Nach der Einstellung des gesamten Berliner Straßenbahn-Betriebs seit Montag haben immer mehr Linien den Betrieb wieder aufgenommen. Dennoch ist am Mittwoch mit massiven Einschränkungen im Tramverkehr zu rechnen. „Weiterhin fahren aufgrund vereister Oberleitungen zahlreiche Straßenbahnen nicht“, teilte die Verkehrsinformationszentrale am Morgen auf der Plattform Bluesky mit. „Bitte nutzen Sie, wenn möglich, S+U-Bahn und Bus.“

Wer das nicht kann, wird von der BVG gebeten, in der App oder auf der Website zu prüfen, ob die jeweilige Straßenbahnlinie aktuell fährt. Die Auskunftssysteme funktionierten aktuell stabil, teilten die Verkehrsbetriebe am Mittwochmorgen mit. Der BVG zufolge fahren die U-Bahnen derzeit auf allen Linien planmäßig. Auch der Busverkehr läuft stabil und „weitgehend planmäßig“.

Im Straßenbahnnetz fahren die Linien weiterhin wie am Dienstagnachmittag. Einzige Ausnahme ist die M5, die nicht bis Hohenschönhausen, sondern verkürzt zwischen S+U Lichtenberg und Hackescher Markt fährt. Grund sei, dass sich auf dem Teilabschnitt nach Hohenschönhausen die nächtliche Feuchtigkeit an den Oberleitungen stellenweise sofort wieder als Eis festgesetzt hatte, erläuterte die BVG. Neu hinzugekommen ist die Linie M17, die aktuell zwischen S Friedrichsfelde Ost und Gehrenseestraße fährt.

Überblick: Diese Tramlinien fahren wieder (Stand 7 Uhr)

  • M1: 10-20-Minuten-Takt zwischen Hackescher Markt und Waldemarstaße/Schillerstraße
  • M2: 5-10-Minuten-Takt zwischen Alexanderplatz und Am Steinberg
  • M4: 5-10-Minuten-Takt zwischen Hansastraße und Hackescher Markt
  • M5: 10-Minuten-Takt zwischen S+U Lichtenberg und Hackescher Markt
  • M6: 10-Minuten-Takt zwischen S Marzahn und Riesaer Straße
  • M8: 10-Minuten-Takt zwischen Betriebshof Marzahn und Landsberger Allee/Petersburger Straße
  • M13: 10-Minuten-Takt zwischen Revaler Str. und Virchow-Klinikum
  • M17: 10-Minuten-Takt zwischen S Friedrichsfelde Ost und Gehrenseestraße
  • 18: verkehrt planmäßig im 10-20-Minuten-Takt zwischen Riesaer Straße und Landsberger Allee/Petersburger Straße
  • 21: verkehrt planmäßig im 20-Minuten-Takt zwischen Holteistraße und S+U Lichtenberg
  • 50: 10-Minuten-Takt zwischen Betriebshof Weißensee und Virchow-Klinikum
  • 68: 20-Minuten-Takt zwischen Wendenschloß und S Grünau

Hier gibt es Ersatzverkehr mit Bussen:

  • M1: zwischen Pastor-Niemöller-Platz und Rosenthal Nord
  • 50: zwischen Masurenstraße und Guyotstraße
  • 62: zwischen dem S Mahlsdorf und Müggelheimer Straße/Wendenschloßstraße
  • 68: zwischen S Grünau und Alt-Schmöckwitz

Trotz erneuter Glätte bleibt das große Verkehrschaos in Berlin bisher aus. Schwere Unfälle sind laut der Polizei bislang nicht gemeldet worden. Auch generelle Zahlen zu Glätteunfällen liegen derzeit nicht vor. Dennoch wird von der Polizei, wie bei solchen Witterungen üblich, weiter zu erhöhter Vorsicht im Straßenverkehr geraten.

