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Bei Verhandlungen um einen geplanten Abbau von rund 1.700 Stellen an einem Bosch-Standort hat der Konzern ein Ultimatum gesetzt. Die Belegschaft reagierte mit einer „aktiven Mittagspause“.
Stuttgart – Der Technologiekonzern Bosch hatte im vergangenen Jahr den Abbau von weiteren 13.000 Arbeitsplätzen angekündigt, der hauptsächlich deutsche Standorte betreffen wird, darunter auch den in Bühl und Bühlertal (Kreis Rastatt, Baden-Württemberg). Während der bereits zuvor angekündigte Stellenabbau in Reutlingen durch eine Einigung zumindest abgemildert werden konnte, dauern die Verhandlungen um rund 1.700 Arbeitsplätze am Standort Bühl weiter an. Dabei setzte der Konzern den Arbeitnehmervertretern nun ein Ultimatum, diese reagierten mit einer „aktiven Mittagspause“.
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Der geplante Einschnitt bei Bosch in Bühl und Bühlertal ist groß. „Wenn ein Standort wie Bühl halbiert wird, stellt sich ernsthaft die Frage, ob er dann überhaupt noch überlebensfähig ist“, hatte Baden-Württembergs IG Metall-Chefin Barbara Resch im vergangenen Jahr im IPPEN.MEDIA-Interview betont. „Das werden wir nicht kampflos hinnehmen.“ Am Donnerstag (22. Januar) zeigten der IG Metall Offenburg zufolge rund 1.200 „Boschler“ diesen Kampfeswillen und setzten lautstark ein Zeichen. Aber wogegen genau?
Bosch droht mit Einigungsstelle, Belegschaft reagiert – „Wir machen das nicht mit“
Dass die Verhandlungen um geplante Abbaumaßnahmen unter Umständen zugunsten der Arbeitnehmerseite ausgehen können, zeigt nicht nur das jüngste Beispiel Reutlingen. Das große Problem am Standort Bühl ist der IG Metall zufolge aber, dass Bosch offenbar ein Ultimatum für die Gespräche gesetzt hat und nach Ablauf mit einem Abbruch droht. Konkret hieß es demnach, dass die Einigungsstelle angerufen werde, sollte nicht umgehend ein Verhandlungsergebnis erzielt werden. Das ist laut Gewerkschaftsangaben problematisch, weil eine externe Stelle die Mitarbeiter und ihre Arbeit nicht kennt.
Das löste bei der Gewerkschaft des Bosch-Werks Bühl massive Unruhe aus. Die IG Metall reagierte am Donnerstag, zeitgleich mit den Verhandlungen, mit einer sogenannten „aktiven Mittagspause“. Wie die Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) von vor Ort berichteten, lief die Aktion unter dem Motto „We’re not gonna take it“ (‘Wir machen das nicht mit‘), nach dem gleichnamigen Lied der US-Rockband Twisted Sister, das am Donnerstag auch lautstark aus den Boxen dröhnte. „Die Stimmung bei uns ist abgrundtief schlecht“, sagte ein Mitarbeiter des Technologiekonzerns.
Die Mitarbeiter von Bosch am Standort Bühl reagierten mit einer „aktiven Mittagspause“ auf ein vom Konzern gesetztes Ultimatum. © IG Metall OffenburgIG Metall bei Bosch in Bühl und Bühlertal: „Wir sind verhandlungsbereit und wollen gestalten“
Laut der IG Metall würde das Einschalten der Einigungsstelle eben das Ende der Verhandlungen bedeuten. Dann würde es am Standort Bühl nicht mehr um eine Alternative zum Stellenabbau oder eine Abmilderung dessen gehen, sondern lediglich um die Gestaltung der Maßnahme. Eben das wollen sich die Boschler nicht gefallen lassen. „Wir sind verhandlungsbereit und wollen gestalten“, hieß es unter dem Beifall der Anwesenden. „So einfach geht es hier in Bühl nicht – wir sind da“, zitieren die BNN eine Gewerkschafterin.
Nach den bisherigen Plänen des Weltkonzerns mit Hauptsitz in Gerlingen bei Stuttgart sollen nicht nur am Standort Bühl viele Arbeitsplätze entfallen, sondern das zum Standort gehörende Werk im Luftkurort Bühlertal soll vollständig geschlossen werden. Die „aktive Mittagspause“ habe der IG Metall Offenburg zufolge aber gezeigt, dass die Belegschaft geschlossen hinter der Forderung nach einer tragfähigen Zukunft des Standortes stehe. (Verwendete Quellen: Mitteilung der IG Metall Geschäftsstelle Offenburg vom 22. Januar 2026, bnn.de, eigene Recherche)