In den vergangenen zwei Jahren gab es bei Alba Berlin ein wiederkehrendes Muster: Oft spielte die Mannschaft, selbst in der Euroleague, über weite Strecken ordentlich mit – nur um dann in der entscheidenden Phase zuverlässig einzubrechen. In der Crunchtime, wie die letzten Spielminuten im Basketball genannt werden, bröselte das Selbstvertrauen dahin und Alba verlor.

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Zu Saisonbeginn setzte sich diese Tendenz auch nach dem personellen Umbruch im vergangenen Sommer fort, allerdings nur kurz. Mittlerweile haben sich die Berliner gefunden und aus ihrer Schwäche eine Stärke gemacht.

Besonders gut illustrieren lässt sich diese Entwicklung an Jack Kayil. Der Spielmacher ist an diesem Dienstag 20 Jahre jung geworden, wirkt aber deutlich reifer. Der Nationalspieler sucht die Verantwortung in den entscheidenden Phasen – und überzeugt mit einer beeindruckenden Nervenstärke.

Ein bisschen Druck ist immer da, aber es macht auch Spaß, in solchen Minuten zu spielen.

Jack Kayil

Beim knappen Sieg gegen Bamberg am vergangenen Sonntag erzielte er in der Verlängerung acht von Albas elf Punkten. Beim Comeback-Sieg in Bursa vor einer Woche waren es neun Zähler im Schlussviertel. „Ein bisschen Druck ist immer da, aber es macht auch Spaß, in solchen Minuten zu spielen“, sagt Kayil. „Wir glauben immer an uns, egal wie es auf dem Scoreboard aussieht.“

Neben der Gewinnermentalität einzelner Spieler wie Kayil gibt es für Albas neue Stärke vor allem zwei Gründe. Zum einen ist die Mannschaft ohne den wahnwitzigen Spielplan der Euroleague mit regelmäßig drei Spielen pro Woche deutlich frischer und bricht physisch nicht mehr ein. Noch wichtiger ist aber das neue Selbstvertrauen der Berliner.

Die Champions League tut gut

In den vergangenen Jahren gab es für Alba wettbewerbsübergreifend mehr Niederlagen als Siege. Für ein Team, das um Titel spielen will, ist das mental eine große Herausforderung. Der Wechsel in die Champions League hat zwar einen Verlust an Prestige und Budget mitgebracht, der Mannschaft aber auch diese Last genommen.

Die Berliner haben in dieser Saison 20 ihrer 26 Spiele gewonnen – und jeder Sieg steigert das Vertrauen in die neue Identität, festigt das neue Gerüst. „Wir sind als Team extrem zusammengerückt. Und das ist das, was uns jetzt extrem hilft. Wir haben einen Turnaround geschafft und stehen jetzt sehr gut da“, sagt Kapitän Jonas Mattisseck.

Wie gefestigt Alba nach der Hälfte der Saison wirklich ist, kann die Mannschaft am Mittwoch (18 Uhr, Dyn) in der Champions League bei AEK Athen bestätigen. Die Griechen standen in der vergangenen Spielzeit im Final Four und sind wie Alba mit einem Sieg in die Zwischenrunde gestartet.

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„Das ist eine attraktive Herausforderung, um zu sehen, wo du gerade selbst stehst“, sagt Sportdirektor Himar Ojeda. Auch wenn es nicht gegen die Euroleague-Giganten Panathinaikos oder Olympiakos geht, „wissen wir, was uns in Griechenland erwartet.“ (mit dpa)