Neben den Deichtorhallen widmen auch die anderen großen Museen Hamburgs der Fotografie wichtige Ausstellungen – und zeigen im neuen Museumsjahr viele weitere Highlights.

Angesichts der politisch-gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart „stehen die Museen unter erhöhtem Druck, relevant zu sein“, findet Dirk Luckow, Intendant der Deichtorhallen. Das Haus hielt dem Druck offenbar stand und konnte – obwohl die Südhalle aufgrund von Sanierungsarbeiten geschlossen ist –, im Jahr 2025 mehr als 180.000 Besucher verzeichnen. Damit stieg die Zahl der Gäste im Vergleich zum Vorjahr (152.000 Besucher) deutlich.

30 Fotografen von fünf Kontinenten

Im Rahmen des Ausstellungsprogramms 2026, das Luckow jetzt vorstellte, werden mit der deutschen Filmemacherin Hito Steyerl, 60, und der amerikanischen Malerin Joyce Pensato (1941–2019) zwei einflussreiche Künstlerinnen in Einzelschauen gewürdigt. Steyerl beschäftigt sich in ihren Videoessays und multimedialen Installationen mit aktuellen Themen wie Technologie, KI, Globalisierung und Postkolonialismus (ab 30. Oktober), während Pensato „die Popkultur Amerikas durchdrungen und sie mit Tiefe angefüllt hat“, wie der Intendant erklärt (Sammlung Falckenberg, ab 10. Oktober).

Vom 5. Juni an wird das Deichtorhallen-Programm von der 9. Triennale der Photographie bestimmt. Die Hauptausstellung „Alliance, Infinity, Love – In the Face of the Other“ vereint 30 Fotografen von fünf Kontinenten, die soziopolitische Themen mit persönlichen Erzählungen verbinden. Eine Doppelschau ist der deutsch-ghanaischen Fotografin Akosua Viktoria Adu-Sanyah, 35, und dem deutsch-türkischen Künstler Abdulhamid Kircher, 29, gewidmet. Beide experimentieren mit der analogen Farbfotografie und erforschen ihre familiäre Vergangenheit.

Ausstellungen zum 100. Geburtstag von F. C. Gundlach

Zudem steht der Modefotograf F. C. Gundlach (1926–2021), der die Triennale 1999 initiierte, anlässlich seines 100. Geburtstages als Sammler im Rampenlicht: Die Jubiläumsschau „Cocktail Prolongé“ präsentiert 300 Arbeiten aus der Sammlung Gundlach, die sich mit den vielfältigen Inszenierungsmöglichkeiten von Körperlichkeit befassen. Zu sehen sind Werke von 70 Künstlern, darunter Richard Avedon, Irving Penn, Diane Arbus oder Cindy Sherman.

Auch die anderen großen Hamburger Museen nehmen die Foto-Triennale in ihre Programme auf. So setzt sich das Bucerius Kunst Forum vom 8. Mai an ebenfalls mit F. C. Gundlach auseinander. Die Ausstellung „You’ll Never Watch Alone!“ zeigt sowohl seine eigenen ikonischen Modefotos als auch Arbeiten seiner Vorbilder, Weggefährten und Nachfolger. Zudem wird die Rolle beleuchtet, die der Netzwerker in der Mode- und Kulturszene als Sammler, Förderer, Galerist, Laborbesitzer und Lehrer gespielt hat.

Foto-Triennale auch in Kunsthalle und MKG

Der Triennale-Beitrag der Hamburger Kunsthalle trägt den Titel „Aber Ich/ Die Welt/ Ich sehe/ Dich“ und fahndet in den Arbeiten von 40 Künstlern nach Details, die etwas über das jeweilige Lichtbild erzählen und dabei historische Dimensionen auffächern (ab 5. Juni). Ein Höhepunkt im Programm der Kunsthalle, die im vergangenen Jahr über 475.000 Besucher zählte, ist die Doppelschau „Maria Lassnig und Edvard Munch. Malfluss = Lebensfluss“: Vom 27. März an werden die Parallelen zwischen beiden Œuvres betrachtet, wobei Munchs Einfluss auf die Arbeit der österreichischen Künstlerin zu Tage tritt und sich zugleich neue Aspekte im Werk des Norwegers zeigen.

