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Hamburg – Windrad-Hasser aufgepasst! Laut Kanzler werden die Rotor-Türme nicht ewig in der Landschaft herumstehen. Sie seien nur eine „Übergangstechnologie“ – denn es kommt etwas Besseres! Zwar beschloss Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) beim Nordseegipfel in Hamburg mit anderen Regierungschefs (u. a. aus Dänemark, Belgien, den Niederlanden und Norwegen) den Windkraft-Turbo für Offshore-Anlagen.
Aber der Kanzler sagte auch: Die Windenergie werde uns „zehn Jahre, 20 Jahre, vielleicht 30 Jahre begleiten“. Denn seine Hoffnung liege woanders: Deutschland solle dann „den ersten Fusionsreaktor der Welt ans Netz nehmen“. Dann werde Strom so günstig, „dass es keine anderen Erzeugungsmethoden mehr brauche“.
Mehr zum ThemaMerken: „Fusionsenergie“
Bei der Kernfusion verschmelzen Atomkerne zu einem neuen, schwereren Kern – anders als bei der klassischen Kernenergie, bei der die Atome gespalten werden. An der Energiegewinnung durch Kernfusion wird bislang noch geforscht. Die Bundesregierung hatte Anfang Oktober eine milliardenschwere Förderung für diesen Bereich bewilligt.
Dabei wird enorme Energie frei. In Sternen läuft dieser Prozess seit Milliarden Jahren – auch das Strahlen der Sonne entsteht so, wenn Wasserstoffatome zu Helium werden. Ziel der Forschung ist es, diesen Vorgang technisch nachzubilden und die Energie nutzbar zu machen.
Kernfusion wie bei Sonne und Sternen für alle
Ein theoretischer Vorteil gegenüber der klassischen Atomkraft: Bei der Kernfusion entstehen nur indirekt und in deutlich geringerem Umfang radioaktive Abfälle. Eine unkontrollierbare Kettenreaktion wie bei der Kernspaltung gilt in einem Fusionskraftwerk zudem als nicht möglich.
Die Realität sieht bislang allerdings ernüchternd aus. Trotz jahrzehntelanger Forschung ist es bisher nicht gelungen, aus Versuchsanlagen nennenswert Energie zu gewinnen. Meist wird für den Betrieb mehr Energie benötigt, als am Ende freigesetzt wird. Friedrich Merz zeigte sich dennoch überzeugt, dass die Technologie in zehn bis 20 Jahren verfügbar sein werde.
Fortschritts-Pessimisten und Umweltschützer sind dagegen mal wieder skeptisch. Sie warnen davor, dass die Kernfusion falsche Hoffnungen wecken könne. Zudem stehe der Fokus auf große Kraftwerke einer möglichst dezentralen Energieversorgung mit erneuerbaren Energien entgegen.