Tanzende Männer lehnen sich auf einer Bühne in die gleiche Richtung.

AUDIO: Kyle Abraham eröffnet Real Dance Festival in Hannover (4 Min)

Stand: 28.01.2026 10:07 Uhr

Das Real Dance Festival startet heute mit vier Stücken des gefeierten US-Choreografen Kyle Abraham. Bis Sonntag verbinden internationale und lokale Künstler diverse Tanzstile mit klaren politischen Zeichen.

von Andrea Schwyzer

Kyle Abraham: Sein Name steht für einen poetischen Stilmix aus Modern Dance, Ballett, Streetdance und Hip-Hop. Der US-Amerikaner wurde mit Preisen überschüttet, choreografiert für renommierte Ensembles von New York bis London und arbeitet mit Popstars wie Beyoncé. Nun eröffnet er mit seiner Kompanie A.I.M. das Real Dance Festival in Hannover. Der Abend „Mixed Bill“ vereint drei bestehende Stücke und eines, das erst vor wenigen Tagen in Dresden Weltpremiere feierte: „Meditation Reprise“.

„Meditation Reprise“ verhandelt Gewalt gegen schwarze Menschen

„Darin verhandelt er die Gewalt gegen schwarze Menschen in den USA und inwiefern Werte wie Gemeinschaft und Zusammenhalt dabei helfen, das Ungesehene sichtbar zu machen“, sagt Festivalleiterin Melanie Zimmermann über die Arbeit. „Vor dem Hintergrund von Black Lives Matter und den schrecklichen Gewalttaten, von denen wir derzeit aus Amerika hören, geht einem diese Dringlichkeit unter die Haut.“ Trotzdem sei Abraham Optimist.

Politisch sind auch die weiteren Künstlerinnen und Künstler, verspricht die Festivalleiterin. „Alle eingeladenen Künstler*innen haben gemein, dass sie sich in den verschiedenen Ländern äußern und Widerstand leisten und davon sprechen, Nuancen zurückzugewinnen“, so Zimmermann. „Faschistoide Tendenzen, patriarchale Systeme und Ungerechtigkeiten; auf diese Weise anzugehen – das ist die Ausgangslage ihrer Kunst.“ Somit sei das Real Dance auch als ein politisches Festival zu verstehen – und gleichzeitig als Einladung, sich über den Tanz mit unterschiedlichen Stilen und Kulturen auseinanderzusetzen.

Nadia Beugré: Vergessene Geschichten widerständiger Frauen

Eine Frau mit Stäben am Körper tanzt.

Nadja Beugrés Stück „Épique (pour Yikakou)“ ist laut Programm „ein Performance-Ritual, das die Kraft weiblicher Widerständigkeit feiert.“

Die ivorische Tänzerin und Choreografin Nadia Beugré ist für ihr aktuelles Stück in das afrikanische Dorf ihrer Kindheit zurückgekehrt. Sie hoffte auf eine Geschichte, auf Beweise ihrer eigenen Existenz. Doch da war: nichts. Natur, die sich diesen Ort zurückerobert hat. „Ich habe dann weiter gesucht und die vergessenen Geschichten von widerständigen, faszinierenden Frauen entdeckt“, erzählt Beugré. „Und auch Geschichten über ein Land, das wir einst bewohnt haben, das aber so nicht mehr existiert. Ich habe mich gefragt: Welche Erinnerungen überdauern? Und wie können wir die Erinnerungen an diese Orte bewahren?“

Beugré spürt in „Épique!“ ihren Ahninnen nach – den starken Frauen, die in der Geschichtsschreibung oft unerwähnt bleiben. Dabei verbindet sie Geräusche, Erzählungen und Rhythmus mit ihrer kraftvollen Körperlichkeit.

Skills für die „ätzender werdende Gegenwart und Zukunft“

Tanz wird beim Real Dance Festival aber nicht einfach über die Stadt gestülpt, sondern entsteht auch aus ihr heraus: Das Festivalzentrum im Ballhof Foyer wird vom Acid Collège in einen Parcours verwandelt: Hier können Besucherinnen und Besucher in Gesprächen, aber auch mittels kleiner sportlicher Aufgaben spielerisch Fähigkeiten erwerben, um sich in einer, so das Programm, „ätzender werdenden Gegenwart und Zukunft“ besser zurechtzufinden.

Auch der Kunstverein öffnet wieder seine Ausstellungsräume: Jerron Herman wird sie bespielen. Der US-amerikanische Künstler macht in seinen ortsbezogenen Choreografien, unter anderem für das Guggenheim Museum und das Metropolitan Museum of Art, Lebensrealitäten behinderter Menschen sichtbar.

Hip-Hop-Battle als Safe Space für alle

Das Festival endet am Sonntag mit einem ziemlich besonderen Mitmach-Event: Die Brujas, ein Kollektiv von acht Frauen aus der Region, mischen die Battle-Szene auf. Diese Hip-Hop-Wettbewerbe, bei denen meist zwei Tänzer gegeneinander antreten, sind stark männlich geprägt. Da haben Frauen, FLINTAS, ältere, queere oder behinderte Menschen normalerweise keinen Platz.

Diesen Platz wollen die Brujas auftun, sagt Abby: „Das Ziel ist es nicht, die jahrzehntelange Tradition der Battle-Kultur abzulehnen. Sondern eine Alternative zu schaffen, einen Safer Space für die Menschen bieten, sodass sie sich zeigen können und wollen, so wie sie möchten.“ Der dadurch entstehende Raum sei vielleicht herausfordernd – wirke aber letztendlich befreiend. Die Einladung und das Versprechen: Jede und jeder darf mitmachen. Stattfinden wird der „Ready To Be Soft“-Battle übrigens im Herzen der Stadtpolitik: im Neuen Rathaus.

Tanzende Männer lehnen sich auf einer Bühne in die gleiche Richtung.

Kyle Abraham eröffnet Real Dance Festival in Hannover

Das Tanzfestival beginnt heute mit vier Stücken des gefeierten US-Choreografen – und läuft noch bis Sonntag.

Datum:
28.01.2026, 20:00 Uhr
Ende:
01.02.2026
Ort:

Hannover, diverse Orte

Telefon:
+49 511 9999 2500
E-Mail:
welcome@realdance.de

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