„Invasion“ der Seidenschwänze: Seltene Wintergäste erobern Deutschland | ndr.de

Stand: 27.01.2026 08:39 Uhr

Im Landkreis Celle ist eine Gruppe von Seidenschwänzen beobachtet worden. Experten werten das als außergewöhnliches Naturphänomen. Normalerweise leben die Vögel in der russischen Tundra und anderen nordischen Regionen.

von Anja Schlegel

Wenn Seidenschwänze in ihren nördlichen Heimatgebieten nicht genügend Nahrung finden, weichen sie jedoch nach Mitteleuropa aus. Sie treten dann in großer Zahl auf – Fachleute sprechen von sogenannten Invasionsjahren. In solchen Wintern können Tausende Tiere bis nach Deutschland ziehen.

Beeren stehen auf dem Speiseplan

Die farbenprächtigen und vergleichsweise zutraulichen Vögel sind meist in kleinen Trupps unterwegs. Besonders gern halten sie sich in Sträuchern und Bäumen auf, an denen noch Beeren oder Knospen zu finden sind. Ihren Namen verdanken Seidenschwänze ihrem auffallend weichen, seidigen Gefieder.

Seidenschwanz galt als „Pestvogel“

Im Mittelalter konnten sich die Menschen das plötzliche Auftreten der fremden Vögel nicht erklären. Der Seidenschwanz galt damals als sogenannter „Pestvogel“ und wurde als Unglücksbringer gefürchtet – man sah in ihm einen Vorboten von Kriegen, Hungersnöten und schweren Krankheiten.

Äpfel helfen, den Winter zu überstehen

Heute weiß man, dass Nahrungsmangel der Hauptgrund für die Wanderbewegungen ist. Bevorzugt fressen Seidenschwänze Beeren, wie sie derzeit noch an Sanddorn, Weißdorn, Eberesche oder Liguster zu finden sind. Auch Obst, etwa Äpfel, hilft den Vögeln dabei, den Winter zu überstehen.

Ruf klingt wie ein langgezogenes „Sirrrr“

Akustisch machen sich Seidenschwänze durch einen hohen, feinen und glockenähnlichen Gesang bemerkbar. Ihr klarer, gläserner Ruf klingt wie ein langgezogenes „Sirrrr“ und erinnert an das Klingeln eines Schlüsselbundes. Bei Gefahr warnen sich die Tiere zudem mit lautem Schnabelklappern.

Eine Amsel sitzt auf einem Baum und frisst Beeren.

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