Der Fall H. Langnas

Bei mehr als 1.000 Büchern konnte Rosenberg bereits die Herkunft klären. „Ich hätte nie gedacht, dass man so viele Leute finden kann. Gleichzeitig ist mir bewusst, von den allermeisten finde ich nie mehr eine Spur“, sagt Rosenberg. Die Nazis hatten ganze Familien ausgelöscht.

Das rot eingebundene Buch aus dem Jahr 1901 ist sein aktueller Fall. Der Titel: „Berühmte israelitische Männer und Frauen in der Kulturgeschichte der Menschheit.“ Das Buch ist sehr gut erhalten. Auf der zweiten Seite findet sich ein Hinweis auf den Besitzer. Dort steht unter dem Stempel des „Stürmers“ in feinsäuberlicher Handschrift: H. Langnas.

Leibl Rosenberg kann das Buch Henryk Henoch Langnas aus Lodz in Polen zuordnen. Langnas überlebte den Holocaust nicht, er starb wahrscheinlich in Auschwitz. Aber er hat Nachfahren – einer ist der Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde in Nürnberg, Steven Langnas.

Emotionale Rückgabe

Und so kann Rosenberg das Buch persönlich zurückgeben. Steven Langnas nimmt das Buch vorsichtig entgegen. „Ich habe fast keine Worte, was es mir bedeutet, das Buch in der Hand zu halten. Mein Verwandter hat nicht überlebt, aber das Buch schon“, sagt Langnas, der das Buch auch für die nächsten Generationen in seiner Familie bewahren möchte.

Der 78-jährige Rosenberg will weitermachen, so lange seine Gesundheit es zulässt, immer in der Hoffnung, von vielen anderen Büchern noch die rechtmäßigen Besitzer oder Nachkommen zu finden.