„Ich verdiene an sich nichts an diesem Laden. Es ist gerade so kostendeckend“, verrät Liebner. Gewöhnlich ist der Januar etwas schleppender, dafür im Dezember mehr. „Ich würde auch nicht sagen, dass die Umsätze stark zurückgegangen sind, die sind relativ gleichbleibend“, sagt sie. Einzig der September sei aus der Reihe gefallen. „Da konnte ich nur knapp die Miete decken, habe aber auch von meinem Stoffhändler gehört, dass es anderen ähnlich gehe.“ Die Nachforderung der WSW haben ihr den Boden unter den Füßen weggezogen. Mit dem Rücken an der Wand stehend, wie sie sagte, hat sie sich dafür entschieden, online nach Hilfe zu suchen. Über die Webseite gofundme.com findet man unter dem Suchwort Palim Palim den Aufruf von Zoe Liebner. „Weil ich mir kein finanzielles Polster aufbauen kann, um auf solch unvorhergesehene Ausgaben vorbereitet zu sein, habe ich gehofft, dass so über die nächsten Wochen Unterstützung zusammenkommt“.

Große Welle an Solidarität
über die Sozialen Medien

Womit sie überhaupt nicht gerechnet hat, war die große Welle an Solidarität, die ihr insbesondere über die sozialen Medien entgegenkam. „In nur neun Stunden hatte ich dank der Hilfe von so vielen Menschen die Summe zusammen, die es für mich braucht, um meine Schulden bei den WSW zu zahlen und den Laden weiterhin betreiben zu können“, freut sie sich. Noch läuft die Kampagne weiter. „Es gibt auch noch andere offene Beträge, die nicht so akut sind, die ich so aber abzahlen kann und damit finanziell etwas durchatmen kann“, erklärt sie.

In Zukunft soll der Online-Shop des Ladens mehr ausgebaut werden. Für Mittwoch, 28. Januar, ist abends ein Live-Shopping via Instagram geplant, die genaue Uhrzeit gibt es dort bei dem Kanal @deinpalimpalim. Mit drei Säulen bietet ihr Laden nicht nur ausgesuchte Stoffe, sondern auch Nähkurse und von ihr genähte Unikate an.

Zoe Liebner betreibt den Laden seit fast drei Jahren alleine, davor waren noch ihre Eltern mit an Bord. „Und ich bin vom Luisenviertel hoch auf den Ölberg gezogen. Die Miete dort war für mich nicht mehr bezahlbar.“ Hier sei zwar weniger Laufkundschaft, aber wenn ihre Notlage etwas Gutes hat, „dann haben einige Menschen mich wieder auf dem Schirm, dass es das Palim Palim noch gibt“.

Dadurch, dass sie auch noch im Angestelltenverhältnis beschäftigt ist, ist das Palim Palim nur montags und samstags geöffnet. „Ich bin aber immer online erreichbar und mache gerne vieles möglich.“ Auch ohne die Unterstützung, für die sie sehr dankbar ist, sagt sie, dass sie „irgendwie weiter gemacht hätte. Der Ausgleich und der Laden bedeuten mir sehr viel!“

Dass gerade der Januar für (kleine) Läden schwierig ist, bestätigt auch Karen Gütebier, die ein paar Häuser weiter in ihrem Concept Store „Wohnsachen“, Dorotheenstraße 1, handgemachte Unikate verkauft. „Wir merken durch die allgemeine wirtschaftliche und weltpolitische Verunsicherung einen immer stärker werdenden Umsatzrückgang“, sagt sie. Sie verweist auf gute Netzwerke mit anderen Läden und Labels, denen es ähnlich geht und auf Ölberg-Aktionen wie „Der Berg ruft“ oder „Kunstkiez“. Dass dieser Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung wichtig sind, darüber sind sich beide Frauen einig.

Dabei wünschen sich viele Menschen kleinere Läden mit individueller Betreuung – dafür müssen sie aber auch genutzt werden. „Ich versuche mit meinem Laden die Freude (wieder) zu wecken, Besonderes zu entdecken, Sachen vorher auch mal anzufassen und die Farben auch in der Realität zu betrachten statt nur am Monitor“, sagt Karen Gütebier.