
Der Wirtschaftsflügel der Union will den Rechtsanspruch auf Teilzeit einschränken. Innenminister Dobrindt lehnt den Vorstoß jedoch ab. Er gehe an den Lebensmodellen vieler Menschen vorbei. Auch aus anderen Teilen der CDU kommt Kritik.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt lehnt den Vorschlag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion ab, das Recht auf Teilzeit einzuschränken. „Ich sehe da keinen Änderungsbedarf“, sagte Dobrindt dem Sender ntv. Die Arbeitszeit sei etwas, was sehr individuell entschieden werde, so der CSU-Minister – jeder entscheide selbst, wie viel er heute arbeiten wolle und könne.
Er glaube nicht, dass aus dem Vorstoß ein politisches Programm werden werde. Sein Maßstab sei eher die Flexibilisierung der Arbeitszeit. Er glaube, dass man weg müsse vom Acht-Stunden-Tag und hin zu einer Wochenarbeitszeit. „Das kommt, glaube ich, dem Lebensgefühl der Menschen näher.“
Der Wirtschaftsflügel der CDU will den Teilzeitanspruch von Arbeitnehmern begrenzen. In dem Antrag für den Bundesparteitag im Februar fordert er, dass der bisher geltende Rechtsanspruch auf Teilzeit künftig nur bei „Vorliegen einer besonderen Begründung gelten“ solle. Dazu zählten etwa die Erziehung von Kindern, die Pflege Angehöriger oder Weiterbildungen. Der Antrag trägt den Titel „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“.
Kritik an Begriff „Lifestyle-Teilzeit“
Auch an diesem Titel störte sich Dobrindt. Der Begriff „Lifestyle-Teilzeit“ impliziere den Vorwurf, Menschen würden sich unnötig für Teilzeit entscheiden, erklärte der Bundesinnenminister. Die Priorität auf andere Dinge als Vollzeitarbeit zu legen, sei jedoch ein akzeptabler Grund. Es gebe keinen Zwang auf 41 Stunden Arbeitszeit pro Woche.
Der Begriff „Lifestyle-Teilzeit“ war auf reichlich Kritik gestoßen – durch die Parteien und die Union selbst hinweg, aber auch von Seiten der Arbeitnehmer- und Sozialverbände.
Laumann: Deutsche arbeiten nicht zu wenig
Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sprach sich ebenfalls gegen den Vorstoß des Wirtschaftsflügels aus. In der Rheinischen Post sagte Laumann, dass es sehr gute Gründe für eine Teilzeitbeschäftigung gebe.
„Beispielsweise nutzen Eltern und pflegende Angehörige die Möglichkeit, um Arbeitsverhältnis und Care-Arbeit bestmöglich miteinander zu vereinbaren“, so der CDU-Minister.
In Nordrhein-Westfalen arbeiten Laumann zufolge knapp 70 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Vollzeit und 30 Prozent in Teilzeit. Den Vorwurf, die Deutschen arbeiteten zu wenig, wies Laumann ebenfalls zurück. „Im Jahr 2024 haben die Erwerbstätigen in Deutschland, die in Vollzeit beschäftigt waren, durchschnittlich rund 1589 Stunden gearbeitet“, betonte er.
Im Jahr 2024 gingen laut Statistischem Bundesamt gut 13 Millionen aller Erwerbstätigen einer Teilzeittätigkeit nach, dies entspricht knapp 30 Prozent. 6,2 Prozent der teilzeitbeschäftigten Männer und 4,2 Prozent der Frauen waren eigentlich auf der Suche nach einem Vollzeitjob.