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Berlin – Deutschland braucht Zuwanderung, so der Tenor auf der Konferenz „Migration & Arbeit“ der Bundesagentur für Arbeit (BA). Politiker, Experten, Behörden – Einigkeit überall: Migration sei nötig, richtig und ein Gewinn für den Arbeitsmarkt.
Und Fakt ist – da sind sich auch Arbeitsmarktexperten einig: Deutschland braucht tatsächlich dringend Fachkräftezuwanderung. Doch während auf der Bühne fast ausschließlich über Chancen der Migration gesprochen wurde, zeigen die Zahlen eine kompliziertere Realität.
Die Quote, über die kaum jemand sprach
Die Bürgergeld-Quote (SGB II-Quote) lag im September 2025
- in der Gesamtbevölkerung bei 7,9 Prozent,
- bei Deutschen nur bei 5,2 Prozent,
- bei Ausländern bei 19,5 Prozent,
- bei Menschen aus den acht häufigsten Asylherkunftsländern sogar bei 41,3 Prozent.
Zum Verständnis: Die Bürgergeld-Quote bzw. „SGB II-Quote“ gibt an, wie groß der Anteil der Menschen unterhalb des Renteneintrittsalters ist, die auf Bürgergeld angewiesen sind. Bedeutet im Klartext: Fast jeder zweite Flüchtling lebt vom Bürgergeld!

Daniel Terzenbach (48) ist Vorstand „Regionen“ der Bundesagentur für Arbeit
Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Einen zentralen Grund benannte BA-Vorstand Daniel Terzenbach (45) am Rande der Konferenz ganz klar: „Die Integration von Frauen aus den Asylherkunftsländern funktioniert nicht.“ Arbeitsmarktexperten verweisen auf fehlende Sprachkenntnisse, fehlende Kinderbetreuung – aber auch kulturelle Prägungen aus islamisch geprägten Herkunftsländern, in denen Erwerbsarbeit von Frauen nicht selbstverständlich ist.
Wirtschaft braucht Zuwanderung
Dass Deutschland auf Zuwanderung angewiesen ist, stellte Arbeitsministerin Bärbel Bas (57, SPD) klar. Nach zwei Jahren Rezession wachse die Wirtschaft 2025 zwar wieder – aber nur um 0,2 Prozent. Gleichzeitig investiert der Staat 500 Milliarden Euro in Infrastruktur, Klimaschutz und Kommunen. Bas: Geld allein reicht nicht. „Irgendwer muss das dann auch praktisch umsetzen.“ Heißt: Deutschland braucht Menschen, die arbeiten. Auch aus dem Ausland.
Ein Schwerpunkt der Konferenz war die geplante „Work-and-Stay“-Agentur – ein zentrales Projekt der Bundesregierung. Über ein zentrales digitales Portal sollen künftig Visa, Aufenthaltstitel und Anerkennungsverfahren gebündelt werden.