Die Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ) rechnet derweil wegen des Frosts stellenweise ebenfalls mit Glätte. Größere Unfallgeschehen oder Störungen sind aber auch der VIZ laut einem Sprecher bisher nicht bekannt.

BSR sieht sich gut gerüstet

Die Berliner Stadtreinigung BSR ist mit Streusalz und Splitt auch für weitere Wochen mit Frost, Schneefall und Eis gut versorgt. „Wir sind bestens vorbereitet und die Vorratslager sind gut gefüllt“, sagte ein Sprecher der dpa. Bei Bedarf werde nachbestellt und wieder aufgefüllt. Derzeit gebe es aber keine Nachschubprobleme.

Die Stadtreinigung, die für den sogenannten Winterdienst auf Straßen, Radwegen, Haltestellen und bestimmten Plätzen und Fußgängerzonen zuständig ist, war mit etwa 13.000 Tonnen Salz, 2100 Kubikmetern Sole und 5000 Tonnen Splitt in den Winter gestartet. Rund 2300 Beschäftigte sind demnach mit 540 Räum- und Streu­fahr­zeugen unterwegs. Von Schnee und Eis befreit werden müssen 11.000 Ar­beits­­­­­kilometer auf Straßen, darunter sind auch die Stadtautobahnen sowie 1200 Kilometer Radwege und 6300 Haltestellen. Für die Gehwege sind die Hausbesitzer oder -bewohner zuständig.

Den Berliner Verkehrsbetrieben zufolge waren Teams die gesamte Nacht im Einsatz, um für die Straßenbahn die bereits vom Eis befreiten Oberleitungen freizuhalten. „Das ist gelungen.“ Die U-Bahnen fuhren zudem die ganze Nacht durchgehend, um die Stromschienen auf den oberirdischen Abschnitten eisfrei zu halten. Das BVG-Fazit: „Der Stand vom gestrigen Nachmittag konnte damit insgesamt gehalten werden.“

Das war der Stand am Dienstagnachmittag

Die U-Bahn-Linie 2 fuhr nach einem Schaden an der Strecke inzwischen wieder zwischen Wittenbergplatz und Potsdamer Platz, teilte die Verkehrsinformationszentrale (VIZ) mit. Die wichtige Ost-West-Verbindung war also durchgängig wiederhergestellt.

Nach Angaben der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) waren gegen 17 Uhr fast alle Metro-Linien wieder in Betrieb, teilweise auf Teilstrecken. Auf weiteren Strecken wurde ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Die BVG kündigte an: „Alles, was heute fährt, sollte auch morgen fahren.“

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Die Betriebsvorständin der BVG sagte am Dienstagnachmittag, dass die Metrolinien Priorität bei der Enteisung hätten. Metrolinien sind die wichtigen bei der BVG, sie haben ein „M“ in der Bezeichnung. „Wir kämpfen seit Montagfrüh“, sagte Jenny Zeller-Grothe dem Tagesspiegel.

In der Nacht zu Mittwoch müssen die bislang befahrbaren Strecken mit Zügen ohne Fahrgäste regelmäßig „freigefahren“ werden, damit diese am Mittwoch betriebsbereit sind. In der Nacht werden wieder ungünstige, leichte Minustemperaturen erwartet, es soll aber immerhin trocken bleiben.

Wie die BVG-Straßenbahnen in den Mittwoch starten werden, könne man noch nicht sagen, hieß es. Laut BVG war Berlin vom Eisregen in der Nacht besonders stark betroffen. Die „sehr untypische Wetterlage mit gefrierendem Regen“ sei deutlich problematischer als sehr tiefe Temperaturen. So habe es bei minus 15 Grad Celsius vor wenigen Tagen keine Störungen gegeben.

Wegen vereister Oberleitungen infolge von Eisregen hatte die BVG den Straßenbahnverkehr am Montag vollständig eingestellt. Die Oberleitungen müssen demnach aufwendig per Hand vom Eis befreit werden. Deshalb kommen die Linien erst nach und nach wieder auf die Strecken. Eine Prognose, bis wann der gesamte Betrieb wieder ohne Einschränkungen läuft, gab die BVG bislang nicht.

