Donald Trump zwingt der Öffentlichkeit ein derartig irrwitziges Tempo an immer neuen Krisen auf, dass Mette Frederiksen am Dienstagabend bei Sandra Maischberger fast schon wie eine Frau von gestern wirkte. Die dänische Premierministerin, was hatte die gleich wieder mit dem US-Präsidenten zu tun?
Ach richtig, Grönland, Trumps Invasionsdrohung, Trumps Zolldrohung, die Nato am Abgrund. Aber hätte eine aktuelle Sendung sich nicht eigentlich mit Trump und Minneapolis beschäftigen müssen: zwei Tote, Amerika unter Schock, ein Land am Rande des Bürgerkriegs?
Es erwies sich aber doch als gute Idee, Mette Frederiksen einzuladen, allein schon wegen dieser zwei Wörter: „Danke, Europa!“ Das sagte sie gleich mehrmals, immer wieder auch „Danke Deutschland, danke Europa!“ Die Solidarität der EU mit Dänemark, die EU-Drohung mit Gegenzöllen habe Trump davon abgehalten, sich Grönland unter den Nagel zu reißen. Das sollte allen eine Lehre sein, fand die Dänin: „Wenn Europa zusammenhält, dann funktioniert das.“ So viel Europa-Werbung ist geradezu sensationell in deutschen Talkshows, wo die EU meist „versagt“ hat oder zu „bürokratisch“ ist.
Trump mit Pinguinen? Das Grönland-Thema ist ja längst nicht durch
Mette Frederiksen wollte nicht erklären, welchen Kompromiss genau Nato-Generalsekretär Mark Rutte mit Donald Trump für Grönland ausgelotet hat. US-Basen auf amerikanischem Hoheitsgebiet? US-Vetorecht bei ausländischen Investitionen? Bevorzugter Zugang zu Rohstoffen? Zu laufenden Verhandlungen könne sie nichts sagen, sagte Frederiksen. Aber rote Linie sei die territoriale Integrität ihres Landes. Die Nato solle sich bitte um die Verteidigung der Arktis kümmern, aber sie könne nicht im Namen Dänemarks und Grönlands verhandeln. „Das können nur wir.“ Ob Trump das auch so sieht?
Um zu zeigen, dass das Krisenthema Grönland längst nicht erledigt ist, ließ Sandra Maischberger ein durch KI generiertes Foto einblenden. Es wurde vor drei Tagen vom Weißen Haus veröffentlicht und zeigt den US-Präsidenten mit einem Pinguin auf Grönland. Natürlich gibt es in Wirklichkeit Pinguine nur auf der Südhalbkugel, aber was ist schon „Wirklichkeit“ für den US-Präsidenten? Wer weiß, vielleicht will Trump ja eine Kolonie nach Grönland zwangsumsiedeln.
Europa müsse sich unabhängig machen von diesem US-Präsidenten, sagte Mette Frederiksen. Europa müsse schleunigst fähig werden, sich selbst zu verteidigen. „Die alte Welt ist weg, und sie kommt nicht mehr zurück.“
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Die alte Welt, die weg ist – zu der gehört auch die Bündnistreue innerhalb der Nato. Als „schmerzlich“ empfand die Dänin Trumps abwertende Äußerungen über die Rolle der europäischen Verbündeten beim Afghanistan-Feldzug. Sie sei selbst „die kleine Schwester eines Kriegsveteranen“ und erwarte deshalb Respekt vor den dänischen Soldaten.
Mette Frederiksen nennt sich selbst eine „Hardlinerin in Sicherheitsfragen“, und als Hardlinerin ist die Sozialdemokratin auch wegen ihrer Migrationspolitik bekannt. Ihren restriktiven Kurs empfahl sie dem Rest der EU als Vorbild – aber „auf unsere europäische Art“, sagte sie. Was Frederiksen meinte: Europa dürfe gegen Migranten nicht so brutal vorgehen wie Donald Trump. Damit hatte die Sendung doch noch die Kurve zum aktuellen US-Krisenthema geschafft.
Dies war aber nicht Sandra Maischbergers letzter Schwenk in dieser Sendung. Nach Mette Frederiksen begrüßte sie, Überraschung: Uschi Glas als Studiogast. Die 81-jährige Schauspielerin hat zusammen mit Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, ein Gesprächsbuch veröffentlicht. Darin geht es auch um die Nazi-Vergangenheit ihres Vaters, passend zum Holocaust-Gedenktag am Tag der Sendung.
Das Gespräch kam aber schnell vom Philosophischen – „die Lüge wird zur Wahrheit erhoben“ – über das Politische – „Wir müssen den Gürtel enger schnallen“ – zum Historischen, zurück zu den schauspielerischen Anfängen von Uschi Glas als Winnetous Gefährtin Apanatschi, eine „heiratsfähige Squaw“, wie es im Film heißt. Donald Trump war damals ein Student Anfang zwanzig, und nichts deutete auf das Unheil hin, das er über die Welt bringen sollte.