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Mehrere Erdrutsche treffen Niscemi in Italien beim Unwetter. Jetzt frisst sich ein Graben durch die Stadt, Gebiete werden wohl unbewohnbar.

Das Wichtigste in
dieser Nachricht

  1. Schaden in Niscemi „unermesslich“: Erdrutsch-Front schreitet voran – Sizilien-Ort in sensiblem Terrain
  2. Erdrutsch zerreißt Stadt in Italien: Gebiet von Außenwelt abgeschnitten – „Häuser werden einstürzen“

Update vom 27. Januar, 12:32 Uhr: Der Erdrutsch in Niscemi weitet sich unaufhaltsam aus. Siziliens Regionalpräsident Reanto Schifano ist nun in die Stadt gereist,um sich selbst ein Bild der Lage zu machen. Videos in den sozialen Netzwerken zeigen, wie die Erde unter Häusern und Autos einfach wegbröckelt. Und auch die Unwetter gönnen keine Ruhe: Für heute gilt erneut eine gelbe Warnung des Zivilschutzes.

Schaden in Niscemi „unermesslich“: Erdrutsch-Front schreitet voran

Update vom 27. Januar, 10:20 Uhr: „Die Einstürze dauern an“, berichtet Niscemis Bürgermeister Massimiliano Conti. Ein gesamter Stadtteil ist inzwischen von dem Erdrutsch betroffen. Der Schaden sei „unermesslich“.

Geologe Giuseppe Caruso erklärt dem Corriere della Sera, der Boden in dieser Region sei geologisch betrachtet relativ jung, weich und leicht erodierbar. „Dieses Gelände hebt sich ständig, und der sandige Boden ist durchlässig. Wasser dringt ein, und die Entwässerung ist aufgrund des darunterliegenden Tons schwierig. All das führt zu Instabilität“, erklärt Caruso weiter.

Erdrutsch in Italien: Bilder zeigen das Ausmaß der NaturkatastropheBilder des Erdrutsch in ItalienFotostrecke ansehen

Ob die jüngsten Unwetter den Erdrutsch direkt ausgelöst haben, bleibt unklar. Der Prozess sei bereits zuvor im Gange gewesen, so der Geologe. „Jetzt dehnt sich die Front aus. Das ist besorgniserregender.“

Erdrutsch zerreißt Stadt in Italien: Gebiet von Außenwelt abgeschnitten

Erstmeldung vom 27. Januar, 6:22 Uhr:

Niscemi – Wo gestern noch Straßen verliefen, klafft heute ein 25 Meter tiefer Abgrund. In Niscemi auf Sizilien sackt seit dem Unwetter am Sonntag (25. Januar) der Boden weg – Meter um Meter verschlingt die Erde Straßen, Häuser und Hoffnungen der Bewohner. Über 1.000 Menschen mussten bereits ihre Heimat verlassen .

Erdrutsche bei Unwetter: Eine wahrhafte Klippe klafft im italienischen Niscemi.Erdrutsche bei Unwetter: Eine wahrhafte Klippe klafft im italienischen Niscemi. © ZUMA Press/Imago

Der Erdrutsch frisst sich unaufhaltsam durch die 25.000-Einwohner-Stadt in der Provinz Caltanissetta. Bürgermeister Massimiliano Conti spricht von einer „dramatischen Situation“. Die Rutschung erstreckt sich bereits über vier Kilometer, 55 Meter tiefe Klippen klaffen im Gemeindegebiet.

Extremes Erdrutsch-Ereignis in Italien: Niscemi praktisch von Außenwelt abgeschnitten

„Die Situation verschlechtert sich weiter, weil weitere Erdrutsche registriert wurden“, erklärt Conti den Medien . In der Nacht zum Montag entstanden neue Risse von bis zu zehn Metern Tiefe. Die betroffenen Quartiere Sante Croci, Trappeto und Via Popolo wurden komplett geräumt.

Niscemi ist praktisch von der Außenwelt abgeschnitten. Nur noch eine einzige Straße führt aus der Stadt heraus. Die wichtigen Verkehrsachsen sind gesperrt, Schulen bleiben geschlossen. Der Zivilschutz entsandte 70 Freiwillige und brachte hunderte Feldbetten aus Palermo in die örtliche Sporthalle Pio La Torre. Viele Bewohner kamen bei Verwandten unter, andere harren in Notunterkünften aus.

Erdrutsch in Niscemi mittlerweile vier Kilometer lang – „Häuser werden einstürzen“

Die Prognose ist niederschmetternd. Zivilschutzchef Fabrizio Curcio kündigte an: „Wer dort ein Haus hat, wird nicht mehr zurückkehren.“ Eine rote Zone wird eingerichtet, in der Wohnungen dauerhaft unbewohnbar bleiben.

„Dies ist ein tragisches Ereignis, das uns auf die Probe stellt. Die rote Zone wurde erweitert und auf 150 Meter von der Erdrutschlinie, von der steilen Felswand, die jeder gesehen hat, ausgedehnt“, sagte Bürgermeister Massimiliano Conti in einer Live-Übertragung auf Facebook. Er betont: „Diese Tragödie wird uns alle betreffen, aber lasst uns Ruhe bewahren.“

Der Zivilschutz warnt: „Alle Häuser im Umkreis von 50 bis 70 Metern werden einstürzen.“ Der Erdrutsch besteht mittlerweile aus einem Hauptbruch in zwei Bögen von vier Kilometern Länge und einer Absenkung, die senkrechte Wände von bis zu 50-55 Metern Höhe entstehen ließ.

Zyklon Harry bringt Verwüstung nach Italien

Das Gebiet war bereits vor 29 Jahren von einem ähnlichen Erdrutsch betroffen. Die aktuellen Erdrutsche entstanden durch das Sturmtief Harry, das seit Tagen heftige Regenfälle über Sizilien bringt.

Der italienische Ministerrat berät am Dienstag über die Ausrufung des Notstands für Sizilien, Sardinien und Kalabrien . Regionalpresident Renato Schifani koordiniert die Hilfsmaßnahmen vor Ort, unterstützt von Fachleuten der nationalen Zivilschutzbehörde. (Verwendete Quellen: Facebook, Ansa, Rai) (moe)