Vom 24. April an ist am Glockengießerwall die Schau „Skulptural. Die neuen Galerien“ zu sehen, in der das Museum erstmals seine Skulpturensammlung präsentiert. Ein Parcours mit über 500 Werken, darunter auch Leihgaben aus dem Pariser Musée d’Orsay, führt durch 2.500 Jahren Kunstgeschichte. Ab dem 9. Oktober zeigt die Kunsthalle eine Retrospektive des US-Malers David Novros, bekannt für seine großformatigen Gemälde auf mehrteiligen Tafeln.

40 Schlüsselwerke aus dem Centre Pompidou

Das Kunsthallenjahr 2026 endet mit einer Schau zu den aktuellen Stimmen der Medienkunst: Weil das Pariser Centre Pompidou derzeit renoviert wird und geschlossen ist, kommen 40 Schlüsselwerke aus der New-Media-Sammlung des Kulturzentrums als Leihgaben nach Hamburg (ab 20. November).

Das benachbarte Museum für Kunst und Gewerbe (MKG), das 2025 rund 190.000 Besucher mit einem Durchschnittsalter von 45,2 Jahren verzeichnete, setzt im neuen Jahr ganz auf seine Schwerpunkte Design und Fotografie. So stellen zwei großen Einzelausstellungen zum einen den 1940 in Bielefeld geborenen Fotokünstler Hans Hansen vor, der als Produktfotograf beispielsweise für Lufthansa, Nikon und Volkswagen das kollektive Bildgedächtnis geprägt hat (ab 17. April), zum anderen wird die Gestalterin Hella Jongerius, 62, in einer umfassenden Retrospektive präsentiert. Die niederländische Designerin arbeitet mit Unternehmen wie Vitra, Camper oder Ikea zusammen und kombiniert traditionelle mit modernen Techniken (ab 23. Oktober).

Kritische Blicke auf die eigene Sammlung

Zur Triennale steuert das MKG die Schau „Sara Sallam – Fürsorge“ bei. Die ägyptische, 1991 in Kairo geborene Künstlerin setzt sich in neu entstandenen Arbeiten mit der archäologischen und der fotografischen Sammlung des Museums sowie deren kolonialem Erbe auseinander (ab 5. Juni).

Auch das Museum am Rothenbaum (MARKK) beschäftigt sich im Rahmen der Triennale der Photographie kritisch mit der eigenen Sammlung: Vom 5. Juni an werden historische Fotos gezeigt, die der deutsche Amateurforscher Hans Heinrich Brüning (1848–1928) in Peru anfertigte. Der Ingenieur lebte und arbeitete 50 Jahre lang in der Region Lambayeque und hielt Alltag und Kultur der Menschen in seinen Bildern fest.

Der Arbeitsalltag von Frauen in aller Herren Länder

Um den Arbeitsalltag und die Arbeitsbedingungen von Frauen in Ländern wie Schottland, Russland, China, Simbabwe oder Israel ging es der feministischen Sozialdokumentarfotografin Franki Raffles (1955–1994), deren Werk im Museum der Arbeit zur Triennale vorgestellt wird (ab 5. Juni). Im Herbst zeigt das Haus in Barmbek die große Sonderschau „Nachrichten – News“, in der die Entwicklung von Nachrichten aus der Sicht der Mediennutzer ebenso beleuchtet wird, wie aus der Perspektive der Massenmedien, die aufbereitete Neuigkeiten rund um den Globus schicken. Unter anderem steht Hamburg als Medienstandort im Fokus (ab 14. Oktober).

Das Altonaer Museum zeigt vom 4. Februar an die neue Dauerausstellung „Wegmarken jüdischer Geschichte. Ein Projektraum für Hamburg“. Die 400-jährige Historie der Hamburger Juden kann dort anhand von 14 Wegmarken erkundet werden, die bedeutsame Momente im Zeitenlauf kennzeichnen – etwa die Entstehung des Reformjudentums im 19. Jahrhundert oder die Auszeichnung Hannah Arendts mit dem Lessing-Preis 1959. Thematisiert wird auch die Diskussion um die Entwicklung eines jüdischen Museums in Hamburg. Eine Sonderschau über „Jüdische Identitäten“ wird ab dem 5. November den Projektraum ergänzen.

Jubiläumsausstellung zu 50 Jahre „Motte“ in Altona

Vom 15. April an würdigt das Altonaer Museum das in seiner Nachbarschaft liegende soziokulturelle Zentrum „Motte“ mit einer Jubiläumsausstellung zum 50. Geburtstag. Die Motte entstand als eines der ersten Zentren für Stadtteil- und Kulturarbeit mit dem Ziel, gesellschaftliche Teilhabe, Bildung und Kreativität im Quartier selbstorganisiert zu gestalten.