschreitende Zusammenarbeit solle gestärkt
werden, was den Ausbau effizienter machen und Kosten senken soll.
In einer Erklärung
heißt es, die Nordsee solle „zum weltgrößten Drehkreuz“ für
saubere Energie gemacht werden.
Der BUND mahnte an, beim Offshore-Ausbau müssten der Meeresschutz
und die Naturverträglichkeit Vorrang haben.

Acht
Monate nach dem Messerangriff im Hamburger Hauptbahnhof mit
zahlreichen Verletzten muss die 40 Jahre alte Täterin dauerhaft
in die Psychiatrie.
Das hat das
Hamburger Landgericht entschieden. Das Gericht sah es als erwiesen
an, dass die Frau am 23. Mai auf einem Bahnsteig wahllos auf Reisende
eingestochen hat. Während sechs Personen ausweichen konnten,
erlitten 15 Menschen zum Teil lebensgefährliche Verletzungen. Die
Frau sei laut Gericht wegen einer psychischen Erkrankung bei der Tat
schuldunfähig gewesen. Sie stelle eine Gefahr dar und müsse auf
Dauer in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden.

Die
Aussage des ehemaligen HSV-Sportvorstands Stefan
Kuntz,
er sei über die gegen ihn
erhobenen Vorwürfe weder informiert worden noch habe er die
Gelegenheit erhalten, sie zu entkräften, bezeichnet der
HSV-Aufsichtsrat in einem aktuellen Statement als „nachweislich
unwahr“. Am 2. Januar hatte der Bundesligist die Trennung von Kuntz
verkündet, zunächst war die Rede von familiären Gründen. Später
erklärte der Verein, es gebe Vorwürfe eines „schwerwiegenden
Fehlverhaltens“ von Kuntz. Stefan Kuntz weist die Anschuldigungen
gegen sich zurück.

In aller Kürze

• Angesichts von Schneefall und Temperaturen um
den Gefrierpunkt hat die Diakonie eine ganztägige
Öffnung des Winternotprogramms gefordert

– bei der aktuellen Wetterlage sei der Aufenthalt im Freien für
die rund 3.800 obdachlosen Menschen in Hamburg mit erheblichen
gesundheitlichen Risiken verbunden •
Dennis Thering, Vorsitzender der
CDU-Bürgerschaftsfraktion, hat die
Forderung aus CDU-Reihen nach einer Einschränkung
des Rechtsanspruchs auf Teilzeit kritisiert.

Der Vorschlag gehe an der Lebensrealität vieler Menschen vorbei und
schade dem Wirtschaftsstandort Deutschland •
Der Schneefall hat gestern zu
Verkehrsproblemen geführt:
In und um
Hamburg gab es etwa mehrere Unfälle, auf der A7 staute sich der
Verkehr auf mehreren Kilometern, auf den S-Bahn-Linien S2 und S1
sowie im Fern- und Regionalverkehr kam es zu Ausfällen und
Verspätungen

AUS DER HAMBURG-AUSGABE

© Julia Sang Nguyen

Hier gibt’s nur gute Noten

Einmal
in der Woche schickt die Staatliche Jugendmusikschule einen
umgebauten HVV-Bus nach Steilshoop. Darin können Jugendliche lernen,
wie man einen Song schreibt – und noch sehr viel mehr. Lesen Sie
hier einen Ausschnitt aus dem Artikel von ZEIT-Redakteur Martin
Petersen.

Kurz
vor zwölf Uhr stehen Ebrar, April, Hagen, Thierno und Ibrahim
ungeduldig vor der geschlossenen Bustür. Sie kommen direkt aus der
Schule. Thierno klopft an – doch vergebens, sie sind zu früh. Eine
Woche zuvor, erzählen die Elf- und Zwölfjährigen, haben sie die
Musiklehrer kennengelernt und Rhythmusübungen gemacht. Heute soll es
an die Instrumente gehen. „Hoffentlich!“, sagt Ebrar.

Vor
dem grauen, nackten Beton des Einkaufzentrums Steilshoop wirkt der
knallbunte Bus, neben dem sie stehen, wie ein Fremdkörper. Er ist
beklebt mit dem Schriftzug „Jamliner“, daneben spielt eine
Comicfigur Gitarre. Jeden Donnerstag kommt er hierher und parkt am
Straßenrand. Der Bus ist einer von zwei mobilen Band-Übungsräumen
der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg. Musiklehrerinnen und
-lehrer, die extra dafür einen Busführerschein gemacht haben,
steuern mit ihnen zehn Stadtviertel an: Steilshoop, Neuwiedenthal,
St. Pauli, Mümmelmannsberg, Kirchdorf-Süd, Jenfeld, Billstedt,
Dulsberg, Harburg und den Osdorfer Born.

Seit
dem Jahr 2000 bekommen Schülerinnen und Schüler der beteiligten
Schulen im Bus ein halbes Jahr lang Musikunterricht, eine Stunde pro
Woche – während der Schulzeit. Vorkenntnisse müssen sie nicht
mitbringen. In der Zeit schließen sich einige zu einer Band
zusammen, schreiben einen Song, nehmen ihn auf – und vielleicht
geht es damit dann sogar auf die Bühne. Ebrar, April, Hagen, Thierno
und Ibrahim besuchen verschiedene Klassen im sechsten Jahrgang der
Schule am See, einer Stadtteilschule in Steilshoop, die von der
Vorschule bis zur 10. Klasse reicht.

Warum
machen sie mit? „Ich hab von Emma gehört, dass es Spaß bringt“,
sagt Ibrahim. „Weil ich gern singe!“, erklärt Ebrar, „und meine
Lehrerin hat gesagt, dass meine Stimme schön ist.“ Hagen möchte
Schlagzeug spielen. „Außerdem will ich gern auf der Bühne stehen“,
sagt er. Das wollen die anderen auch.

Wie
eine Probe im Jamliner aussieht, lesen
Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de

DER SATZ

© Marcus Brandt/​dpa

„Damals
gab es die Haltung: Lasst uns lieber nicht darüber reden. Das sehen
wir heute ganz anders: Gerade dass wir darüber reden, gehört zu
unserer Identität.“

Der
ehemalige Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Detlef Garbe, ist
von der Rom und Cinti Union mit einem Menschenrechtspreis für sein
Engagement im Bereich der Erinnerungskultur geehrt worden. Die
ZEIT-Redakteure Hauke Friederichs und Marc Widmann führten 2022 ein
Gespräch mit ihm, das wir zu diesem Anlass noch einmal zeigen
.

DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN

Die
Freunde der Kammermusik stellen in der Reihe „Portraitkonzert“ die
musikalischen Geschwister Carolin & Jörg Widmann
vor. Die beiden werden, begleitet von namenhaften Gästen, ein
Programm vorstellen, das einen Bogen über zwei Jahrhunderte
Musikgeschichte spannt.

Wir
verlosen fünfmal zwei Karten für das Konzert am Dienstag, 3.
Februar, ab 20 Uhr im Großen Saal der Elbphilharmonie. Schreiben Sie
uns bis morgen, 12 Uhr, eine E-Mail mit dem Betreff „Widmann“ an
hamburg@zeit.de. Die Gewinner werden von uns direkt benachrichtigt.
Viel Glück!

MEINE STADT

Vor den Toren der Stadt © Arne Mebus

HAMBURGER SCHNACK

Durchsage
des Zugführers in der U1, Haltestelle Stephansplatz: „Wenn ich
angefahren bin, mache ich die Tür ganz bestimmt nicht mehr auf!“

Gehört
von Birgit Wagner

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