
Bei einem ICE-Einsatz wurde der Krankenpfleger Pretti erschossen – Trumps Vize-Stabschef nannte ihn einen Attentäter. Nun widerspricht Trump – auch ein Bericht kommt zu einem anderen Ergebnis. Ministerin Noem steht in der Kritik.
US-Präsident Donald Trump hat den Aussagen führender Regierungsmitglieder über den am Wochenende in Minneapolis getöteten Krankenpfleger Alex Pretti widersprochen. Auf die Frage, ob der bei einem Einsatz von Bundesbeamten erschossene Pretti ein Attentäter gewesen sei, antwortete Trump mit „Nein“. Der Tod Prettis sei „einfach ein sehr unglücklicher Vorfall“, der untersucht werden müsse.
„Wir werden ein wenig deeskalieren“, sagte Trump im Interview des Senders Fox News. Details nannte er nicht.
Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller hatte im Internet geschrieben, Pretti sei ein Attentäter, der „versucht hat, Bundesbeamte zu ermorden“. Vizepräsident JD Vance teilte den Beitrag im Kurznachrichtendienst X. Heimatschutzministerin Kristi Noem äußerte sich ähnlich.
Nun rudert offenbar auch Miller zurück. In einer Stellungnahme, die unter anderem der Nachrichtenagentur AFP vorlag, deutete er jetzt ein mögliches Fehlverhalten von US-Bundesbediensteten an. Das Weiße Haus habe „klare Leitlinien“ vorgegeben, wonach Verstärkung nach Minnesota entsandt wurde, um „eine physische Barriere“ zwischen den Bundesbediensteten und den „Störern“ zu errichten, hieß es darin. Das Weiße Haus prüfe derzeit, warum die Grenzschützer „diesem Protokoll möglicherweise nicht gefolgt sind“.
Bericht spricht nicht von Prettis Waffe
Auch ein erster vorläufiger Untersuchungsbericht scheint die frühe Deutung der US-Regierung, es habe sich um Notwehr gehandelt, nicht zu stützen: In dem Bericht, den die Grenzschutzbehörde CBP per E-Mail an Mitglieder des US-Parlaments schickte, ist laut US-Medien keine Rede davon, dass Pretti nach seiner Waffe gegriffen habe.
Der Bericht basiere unter anderem auf einer Auswertung von Körperkameras der Einsatzkräfte. Darin wird laut Medien wie der New York Times zudem erklärt, dass zunächst ein Grenzschutzbeamter der Border Patrol und dann ein CBP-Beamter auf Pretti geschossen hätten.
US-Abgeordnete fordern Noems Entlassung
Damit wächst auch die Kritik an Heimatschutzministerin Noem. Führende Demokraten im Repräsentantenhaus und mindestens zwei republikanische Senatoren forderten nun ihre Entlassung: Andernfalls strebten sie ein Amtsenthebungsverfahren an. Trump hatte sich zuletzt allerdings weiter vor sie gestellt. „Ich denke, sie macht einen sehr guten Job“, sagte er.
Noem hatte schon kurz nach dem Vorfall am Samstag von legitimer Selbstverteidigung der Einsatzkräfte gesprochen, weil Pretti mit einer Waffe herumgefuchtelt und die Beamten damit in eine bedrohliche Lage gebracht habe. Das Heimatschutzministerium veröffentlichte nach den Schüssen Fotos einer Waffe, die Pretti getragen haben soll.
Handyvideos von Augenzeugen vermitteln jedoch einen anderen Eindruck. Pretti ist kurz vor den tödlichen Schüssen mit einem Mobiltelefon in der Hand zu sehen, in keiner der Aufnahmen ist eine Waffe in seiner Hand zu erkennen.
Trump: Prettis Tod „sehr traurig“
Pretti war am Samstag bei einem Einsatz der Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis von Bundesbeamten mit mehreren Schüssen getötet worden. Die Todesschüsse auf den 37-Jährigen hatten landesweit große Empörung ausgelöst. Wochen davor hatte ein Beamter der Einwanderungsbehörde ICE ebenfalls in Minneapolis die US-Bürgerin Renée Good in ihrem Auto erschossen.
Trump sagte jetzt, Prettis Tod sei „sehr traurig“. Allerdings dürften Demonstranten keine Waffen haben. „Ich möchte die Ermittlungen sehen. Ich werde sie überwachen, und ich möchte eine sehr ehrenhafte und ehrliche Untersuchung“, so der Präsident.