Celje-Trainer im Porträt 

Eintracht Frankfurt: So tickt Trainer-Kandidat Albert Riera

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Marco Rose, Alexander Blessin oder Edin Terzic – bei Eintracht Frankfurts Trainersuche wurden viele in Deutschland bekannte Namen gehandelt. Aber auch nicht so geläufige Optionen wie Kjetil Knutsen (FK Bodø/Glimt) und Jacob Neestrup (FC Kopenhagen) galten als Kandidaten. Hinauslaufen wird es nun offenbar auf einen Chefcoach, den hierzulande bis dato nur wenige kennen: Albert Riera. Transfermarkt stellt den 43-Jährigen vor.

Gebürtig stammt Riera, der mit vollem Namen Albert Riera Ortega heißt, aus Manacor auf Mallorca. Neben der spanischen besitzt er auch die russische Staatsbürgerschaft. Als Mallorquiner ging er seine ersten Schritte als Spieler beim RCD Mallorca, ehe er mit 21 Jahren erstmals ins Ausland wechselte und in Frankreich bei Girondins Bordeaux unterschrieb. Dort blieb er zwei Jahre, kehrte dann aber wieder in seine Heimat zurück und lief für Espanyol Barcelona auf. Für die Katalanen bestritt er mit 94 die meisten Partien in seiner aktiven Karriere.

Insgesamt stand er bei elf verschiedenen Klubs, darunter auch dem FC Liverpool – bei dem er seinen höchsten Marktwert von 16 Millionen Euro erreichte –, Manchester City und Galatasaray, in sieben Ländern unter Vertrag. Riera wurde Meister in der Türkei und Griechenland sowie Pokalsieger in Spanien und der Türkei. 16 Mal lief er während seiner aktiven Laufbahn für die Nationalelf auf. Seine Profi-Karriere ließ der frühere linke Schienenspieler in Slowenien ausklingen, zunächst bei DNS Zavrc, danach beim FC Koper, bei dem er 2016 letztlich die Schuhe an den Nagel hing. Danach blieb er aber nicht dort, sondern sammelte ab 2020 als Co-Trainer bei seinem Ex-Klub Gala zuerst unter Fatih Terim und später unter Domènec Torrent erste Erfahrungen als Coach.

Für seinen ersten Posten als Cheftrainer ging er zurück nach Slowenien und übernahm 2022 bei NK Olimpija, wo er ein Jahr blieb und den Klub auf Anhieb zur Meisterschaft und zum Pokaltriumph führte. Danach zog er innerhalb des Landes weiter zu NK Celje, verabschiedete sich jedoch nach ein paar Monaten schon, um sich bei seinem ehemaligen Verein Girondins Bordeaux auf die Trainerbank zu setzen. Nach dem Abstieg in die 4. Liga verließ er den gefallenen Traditionsverein und heuerte erneut in Celje an. Dort stehen seitdem in 91 Spielen im Schnitt 1,84 Punkte und der Pokalsieg 2024/25 zu Buche. Außerdem erreichte er mit dem Klub die Playoffs der UEFA Conference League. Sein Vertrag beim aktuellen Tabellenführer der Prva Liga ist noch bis 2028 gültig, somit wird eine Ablöse für die Hessen fällig. Laut „Bild“-Zeitung wird sich diese auf etwa 1,3 Millionen Euro belaufen.

Frankfurt-Ziel Riera: Steht für Offensivfußball – Vergleich mit Muslic

Zlatan Skaljo („YanGuAmtoHui“), Datenpfleger in Slowenien für Transfermarkt, beobachtet Riera schon länger und beschreibt seine Philosophie wie folgt: „Flexibilität steht ganz oben bei ihm. Spieler müssen mehrere Positionen bekleiden können und man sieht auch oft während Partien, dass Spieler die Positionen tauschen. Genauso sieht es bei der Taktik aus.“ Der 43-Jährige stehe zudem für „offensiven Fußball“, ein „dominantes Auftreten“ und „hohes Pressing geprägt von viel Ballbesitz im 4-3-3 System“. Skaljo: „Auch in Europa gegen vom Namen her größere Gegner hat er so gespielt und versucht, sein Spiel durchzudrücken und nicht vielleicht eher defensiv zu stehen und auf Konter zu lauern.“ In der Conference League gelangen so Siege gegen AEK Athen (3:1), die Shamrock Rovers (2:0) und Legia Warschau (2:1). Vor allem Athen und Warschau haben weitaus wertvollere Kader als Celje mit seinen 13 Millionen Euro.

Neben dem Taktischen sei er auch „menschlich top“ und ein guter Motivator, berichtet Skaljo. „Bei ihm kommt der Mensch zuerst und dann der Spieler. Riera redet viel mit seinen Schützlingen und muntert auch diejenigen immer auf, die wenig spielen. Dass auch sie wichtig sind und ihre Chance bekommen werden.“ Für den Ex-Profi gelte das Motto: Nur gemeinsam kann man Erfolg haben.

Sollten die Verhandlungen mit Frankfurt einen erfolgreichen Abschluss finden, könnte Riera einen ähnlichen Weg wie Miron Muslic bei Schalke 04 gehen, glaubt Skaljo. „Sprich ein Trainer, der eher unbekannt auf diesem Niveau ist, aber vom Potenzial her eine Mannschaft wieder nach oben führen kann.“ Muslic hatte bei den Königsblauen im Sommer übernommen und führte sie auf Platz eins der 2. Bundesliga. Davor stand in England beim unterklassigen Plymouth Argyle an der Seitenlinie. So eine Entwicklung sei aber „schwer einzuschätzen, da Riera bis jetzt auf niedrigerem Niveau gearbeitet hat. Da ist die Eintracht natürlich ein Gigant im Vergleich, besonders die Medienwelt in Frankfurt und Deutschland.“ In Slowenien und Celje sei es dagegen sehr ruhig und auch Druck sei kaum vorhanden.

Bei der SGE würde er im Gegensatz dazu deutlich mehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Schnell dürfte sich dann auch sein Charakter zeigen. „Ob es eine Schwäche ist, weiß ich nicht, aber negativ erwähnen muss man sein Temperament“, sagt Skaljo: „Er hadert sehr viel mit Schiedsrichtern und Gegnern. Wenn es nicht so läuft, wie er sich das wünscht, wird er gerne mal laut und schiebt die Schuld eher anderen zu.“ Dafür gibt es auch Beispiele aus seiner Zeit in Bordeaux, womit er sich regelmäßig in die Schlagzeilen brachte. Riera dürfte damit von seiner Persönlichkeit ein gänzlich anderer Typ sein als Dino Toppmöller, der öffentlich eher nicht als Lautsprecher oder Hitzkopf in Erscheinung trat.