Stand: 26.01.2026 10:11 Uhr
Die britisch-nigerianische Künstlerin Karimah Ashadu lebt in Hamburg und ist international gefragt. In ihren Filmen beschäftigt sie sich mit konkreten Orten im sozialen Kontext.
In einem Industriegebiet in Hamburg-Eidelstedt liegt das Studio der 40-jährigen Karimah Ashadu. Hier arbeitet die britisch-nigerianische Künstlerin an neuen Filmen, Gemälden und Plastiken. Aktuell an neuen Glasskulpturen, inspiriert von einem scheinbar banalen Alltagsgegenstand aus Nigeria, nämlich Trinkwasserbeuteln, erklärt Ashadu: „In Nigeria gibt es eine regelrechte Trinkwasser-Kultur, bei der Wasser aus Plastiktüten getrunken wird. Vor allem in den Slums wird aus diesen Beuteln getrunken.“
Beobachten ohne zu bewerten

Trinkwasserbeutel aus Glas: Mit Skulpturen wie dieser beschäftigt sich Karimah Ashadu aktuell.
Film, Malerei und Skulptur gehören zu ihrem künstlerischen Repertoire. Dabei verfolgt Ashadu eine klare Haltung: Sie beobachtet, ohne zu bewerten. „Alle urteilen, aber was hat uns das gebracht?“, fragt sie. „Wenn wir beobachten und einfach nur sehen, was ist, und offen miteinander umgehen, dann haben wir Mitgefühl, können zuhören und jemanden aus einer neutralen Position heraus verstehen.“
Geprägt wurde dieser Blick durch ihr Aufwachsen zwischen London und Lagos. Die nigerianische Megacity ist bis heute eine zentrale Kulisse ihrer Videoarbeiten. Die Inszenierung des männlichen Körpers liegt dabei im Fokus. „Ich interessiere mich dafür, wie sich der Körper bewegt, und für die Körperlichkeit der Arbeit“, sagt Ashadu und fügt hinzu: „Ich habe immer gesagt, dass es für mich etwas Schönes hat, wenn der Körper etwas sehr lange tut und sich flüssig bewegt.“
Blick hinter die raue Fassade der Hamburger Billstraße
In London und Amsterdam studierte Ashadu Kunst und räumliche Gestaltung. Angefangen hat sie mit Malerei und wechselte dann zum Film. Mittlerweile ist sie eine Allrounderin. In Hamburg, wo sie aus privaten Gründen hingezogen ist, findet sie auch immer wieder Inspiration.
Für ihren Film „Brown Goods“ (2020) blickte sie hinter die raue Fassade der Hamburger Billstraße, im Industrie-Stadtteil Rothenburgsort. Die Straße war oft in den Schlagzeilen wegen Schwarzarbeit, illegal gelagertem Schrott und 2023 wegen eines Großbrandes. Dort begleitete sie für mehrere Monate den Nigerianer Emeka, der auf einem der Schrotthöfe arbeitete. „Hamburg ist eine Hafenstadt, wie Lagos oder Amsterdam. Hier gehen ständig Dinge ein und aus – und vieles ist nicht so, wie es auf den ersten Blick erscheint“, erklärt die Künstlerin.
Hamburg als drittes Zuhause
International ist Karimah Ashadu längst angekommen. Ihre Werke wurden unter anderem im New Yorker Museum of Modern Art, in der Tate Gallery in London und im Hamburger Kunstverein gezeigt. 2024 erhielt sie auf der Biennale in Venedig den Silbernen Löwen; im vergangenen Dezember folgte der Lichtwark-Förderpreis des Hamburger Senats.
Ashadu sagt, die Anerkennung in Hamburg habe für sie eine besondere Bedeutung, weil sie hier lebe und arbeite. Die Stadt sei für sie nach London und Lagos zu einer dritten Heimat geworden. „Und deshalb ist es für mich sehr wichtig, mich hier als Teil der Kultur fühlen zu können.“ Auch deshalb plant Karimah Ashadu in diesem Jahr weitere Ausstellungen in Hamburg – und arbeitet in ihrem Studio bereits an neuen Projekten.