Potsdam fährt, Berlin steht Wie konnte der Eisregen die BVG so aus dem Takt bringen?

Kurze Irritationen gab es am Mittag. Gegen 13 Uhr meldete die Verkehrsinformationszentrale, dass in Marzahn eine Straßenbahn entgleist sei: „Aufgrund einer entgleisten Straßenbahn ist aktuell die Landsberger Allee in beiden Richtungen Höhe Allee der Kosmonauten gesperrt“, hieß es bei Bluesky.

Die BVG dementierte auf Anfrage, dass eine Straßenbahn entgleist sei. An der Stelle stehe lediglich eine Straßenbahn, sagte eine Sprecherin. Laut Polizei hat ein Anrufer die Entgleisung gemeldet. Ein Sprecher im Präsidium bestätigte, dass es keinen Vorfall gab. Möglicherweise habe es sich um einen Scherz gehandelt.

U-Bahn erneut unterbrochen

Am Dienstagmorgen fuhren zunächst alle U-Bahnen wieder, auch die am Montag eisbedingt eingestellte U2. Allerdings wurde der Betrieb gegen 8 Uhr wieder zwischen Wittenbergplatz und Potsdamer Platz gestoppt. Ein Zug hatte bei der Einfahrt am Bahnhof Bülowstraße Richtung Westen die Stromschiene beschädigt.

Laut BVG haben „Isolatoren an der Stromschiene geglüht“. Richtig gebrannt hat es nicht, wie zunächst der RBB berichtet hatte. Allerdings sprach auch eine BVG-Mitarbeiterin am Wittenbergplatz von einem „Feuerwehreinsatz an der Bülowstraße“.

Jörn HasselmannBitte Bülowstraße technisch Störung Arbeiter reparieren die Stromschiene an der Bülowstraße Richtung Osten.

© Jörn Hasselmann

Am Vormittag war ein Reparaturtrupp der BVG dabei, die Stromschiene auf etwa 50 Meter Länge zu reparieren. Der Zug vom neuen Typ JK, der die Störung auslöste, stand noch im Bahnhof. Er schien unbeschädigt. Am Mittag meldete die VIZ die Wiederaufnahme des Betriebs.

Die U2 ist derzeit wegen der Großbaustelle am Nollendorfplatz die einzige Verbindung zwischen der West-City und Kreuzberg, Mitte und Pankow. Die U1 und U3 fahren dort bis Mitte Mai nicht mehr.

Ab Montag ist der Berliner Verkehrsknoten gesperrt Nur die U2 kann am Nollendorfplatz noch fahren

Der Busverkehr ist am Dienstagmorgen laut BVG weitestgehend planmäßig gelaufen. Vereinzelt gab es aufgrund von Glätte jedoch kurzfristige Einschränkungen oder Verzögerungen.

Probleme mit der BVG-App

Fahrgäste, die sich über die BVG-App informieren wollten, standen am Dienstag jedoch vor Problemen: Die App war am Dienstag durch viele Anfragen langsam oder funktionierte gar nicht. Eine Sprecherin bestätigte, dass die IT Probleme habe, der Server sei völlig überlastet.

gf Die App und die Homepage funktionieren am Dienstag nicht immer.

