In der Nacht zum 16. Oktober 1996 sterben drei Leute bei einem Brand in einem Haus in der Markgrafenstraße, die überwiegend von Türken bewohnt ist. Die Feuerwehr rettet eine weitere Frau vom Dach des Hauses. Bis vier Uhr morgens hat der Brand auf die Wohnungen übergriffen und das Treppenhaus steht in Flammen.

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Neue Stele Markgrafenstraße am 23. Januar 2026.
Foto: Katherine Quinlan-Flatter
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Foto: Katherine Quinlan-Flatter
Wie das passieren konnte, bleibt ein Rätsel. Am 23. Januar 2026 übergab Oberbürgermeister Frank Mentrup ein Erinnerungsmal an die Opfer an die Öffentlichkeit.
Drei Tote beim Brand
Kurz vor vier Uhr morgens werden die Nachbarn durch Schreie geweckt – und sehen, das Hinterhaus der Markgrafenstraße 41 in Karlsruhe steht in Flammen. Der Notruf geht um 3.55 Uhr bei der Feuerwehr ein. Bis die Rettungsdienste fünf Minuten später mit Löschfahrzeugen und Leitern vor Ort sind, können sie eine 43-jährige Frau von dem Dach des Gebäudes retten. Diese wird mit schwerem Schock ins Krankenhaus gebracht. Ihr 52-jähriger Mann Hüseyin Evcim hat aber weniger Glück – er kommt bei dem Brandanschlag ums Leben und wird erst gegen 12.15 Uhr gefunden, unter Trümmern in der Küche im ausgebrannten Dachgeschoss.
Im Erdgeschoss leben ein Iraner, der zu dieser Zeit nicht zu Hause ist, und zwei türkische Ehepaare, Ethiye und Alahittin Yilmaz wohnen im zweiten Obergeschoss und das andere Paar wohnt unter dem Dach. Die Feuerwehrleute finden die Leiche von Frau Yilmaz in der Wohnung im zweiten Stock, aber ihr Mann Alahittin Yilmaz liegt tot im Hof – offensichtlich ist er in Todesangst aus dem Fenster gesprungen.

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Die Feuerwehrleute bekämpfen den Brand mit Atemschutzmasken, und erst um 6.45 Uhr ist die Gefahr vorbei. Am selben Morgen kommen Beamte der Kriminaltechnik und Sachverständige vom Landeskriminalamt, um Untersuchungen vorzunehmen, finden aber keine Hinweise auf die Ursache. Da Einsturzgefahr besteht, werden die anderen Bewohner vorübergehend in der gegenüberliegenden Turnhalle untergebracht. Der Generalkonsul und viele türkische Bekannte kommen vorbei, um ihr Beileid zu äußern.
Zusammenhang mit anderen Brandstiftungen
Ein paar Tage später gibt die Polizei bekannt, dass Brandstiftung die Ursache für den Brand sei. Am Brandobjekt wurden chemische Stoffe gefunden, die das Feuer, das im Erdgeschoss ausbrach, beschleunigen. Außerdem wurden Klopapierrollen bei der Treppe des Hauses entdeckt – offensichtlich wurde das Feuer so gelegt.
20 Polizeibeamte gehen durch die Karlsruher Innenstadt und verteilen Flugblätter in Deutsch und Türkisch. Sie appellieren zur Mithilfe der Bevölkerung über Lautsprecher – die Staatsanwaltschaft Karlsruhe hat eine Belohnung von 10.000 Mark zur Aufklärung der Sache ausgesetzt. In den letzten Wochen sind zwei andere Brandstiftungsfälle in der Nähe der Markgrafenstraße 41 vorgefallen. Zuerst wurde ein verschlossenes Fahrrad gestohlen und an der Kreuzung Markgrafenstraße und Kreuzstraße in Brand gesetzt.
Die Polizei vermutet, dass es derselbe Täter war, der ein paar Tage später ein brennendes Stofftuch durch ein offenes Fenster in ein Zimmer geworfen hat. Glücklicherweise konnte das Feuer entdeckt und gelöscht werden. So geht man davon aus, dass Brandstiftung die Ursache sei.
Trauerkundgebung und Schweigemarsch
Rund eintausend türkische Karlsruher Bürger nehmen am Abend des 24. Oktober an einer Trauerkundgebung vor dem Rathaus und anschließend an einem Schweigemarsch zum Brandort mit einer riesigen türkischen Flagge teil. Mehrere Bürger halten vor dem Rathaus Reden, darunter auch Oberbürgermeister Gerhard Seiler, der erklärt, dass 25 Beamte einer Sonderkommission beauftragt sind, den Täter zu finden.
Franz Burkart, Chef der Karlsruher Kriminalpolizei, äußert auch sein tiefstes Beileid: “Wir tun alles Erdenkliche, das verspreche ich Ihnen“. Sowohl Mustafa Ötztürk, stellvertretender Vorsitzender des Koordinierungsrats türkischer Vereine in Baden, der türkische Generalkonsul Vefahan Ocak als auch mehrere Vertreter türkischer Vereine sprechen und kritisieren teilweise die deutsche Politik. Vor dem Haus in der Markgrafenstraße legt Bürgermeister Norbert Vöhringer einen Kranz nieder. Bis heute bleiben die Täter unbekannt.
Übergabe des Erinnerungsmal zu den Opfern des Brandanschlags
Zum Gedenken an die Opfer des Brandanschlags wurde Anfang November 2025 eine Gedenkstele vor dem Haus in der Markgrafenstraße 41 aufgestellt. Die Stele erklärt Ort, Datum und Uhrzeit des Brandanschlags und nennt die Namen der drei Opfer. Am 23. Januar um 11 Uhr übergab Oberbürgermeister Frank Mentrup im Beisein des türkischen Generalkonsuls Mahmut Niyazi Sezgin und Kenan Yilmaz, der Sohn des verstorbenen Ehepaars, die Gedenkstele an die Öffentlichkeit. „Die Toten bleiben unvergessen“, steht darauf.

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In seiner Rede nennt Mentrup den Brandanschlag brutal, schäbig und feige. „Damals hat der Anschlag die Stadt Karlsruhe schwer erschüttert“, sagt Mentrup. “Die Stele dient als Mahnmal gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. So können wir die Namen der Opfer in der Stadt wieder präsent machen“. Das Geschehen sei Teil des kollektiven Gedächtnisses der Stadt, führt Mentrup fort, und die Stele steht vielleicht sogar etwas im Weg, aber vielleicht soll das auch die Erinnerung fördern. Dann muss man sich damit auseinandersetzen. “Sie waren Mitbürgerinnen und Mitbürger unserer Stadt und eine Bereicherung für unser Land und unsere Stadt“, sagt Mentrup. Es wird eine Gedenkminute abgehalten.
Gewalt hat keinen Platz in unserer Gesellschaft
Nach Oberbürgermeister Mentrup spricht der Generalkonsul Mahmut Niyazi Sezgin. “Gewalt, egal in welcher Form, darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben und dagegen müssen wir gemeinsam ankämpfen“, erklärt er. Die verstorbenen Menschen gehören zur Karlsruher Stadtgeschichte, sagt Sezgin, und dieser Stein symbolisiert unseren Respekt für die Menschen und unsere Solidarität gegen Gewalt. Er bedankt sich bei der Stadtverwaltung für den Gedenkstein.

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Auch Kenan Yilmaz, der Sohn des verstorbenen Ehepaars, bedankt sich in einer kurzen emotionalen Rede bei der Stadt.
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Katherine Quinlan-Flatter
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Brandanschlag
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Frank Mentrup
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