An der Friedrichstraße wurde am heutigen 27. Januar 2026 der Grundstein für ein neues Wohnprojekt auf dem Gelände der ehemaligen Dreispitz-Passagen gelegt. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) schafft dort 44 neue bezahlbare Wohnungen und saniert weitere 18 Einheiten im Bestand. Damit nimmt ein lange problematischer Standort in der Berliner Stadtmitte eine neue Richtung.
Das sogenannte „3Spitz“ wurde noch zu DDR-Zeiten als reines Wohn- und Geschäftshaus geplant, kurz nach 1990 fertiggestellt und 1992 mit der Eröffnung der Dreispitz-Passage ergänzt. Trotz zunächst hoher Erwartungen blieb die Ladenpassage jedoch über weite Strecken ungenutzt, weshalb der Standort im Rahmen der Wohnraumoffensive des Bundes schließlich als potenzielles Wohnprojekt in den Fokus rückte. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Heute Vormittag wurde an der Friedrichstraße 130a der symbolische Grundstein für ein neues Wohnprojekt gelegt. Bauherrin ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die das Areal der früheren Dreispitz-Passagen zu Wohnraum umnutzt. Geplant sind 44 neu entstehende Wohnungen sowie die umfassende Sanierung von 18 Bestandswohnungen in einem angrenzenden Wohngebäude.
Mit dem Projekt reagiert der Bund auf den hohen Wohnraumbedarf in der Berliner Innenstadt. Zugleich markiert die Grundsteinlegung einen sichtbaren Einschnitt für einen Ort, der über Jahre vor allem durch Leerstand und Nutzungsprobleme geprägt war.
Dreispitz-Passagen seit den 1990er-Jahren: Vom Einkaufszentrum zum Umnutzungsprojekt
Die Dreispitz-Passagen wurden Anfang der 1990er-Jahre errichtet. Ursprünglich war ein öffentlich zugänglicher Innenhof geplant, der später jedoch überdacht und als Ladenpassage ausgebaut wurde. 1992 eröffnete das Einkaufszentrum zwischen Reinhardtstraße und Claire-Waldoff-Straße. Wirtschaftlich erfolgreich war der Standort jedoch nie.
Über Jahre nahm der Leerstand zu, mehrere Belebungsversuche scheiterten. Zuletzt wurde die Passage zeitweise für kulturelle Formate genutzt, unter anderem im Rahmen eines Veranstaltung zum Thema „Women in architecure“ im Jahr 2021. Parallel dazu liefen jedoch bereits die Planungen, das Gebäude künftig für Wohnzwecke umzubauen.
Aufstockung über Tiefgarage und Sanierung von 18 Bestandswohnungen
Kern des Projekts ist eine Aufstockung über der bestehenden Tiefgarage. Entstehen soll ein bis zu sechs- beziehungsweise siebengeschossiges Gebäude, das den Blockrand schließt. Zusätzlich werden 18 Wohnungen im Bestandsgebäude an der Claire-Waldoff-Straße umfassend saniert. Insgesamt entstehen damit 62 Wohneinheiten.
Der Bau erfolgt vollständig im Bestand. Neue Flächen werden nicht versiegelt. Die ehemalige Ladenpassage wird zurückgebaut, die Tiefgarage instand gesetzt. Der Innenhof soll künftig begrünt und als gemeinsamer Aufenthaltsbereich mit Spielfläche genutzt werden. Was mit der markanten Glaskuppel der Passage geschieht, ist derzeit noch offen.
Fernwärme, Photovoltaik und Materialrecycling prägen das Baukonzept
Nach Angaben der Projektverantwortlichen spielt Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle. Die Wohnungen werden an die Fernwärme angeschlossen, auf dem Dach ist eine Photovoltaikanlage vorgesehen. Regenwasser soll gesammelt und für die Begrünung von Hof und Fassaden genutzt werden, wie Paul Johannes Fietz (BImA-Vorstandsmitglied) bei der Grundsteinlegung bekannt gab.
Zudem setzt die BImA auf Wiederverwendung von Materialien. Der Granitboden der zurückgebauten Passage wird aufbereitet und als Zuschlagstoff für neue Terrazzobeläge verwendet. Auch beim Innenausbau kommen überwiegend recycelbare Materialien zum Einsatz.
Wohnraumoffensive des Bundes: Wohnungen zunächst für Bundesbedienstete
Die neuen Wohnungen entstehen im Rahmen der Wohnraumoffensive des Bundes. Sie werden zunächst Beschäftigten des Bundes angeboten, etwa aus Zoll, Bundespolizei oder Bundeswehr. Sollten Wohnungen nicht in diesem Rahmen vergeben werden können, stehen sie zu denselben Konditionen auch dem freien Markt offen.
Nach Angaben eines Vorstandsmitglieds der BImA sei der Bund lange dem politischen Auftrag gefolgt, Immobilien zu veräußern. Der Bestand an Bundeswohnungen habe sich dadurch deutlich reduziert. Heute liege der Fokus wieder stärker auf der eigenen Wohnungsfürsorge, allerdings ist dies nur auf bundeseigenen Grundstücken möglich.
An der Friedrichstraße 130 legten am 27. Januar 2026 Paul Johannes Fietz, BImA-Vorstandsmitglied, Kathrin Winkler, BImA-Projektverantwortliche, Heidrun Hendricks, BImA-Hauptstelle Portfoliomanagement Berlin, Katharina Seckler, seckler schick architekten BDA, Achim Preschel, BImA-Hauptstelle Facility Management Berlin gemeinsam den symbolischen Grundstein für die neuen Wohnungen. / © Foto: BImA
Für die markante Glaskuppel der ehemaligen Dreispitzpassage gibt es bislang keine konkrete Anschlussnutzung, ihr künftiger Verbleib ist derzeit noch offen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Eine kleine historische Ausstellung dokumentiert die Geschichte der Dreispitz-Passage. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Die neuen Wohnungen entstehen direkt gegenüber vom Friedrichstadt-Palast am U-Bahnhof Oranienburger Tor. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, mein Berlin.de, seckler schick architekten BDA, Berliner Morgenpost





