Ein Wahrzeichen von Chemnitz verabschiedet sich: Das Congress Hotel, einst das berühmte Interhotel Kongreß der DDR, wird zum 31. Januar 2026 seine Türen schließen. Diese Entscheidung schockiert sowohl Einwohner von Chemnitz als auch ehemalige Gäste, die im Laufe der Jahrzehnte in dem eindrucksvollen Bauwerk logierten. Mit einer Höhe von 97 Metern und 26 Stockwerken ist es das höchste Gebäude der Stadt und ein prägendes Beispiel der DDR-Moderne. Das Hotel bot Platz für mehr als 700 Gäste und war damit das viertgrößte auf dem Gebiet der DDR.
Ein architektonisches Erbe des Brutalismus
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Als es 1974 als Interhotel Kongreß seine Pforten öffnete, stellte das Gebäude ein eindrucksvolles Beispiel für den Brutalismus dar. Diese Architekturrichtung, charakterisiert durch markante, monumentale Betonstrukturen, wurde in den 1960er und 1970er Jahren weltweit populär. Rudolf Weißer, der federführende Architekt, nutzte diesen Stil, um Funktionalität und robuste Ästhetik zu vereinen. Das Gebäude fügt sich in das architektonische Ensemble mit der Stadthalle und dem Kongresszentrum ein und prägt das Stadtbild von Chemnitz bis heute.

Blick zum Karl-Marx-Monument und dem 1974 eröffneten Congress Hotel im Zentrum von Chemnitz. (Foto: Hendrik Schmidt/dpa)
Gewerkschaft kritisiert die Schließung
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat der Entscheidung zur Schließung energisch widersprochen und spricht im MDR von „eiskaltem Geschäftsgebaren“. Rund 40 Beschäftigte, darunter sieben Auszubildende, sehen einer unsicheren Zukunft entgegen. Nachdem Chemnitz im vergangenen Jahr als Kulturhauptstadt viele Gäste anzog, empfinden die Mitarbeiter die Entscheidung des Betreibers als abrupt und unerwartet.
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Das Aus des Hotels trifft auch die Chemnitzer, die über Jahrzehnte eng mit dem Kongreß verbunden waren. Politische Reaktionen ließen ebenfalls nicht lange auf sich warten: Chemnitz’ Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD) nannte die Entscheidung laut Berliner Kurier bedauerlich.

Dirk Zöllner und Band spielten vor dem Karl-Marx-Monument im Zentrum von Chemnitz unter dem Motto „#wirsindmehr“. (Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa)
Ab 2018 von der Dorint-Kette und später von der GCH Hotel Group betrieben, litt das Gebäude nach Gewerkschaftsangaben unter mangelnden Investitionen. Bemängelt wird unter anderem das Ausbleiben notwendiger Instandhaltungen, wie ausgelaufene Genehmigungen für den Brandschutz. Ob und wie das Gebäude weiter genutzt wird, ist unklar.