Am Dienstag war wieder einmal Märchenstunde im rechtspopulistischen US-Sender Fox News. Moderator Sean Hannity, ein glühender Trump-Verehrer, schaltete in seiner Sendung US-Finanzminister Scott Bessent zu, der vor wenigen Tagen in Davos vor allem mit Drohungen gegen die Europäer und Klagen über das angeblich schlechte Schweizer Essen aufgefallen war.
Ohne kritische Nachfragen fürchten zu müssen, durfte Bessent Trumps Wirtschaftspolitik über den grünen Klee loben und – völlig faktenfrei – einen mehrjährigen Wirtschaftsboom in den USA prognostizieren. Dass sich der Dollar gerade im freien Fall befindet und erste europäische Pensionsfonds ihre US-Staatsanleihen abstoßen, erwähnte Bessent lieber nicht.
Bessent: „Natürlich ist Kanada von den USA abhängig“
In der zweiten Hälfte des Gesprächs ging es dann um die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada. „Lassen Sie uns über den Premierminister oder, wenn Sie die Bezeichnung bevorzugen, Gouverneur von Kanada sprechen“, leitete Hannity seine Frage an Bessent ein und spielte dabei perfide auf Donald Trumps Äußerung an, die USA könnten das Nachbarland annektieren und zum 51. Bundesstaat machen.

Hannity fragte Bessent nach einem möglichen Handelsabkommen Kanadas mit China und den daraus resultierenden etwaigen Folgen für die kanadisch-amerikanischen Beziehungen. Trump hatte im Falle eines Zustandekommens am Samstag mit Zöllen von 100 Prozent auf kanadische Waren gedroht. „Natürlich ist Kanada von den USA abhängig“, sagte der US-Finanzminister und spielte damit auf eine entsprechende Bemerkung Trumps an. Carney solle aufhören, „seine eigene globalistische Agenda voranzutreiben“.
Carney bekräftigt: „Ich habe gemeint, was ich in Davos gesagt habe“
Bessent erklärte außerdem, Carney habe einige seiner Bemerkungen in Davos in einem Telefonat mit Präsident Donald Trump äußerst entschieden zurückgenommen. Beim Weltwirtschaftsforum hatte Kanadas Premierminister das Ende der alten, regelbasierten Ordnung Weltordnung unter Trump diagnostiziert und gefordert, dass sich die Mittelmächte zusammenschließen müssten. „Denn wenn man nicht am Tisch sitzt, steht man auf der Speisekarte“, so Carney in Davos wörtlich.
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik – meinungsstark, exklusiv, relevant.

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Angesprochen auf Bessents Äußerungen, sagte Carney am Dienstag in Ottawa zu Journalisten: „Um es ganz klar zu sagen, und das habe ich auch dem Präsidenten gesagt: Ich habe gemeint, was ich in Davos gesagt habe.“ Bei der Kabinettssitzung legte Kanadas Premierminister sogar noch einmal nach. „Die Welt hat sich verändert, Washington hat sich verändert. Es gibt derzeit fast nichts Normales mehr in den USA, und das ist die Wahrheit.“