© Ha

Offiziell hieß es: „Die Fahrgastinformation ist aktuell bundesweit beeinträchtigt. Dies hängt mit der bundesweit extremen Wetterlage und der damit einhergehenden außergewöhnlichen Anzahl an Meldungen zusammen, die die IT-Systeme des externen Dienstleisters an ihre Leistungsgrenzen bringt, sodass die Verbindungssuche in Apps und Web nicht durchgehend stabil läuft.“

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„Die Technikexperten wissen es sicherlich besser und es war ja auch das erste Mal, dass das gesamte Tramnetz nicht bedient wurde. Nur wirkt der politische Wille, in Städten doch das Auto abzuschaffen und den ÖPNV zu nutzen, dann irgendwie verzweifelt. Denn auf ein unzuverlässiges Verkehrsmittel wechselt man nicht freiwillig.“

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Und weiter: „Die BVG bittet ihre Fahrgäste für die aktuelle Extremsituation um Verständnis und entschuldigt sich für die aktuell eingeschränkte Verfügbarkeit von Störungsinformationen.“

Mehr Verletzte in Berlin wegen Glätte

Die Glätte macht sich auch in den Berliner Krankenhäusern bemerkbar. Seit Montagmorgen habe es ungefähr 40 Glatteisunfälle gegeben, die im Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) eingegangen sind, hieß es. Dabei habe es auch Zuweisungen aus anderen Krankenhäusern gegeben, weil das UKB für besonders schwere Verletzungen spezialisiert ist.

„Es war viel los“, sagte Sprecherin Angela Kijewski dem Tagesspiegel am Dienstagmorgen. Sie betonte, wie wichtig der Pinguingang, gutes Schuhwerk und Spikes an den Schuhen bei Glätte seien. Und: „Bitte nicht Fahrrad fahren. Die Leute überschätzen sich und fallen dann doch hin oder kommen in Eisrillen mit dem Rad.“

Typisch bei Glätte seien laut UKB Stürze und Verletzungen, vorwiegend Frakturen etwa der Hand, weil man sich beim Fallen abstützt. Auch Ellenbogen, Füße, Knie, Schultern und Hüften können verletzt werden. „Wir sehen zurzeit viele Frakturen, die eigentlich eher bei älteren Menschen üblich sind“, sagte die Kliniksprecherin. „Jetzt sind auch Jüngere betroffen, weil sie stürzen.“ Einige würden ein Schädelhirntrauma oder Oberschenkelhalsknochenbrüche erleiden.

Eisschollen am Fernsehturm Der Alexanderplatz in Berlin-Mitte ist wegen herunterfallender Eisschollen abgesperrt.
Foto: Daniel Böldt Der Alexanderplatz in Berlin-Mitte wurde über einige Stunden wegen herunterfallender Eisschollen abgesperrt.

© Daniel Böldt

Am Alexanderplatz wurde am Dienstag zwischenzeitlich der Bereich am Fernsehturm abgesperrt. Laut einem Polizisten vor Ort fielen dort Eisschollen herunter. Ab 10.30 Uhr errichtete die Polizei Absperrungen zwischen Karl-Liebknecht-Straße, Rathausstraße und Neptunbrunnen, sagte ein Polizeisprecher dem Tagesspiegel.

Gegen 12 Uhr seien Industriekletterer eingetroffen, die den Vereisungsgrad am Fernsehturm prüfen sollten. Gegen 14.30 Uhr wurde die Sperrung wieder aufgehoben und der Bereich freigegeben.

Die Glätte wird Berlin auch in den kommenden Tagen begleiten. Die Nacht zum Mittwoch wird stark bewölkt und trocken, bei Minusgraden kommt es wieder zu Glätte wegen überfrierender Nässe. Es kühlt ab auf minus 1 bis minus 5 Grad. Dicht bewölkt und trocken geht es am Mittwoch weiter, die Temperaturen steigen auf maximal minus 1 bis 2 Grad.

Der Himmel ist in der Nacht zu Donnerstag bedeckt, lokal fällt Schneegriesel, meistens ist es aber trocken. Die Tiefstwerte liegen bei minus 1 bis minus 3 Grad. Am Donnerstag bleiben die Wolken den Menschen in Berlin und Brandenburg erhalten, im äußersten Süden von Brandenburg kann es schneien. Die Höchstwerte liegen bei minus 2 bis 0 Grad. (mit dpa)