Erste allgemeine Verunsicherung: Wir üben nicht

Haben die Behörden in Halle und Querfurt die Sirenen selbst ausgeschaltet? Darauf gibt es keine klare Antwort. Und wie klingt eine Warnung, wie klingt eine Entwarnung? Uns als Menschen wird nicht einmal offensiv gesagt, wie die offiziellen Sprachdurchsagen für den Ernstfall lauten. Jede Stadt bastelt selbst am Zivilschutz und an der IT-Sicherheit. Es gibt keine verbindlichen Standards.

Der ehemalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat einmal auf eine Journalistenfrage geantwortet: „Die Antwort könnte Teile der Bevölkerung verunsichern.“ Dieser Satz wird unter Experten mittlerweile lächelnd erwähnt, wenn sie über IT-Sicherheit von Städten sprechen. Denn es würde tatsächlich verunsichern, wenn Bürger wüssten, wie fragil die IT vieler Städte ist.

Zweite allgemeine Verunsicherung: Wir reden nicht darüber

Ja, wir werden angegriffen, wir sind angreifbar und wir machen Fehler. Doch gerade Behörden tun sich schwer damit, diese offen einzugestehen. Stattdessen formulieren sie lieber umständlich und verweisen auf laufende Ermittlungen. Sie sind ja Opfer von bösen Hackern geworden. So halten sie sich jede eigene Verantwortung vom Leib.

Dabei ist die entscheidende Frage nicht einmal, wer Schuld ist und wer angegriffen hat – sondern was der Angriff offenlegt. Es dauerte eine Stunde, um festzustellen, dass es ein Fehlalarm war. Und dann informierte die Stadt Halle dort, wo gerade niemand hinkam – auf ihrer Website. Auf Instagram immerhin auch, dekoriert mit dem Hashtag #verliebtinhalle.