Georg Fleischhauer

Stand: 27.01.2026 18:32 Uhr

Ihr Körper ist ihr Kapital. Und mit ihm soll im Wettkampf der maximale Ertrag erzielt werden. Aber auch auf den Nebenschauplätzen. Seit einigen Jahren steigt die Popularität der Erotik-Plattform „OnlyFans“ in Deutschland. Immer mehr Leistungssportler bieten dort Inhalte an.

Bob-Pilotin Lisa Buckwitz war eine der ersten. Seit diesem Jahr ist auch Georg Fleischhauer, Anschieber von Bob-Pilot Johannes Lochner, in das Geschäft eingestiegen.

Fleischhauer: „Keine Porno-Inhalte“

„Ich habe echt eine ganze Weile überlegt, weil ich Angst und Respekt davor hatte, was die Leute sagen“, erzählt er im Sportschau-Interview. Für einen monatlichen Beitrag stellen Athleten wie Fleischhauer und Buckwitz ihren Abonnenten exklusive Inhalte zur Verfügung und gehen mit den Usern in den direkten Austausch. „Das sind keine Porno-Inhalte in dem Sinne. Ich bin ein internationaler Athlet und will seriös sein“, sagt Fleischhauer.

Georg Fleischhauer (l) ist mit Pilot Johannes Lochner in der Erfolgsspur.

„Natürlich wird Haut gezeigt. Ich habe 20 Jahre trainiert und in meinen Körper investiert. Der Nebeneffekt ist, dass es gut aussieht. Wenn man das dann auch noch zeigt und die Leute das sehen wollen – gerne.“ Die Aufmerksamkeit vor den Olympischen Spielen will er zusätzlich mitnehmen: „Olympia ist nochmal was anderes. Ich muss das jetzt probieren, sonst ärgert man sich.“

Authentizität und Nahbarkeit erreichen

Es geht dem 37-Jährigen aber nicht nur um seinen Körper. Er will auf der Plattform auch Authentizität schaffen, Einblicke in seinen Trainingsalltag geben, nahbarer für die Fans sein. „Ich will auch die Schattenseiten zeigen, die Stunden, die ich alleine trainiere, die Momente, wo ich auch mal Zweifel habe“, sagt er.

Das Feedback bislang? „Ich habe noch nichts Negatives gehört. Viele fanden den Schritt mutig von mir. Natürlich gibt es ein paar Witze aus den anderen Bob-Teams. Aber man nimmt das alles mit Spaß.“

Küsschen für den Anschieber: Georg Fleischhauer und Johannes Lochner sind ein eingeschworenes Team.

Zuspruch von Biathlet Riethmüller

Auch Biathlet Danilo Riethmüller findet den Schritt „absolut legitim“. Denn einer der Hauptgründe, warum Sportler einen „OnlyFans“-Account führen, ist die finanzielle Belastung von Top-Athleten in Deutschland. Vom Sport allein können viele nur bedingt leben.

Bei Riethmüller ist das anders. Im Biathlon hat er gut dotierte Sponsorenverträge und Prämien. Anders als andere Sportler: „Ich stelle da keinen an den Pranger, weil er sich da ein bisschen nackig macht oder irgendwas“, sagt er.

Biathlet Danilo Rietmüller ist finanziell besser abgesichert.

Fleischhauer: „Keine Absicherung“

Das Leben als Sportler ist finanziell aufwendig, Nebeneinkünfte sind wichtig. „Man ist einfach nicht abgesichert“, erzählt Fleischhauer. Einen Vollzeitjob kann er neben seinem Sport nicht ausüben. In einer Unternehmensberatung arbeitet er in Teilzeit. „OnlyFans“ bietet ihm Zusatzeinkünfte.

Eisschnellläufer mit Akt-Kalender

Buckwitz und Fleischhauer sind aber nicht die einzigen Wintersportler, die mit ihrem Körper Zusatzeinnahmen generieren. Die Eisschnellläufer Hendrik Dombek, Max Strübe, Stefan Emele, Felix Maly, Konstantin Götze und Sophie Warmuth standen im November für einen Akt-Kalender Modell. Im Vorjahr hatten sie mit einer ähnlichen Aktion bereits 3.500 Euro eingenommen und konnten so eine Finanzierungslücke schließen.

Miriam Neureuther (Biathlon), Isabella Laböck (Snowboard), Melanie Faißt (Skispringen) und Sabrina Weilharter (Skicross) ließen sich vor den Olympischen Winterspielen 2014 für den Playboy ablichten.

Crowdfunding für Olympia

Auch Crowdfunding spielt beim Traum von Olympischen Spielen eine Rolle. Für einen bestimmten Zweck wird über das Internet Geld gesammelt. 2018 sammelte Biathlet Michael Rösch so 24.000 Euro, bei Katharina Förster waren es 4.000 Euro. Der Freestylerin wurden vor den Spielen Fördergelder gestrichen, weil ihre Disziplin zu den Nischensportarten gehörte und sich eine finanzielle Unterstützung aus Sicht des Verbands nicht rentierte.

Die Eisschnellläuferinnen Lea Sophie Scholz, Josie Hofmann und Josephine Schlörb sammelten über eine Fundraising-Kampagne Geld für eine optimale Olympiavorbereitung, da auch bei ihnen der Verband wegen ausbleibender Erfolge sparen musste.

Anderes Standing in den USA und Kanada

Die Wege der Sportfinanzierung sind vielfältig. Manche bitten um Spenden, andere werden kreativ und vermarkten über Körper auf andere Weise. Während „OnlyFans“ in Deutschland teilweise noch kritisch gesehen wird, hat sich die Plattform in den USA und Kanada schon deutlich weiter etabliert. „Ich kann mir vorstellen, dass es in ein paar Jahren auch in Deutschland anders sein wird“, sagt Fleischhauer.

Jetzt ist der Fokus aber ganz auf die Olympischen Spiele gerichtet. Mit Johannes Lochner gilt er im Zweier- und Viererbob als Topfavorit. Für Lochner werden die Rennen bei Olympia die letzten seiner Karriere sein. Nach Olympia ist Schluss. Das Ziel ist klar: „Es geht nur um Gold“, sagt Fleischhauer. Und hauptsächlich für dieses Ziel hat er seinen Körper trainiert. Alles andere ist ein „Nebeneffekt“.