Klar. Nicht überall in Europa wird gejubelt werden. Kritiker warnen vor einem Wettlauf nach unten bei Umwelt-, Sozial- und Produktionsstandards. Die EU verspricht zwar, sensible Agrarsektoren auszuklammern und hohe Sicherheitsstandards zu wahren – doch viele erinnern sich an ähnliche Zusicherungen beim Mercosur-Abkommen, um das auch deshalb so lange gerungen wurde. Die Sorge: Indische Unternehmen könnten mit billigeren, weniger nachhaltig produzierten Waren den europäischen Markt unter Druck setzen. Auch Fragen nach Arbeitsrechten und Indiens demokratischer Verlässlichkeit werden in Brüssel leiser, aber hörbar gestellt.

Beim Indien-Deal drohen also ähnliche Debatten wie beim Mercosur-Abkommen. Die Bedenken müssen ernst genommen werden, dürfen aber nicht mit einem prinzipiellen Nein zum Freihandel enden. Wer sich abschottet, macht sich klein. Nur wer kooperiert, gestaltet. Und das ist für die Europäische Union mit Blick auf die Großmachtpolitik in Washington und Peking notwendiger denn je.

Deshalb darf Brüssel jetzt nicht einknicken. Dieses Abkommen ist mehr als nur ein Handelsvertrag. Es ist ein politisches Signal – an Trump, an China und an all jene, die glauben, Abschottung sei die Antwort auf eine komplexe Welt. Europa muss jetzt liefern. Sonst stellt es sich – wieder einmal – selbst ein Bein.