Leo XIV. erinnert an den Auftrag des Zweiten Vatikanischen Konzils an die Kirche. Auch im Bistum Münster wurde der Opfer der Nazis gedacht.
Papst Leo XIV. hat unerschütterliche Solidarität der katholischen Kirche mit den Millionen Opfern des Nationalsozialismus bekräftigt. „Heute, am Holocaust-Gedenktag, möchte ich daran erinnern, dass die Kirche der festen Position der Erklärung ,Nostra Aetate‘ gegen alle Formen des Antisemitismus treu bleibt und jede Diskriminierung oder Belästigung aufgrund der ethnischen Herkunft, Sprache, Nationalität oder Religion ablehnt“, schrieb Leo auf der Plattform X am Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am Dienstag.
Der Papst verlinkte die Erklärung „Nostra Aetate“ des Zweiten Vatikanischen Konzils. Damit hatte die Kirche ihr Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen, insbesondere zum Judentum, neu definiert.
Der Auftrag des Konzils
In dem Text heißt es unter anderem: „Im Bewusstsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche, die alle Verfolgungen gegen irgendwelche Menschen verwirft (…), alle Hassausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgend jemandem gegen die Juden gerichtet haben.“ Antrieb dieser Position sei die „Liebe des Evangeliums“.

Am Abend sagte Leo vor Journalisten in Castel Gandolfo, es gelte „die Stimme zu erheben, den Dialog zu suchen, nicht die Gewalt, um Probleme zu lösen, besonders an diesem Tag, an dem wir des Holocaust gedenken“. Er rief dazu auf, „gegen jede Form von Antisemitismus“ zu kämpfen.
Gedenken auch im Bistum Münster
Zahlreiche christliche Gemeinden auch im Bistum Münster erinnerten an die Opfer des Nationalsozialismus. In einem ökumenischen Gedenkgottesdienst in der Lambertikirche in Münster sagte Domkapitular André Sühling, Gedenken verlange Verantwortung: „Erinnern ist ein aktiver Widerstand gegen die Absurdität des Bösen.“
Sühling zitierte nach Angaben der Bischöflichen Pressestelle aus Aufzeichnungen der Jüdin Etty Hillesum. Während ihrer Haft im Durchgangslager Westerbork in den deutsch besetzten Niederlanden schrieb sie, Menschen hätten die Pflicht, Gott in der Welt einen Platz zu bewahren. „Nicht: ‚Wo war Gott?‘, sondern: ‚Wo war der Mensch, um Gott einen Platz in dieser Welt zu bewahren?‘, zitierte der Domkapitular.
Der Gedenktag
Die Nationalsozialisten hatten Millionen Menschen umgebracht, darunter sechs Millionen europäische Juden. Seit 30 Jahren erinnert Deutschland am 27. Januar an die Opfer des Nationalsozialismus, seit 2005 ist der Tag ein internationaler Gedenktag.