Als ich im Mai 1953 Johannes Rau kennenlernte, war noch nicht erkennbar, welche große politische Karriere vor ihm lag. Zwar hatte er im Dezember 1952 sein politisches Erweckungserlebnis gehabt, als er als freier Mitarbeiter der Westdeutschen Rundschau (nicht zu verwechseln mit der heutigen Wuppertaler Rundschau) ein Interview mit einem aus Wuppertal stammenden Mitbegründer der neu gegründeten GVP (Gesamtdeutsche Volkspartei), dem Unternehmensberater Adolf Scheu, führen sollte, und am Ende des Gesprächs Mitglied der GVP war. Das war allerdings keineswegs der Freifahrtschein für eine große politische Karriere. Die GVP erreichte bei der Bundestagswahl vom September 1953 gerade einmal 1,2 Prozent und wurde 1957 zu Grabe getragen.