Gut 50 Menschen haben sich am Dienstagabend vor der Schwebebahnhaltestelle Döppersberg in Elberfeld versammelt, um der Opfer des Holocausts zu gedenken. Am gestrigen 27. Januar jährte sich zum 81. Mal die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee – ein Tag, der 2005 von den Vereinten Nationen als internationaler Tag des Gedenkens an die Nazi-Verbrechen des Zweiten Weltkriegs eingeführt worden war.

Der Fokus der Gedenkveranstaltung sollte auf „weitgehend vergessenen Opfergruppen“ liegen, darunter etwa Bettler, Prostituierte oder Homosexuelle. Ursprünglich war ein Gedenkrundgang geplant, dieser wurde aufgrund des regnerischen Wetters aber auf einen Ort reduziert.

Dort, zwischen beiden Aufgängen zu den Schwebebahnsteigen, war eine große Tafel aufgebaut, heiße Getränke, Eintopf und Frikadellen serviert. Denn während der Historiker Stephan Stracke durch die Veranstaltung führte, waren Passantinnen und Passanten, unter ihnen auch obdachlose Menschen, eingeladen, Platz zu nehmen und gemeinsam zu essen. „Wir haben überlegt, dass wir hier auch der Menschen gedenken wollen, die heute in Wuppertal auf der Straße leben“, erläuterte Stracke die Idee dahinter. Unter den Menschen, denen gedacht wurde, war auch Oliver H., den meisten Menschen, die ihn kannten, wohl einfach nur als „Olli“ bekannt. Er war obdachlos und die meiste Zeit im Luisenviertel unterwegs. Vor Kurzem wurde dann bekannt, dass Olli kurz vor Heiligabend im letzten Jahr auf der Straße erfroren war – eine Nachricht, die viele Wuppertalerinnen und Wuppertaler erschüttert hatte. Ein Foto von Olli auf der gedeckten Tafel sollte ihn daher in die Erinnerung der anwesenden Menschen rufen.

Stephan Stracke erinnerte die Anwesenden derweil an die Schicksale einiger Wuppertalerinnen und Wuppertaler zur NS-Zeit, darunter etwa das des „Wuppertaler Originals“ Peter Held, besser als „Husch-Husch“ bekannt, einem Hausierer und Vagabund, der zur Zeit des NS-Regimes verhaftet worden war. Abgerundet wurde die Gedenkveranstaltung durch Lieder, gesungen vom Schwarz-Roten Chor. Sie sangen etwa das „Moorsoldatenlied“, 1933 von Häftlingen des Konzentrationslagers Börgermoor bei Papenburg im Emsland geschrieben.