Paris, 26. Jan (Reuters) – Die französische Nationalversammlung hat angesichts wachsender Sorgen über Online-Mobbing und Risiken für die psychische Gesundheit ein Gesetz zum Verbot von sozialen Medien für Kinder unter 15 Jahren gebilligt.

Die Abgeordneten stimmten am späten Montagabend mit 116 zu 23 Stimmen für den Gesetzentwurf. Dieser geht nun zur weiteren Beratung an den Senat, bevor eine Schlussabstimmung im Unterhaus erfolgt. Präsident Emmanuel Macron, der das Verbot bis zum Beginn des neuen Schuljahres im September umsetzen will, hatte Social Media als einen der Gründe für die Gewalt unter jungen Menschen genannt.

In Frankreich gibt es eine breite politische und öffentliche Unterstützung für die Einschränkung des Zugangs für Minderjährigen zu diesen Medien. „Mit diesem Gesetz setzen wir eine klare Grenze in der Gesellschaft und sagen, dass soziale Medien nicht harmlos sind“, sagte die Abgeordnete Laure Miller bei der Vorstellung des Entwurfs. „Unsere Kinder lesen weniger, schlafen weniger und vergleichen sich mehr miteinander.“

Mit einem Bann würde Frankreich dem Beispiel Australiens folgen, wo im Dezember ein weltweit erstes Verbot für unter 16-Jährige auf Plattformen wie Facebook, Snapchat, TikTok und YouTube in Kraft trat. Die Durchsetzung solcher Verbote kann sich jedoch schwierig sein. Die australische Regierung räumte ein, dass die Einführung ihres Verbots holprig verlaufen sei. Das französische Gesetz würde die Plattformen verpflichten, den Zugang für junge Teenager durch Altersüberprüfungsmechanismen zu blockieren, die mit dem EU-Recht konform sind. Die Gesetzgebung weitet zudem ein bestehendes Verbot von Smartphones in Grund- und Mittelschulen auf Gymnasien aus.

(Bericht von Leigh Thomas und Elizabeth Pineau. Geschrieben von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)