Das Wohngeld soll laut dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) diejenigen Menschen unterstützen, deren Einkommen nicht ausreicht, um für ihre Unterkunft aufzukommen. Oft wird die Hilfe schnell benötigt. Denn auch die Vermieter möchten Sicherheit. Doch gerade beim Faktor Zeit krankt das System bisher. Seit die Wohngeldreform „Wohngeld Plus“ im Januar 2023 in Kraft getreten ist, habe sich laut der Berliner Senatsverwaltung für Stadt­ent­wicklung, Bauen und Wohnen die Zahl der Anträge verdoppelt. Das verlängert die Wartezeiten bei der Antragsbearbeitung zusätzlich. Berlin und andere Städte möchten künftig allerdings mit einer „smarten“ Lösung Abhilfe schaffen.

Wie lange dauert es, Wohngeld-Anträge zu prüfen?

Seit das „Wohngeld Plus“ in Kraft getreten ist, haben sich die Bezüge der Wohngeldempfänger laut dem BMWSB im Durchschnitt verdoppelt. Die Anzahl der Haushalte, die die staatliche Leistung in Anspruch nehmen können, hat sich sogar verdreifacht. Da die Wohngeldhöhe alle zwei Jahre dynamisch an die Preis- und Mietpreisentwicklung angepasst wird, profitieren viele Bezieherinnen und Bezieher. Das gestiegene Interesse an der Unterstützung sorgt für eine stärkere Auslastung der zuständigen Wohngeldstellen und verzögert die Bearbeitungsdauer.

So kann die Bearbeitung eines Antrags auf Wohngeld oft mehrere Monate dauern. In Augsburg liegt der Durchschnitt bei etwa drei bis vier Monaten, wie Martin Schenkelberg, Sozialreferent der Stadt Augsburg, unserer Redaktion auf Anfrage mitteilte. Wie der Weser-Kurier berichtete, beträgt die Bearbeitungszeit in Bremen sogar fünf Monate. In anderen großen Städten sieht es ähnlich aus.

Welche Aufgabe soll KI bei der Prüfung von Wohngeld-Anträgen übernehmen?

Künstliche Intelligenz (KI) soll Abhilfe schaffen. Laut der Berliner Senatsverwaltung für Stadt­ent­wicklung, Bauen und Wohnen läuft in den Hauptstadtbezirken Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte, Lichtenberg und Reinickendorf seit dem 26. Januar eine zweimonatige Testphase für ein Pilotprojekt: Eine KI-gestützte Software soll dabei helfen, die digital eingereichten Anträge auf Wohngeld zu prüfen. Die Antragstellerin oder der Antragsteller müssen allerdings vorher ausdrücklich zustimmen.

Die KI soll die digital eingereichten Anträge auf Vollständigkeit überprüfen. Denn nach Angaben der Berliner Senatsverwaltung werden viele Wohngeldanträge unvollständig abgegeben und verursachen somit zusätzliche Arbeit. In diesen Fällen muss sich die Wohngeldstelle schriftlich mit den Antragstellern in Verbindung setzen. Das kostet wertvolle Zeit und verlängert die Bearbeitungsdauer. Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz verspricht sich die Senatsverwaltung eine deutliche Reduzierung dieser Bearbeitungszeit, wodurch auch die Kundenfreundlichkeit verbessert werden soll.

Wo wird KI bereits genutzt, um Bearbeitungszeiten bei Wohngeld-Anträgen zu reduzieren?

Einige deutsche Städte nutzen die derzeit in Berlin getestete KI-Software bereits. Darunter sind unter anderem die Großstädte Hannover, Nürnberg und Düsseldorf. Die Sozialdezernentin der Stadt Hannover, Sylvia Bruns, rechnete laut einer Pressemitteilung bei der Einführung der KI-Lösung mit mindestens 14 Tagen weniger Wartezeit.

Auch die Stadt Augsburg hat sich bereits mit möglichen KI-Lösungen für die Prüfung von Wohngeldanträgen beschäftigt. „Die Einführung einer KI-Lösung hängt in Augsburg aktuell davon ab, inwieweit der Freistaat Bayern sich an einer etwaigen Finanzierung beteiligt“, erklärte Schenkelberg unserer Redaktion. Wann und ob auch Augsburg in Zukunft auf eine KI-Unterstützung hoffen kann, bleibt demnach noch offen.

  • Philipp Holzhey

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