Moskau intensiviert offenbar die Maßnahmen, um dem demografischen Wandel und der zunehmend überalternden und schrumpfenden Bevölkerung im eigenen Land zu begegnen. Das geht aus einem Geheimdienstbericht des Londoner Verteidigungsministeriums hervor, der am Montag via X veröffentlicht wurde.
Demnach habe sich Kremlchef Wladimir Putin am 21. Januar mit russischen Regierungsbeamten getroffen, um die Bevölkerungspolitik des Landes zu erörtern. Dabei habe der Machthaber betont, dass es ein „zentrales strategisches Ziel Russlands“ sein müsse, endlich Ergebnisse in puncto Demografiewandel zu erzielen.
Bereits bei einem zuvor angesetzten Treffen am 8. Dezember 2025 zeigte sich Putin mit den Fortschritten in dieser Frage unzufrieden. „Die bereits ergriffenen Maßnahmen zur demografischen Entwicklung sind unzureichend“, kritisierte der Kremlchef damals. „Der Negativtrend hält an, und die Geburtenraten sinken weiter“, tadelte Putin. Welche konkreten Maßnahmen die russische Regierung bereits unternommen hat, wurde im Bericht aus London nicht erläutert.
Die Versuche der russischen Führung, die Geburtenraten zu erhöhen, werden den Bevölkerungsrückgang in Russland kurzfristig höchstwahrscheinlich nicht aufhalten können.
Geheimdienstbericht aus London
Was sind die Gründe für Russlands Bevölkerungsrückgang?
Der britische Geheimdienst will ein „schwerwiegendes demografisches Problem Russlands“ erkannt haben. Der Missstand hinsichtlich einer alternden und schrumpfenden Bevölkerung habe sich demnach in den vergangenen Jahren massiv verschärft.
Gründe dafür seien einerseits die erheblichen russischen Kriegsopfer infolge der russischen Invasion in die Ukraine. Dabei handele es sich „bislang wahrscheinlich um etwa 1.225.000 Tote und Verwundete“, heißt es in dem Bericht.
Andererseits habe sich das Problem durch die Auswanderung von etwa 1,3 Millionen Russen verschärft. Unter den Abgewanderten befinden sich demnach „besonders viele jüngere und gut ausgebildete Russen“.
Geheimdienstbericht sieht keine Trendumkehr
Russlands schrumpfende Bevölkerung stelle demnach nicht nur eine langfristig große Herausforderung für die russische Gesellschaft dar, sondern wirke sich über kurz oder lang auch auf die russische Wirtschaft aus, heißt es aus London.
Der britische Geheimdienst mutmaßt: Moskaus Maßnahmen zu einer Erhöhung der Geburtenrate „werden Russlands Bevölkerungsrückgang kurzfristig höchstwahrscheinlich nicht aufhalten können“.
1.225.000
Tote und Verwundete soll es auf russischer Seite geben.
Geburtenrate sinkt auch in der Ukraine
Auch die Ukraine sieht sich angesichts des russischen Angriffskriegs mit einer stark gesunkenen Geburten- und Heiratsrate konfrontiert.
Lesen Sie auch: Gegenwind für Trump-Regierung aus eigenen Reihen Selbst die US-Waffenlobby fordert nach der Erschießung von Alex Pretti Aufklärung „Träumen Sie weiter“ Rutte schließt Verteidigung Europas ohne die USA aus Wie „konstruktiv“ waren die Gespräche wirklich? Kreml erteilt Sicherheitsgarantien für Ukraine mal wieder eine Absage
Wie die britische BBC Anfang Januar berichtete, sind in den vergangenen Jahren viele ukrainische Menschen, insbesondere Frauen, aus dem von Putin angegriffenen Land geflohen, um sich andernorts ein neues Leben aufzubauen. Parallel dazu seien ukrainische Männer entweder an der Front im Einsatz, oder sie hätten dort bereits ihr Leben gelassen.