Die Augsburger Freilichtbühne wird womöglich über mehrere Jahre für eine Sanierung gesperrt werden müssen, nachdem neben den schon bekannten Schäden an der Bühne zuletzt auch massivere Probleme beim Unterbau der Zuschauertribüne festgestellt wurden. Einen Zeit- und Kostenplan für die Sanierung hat die Stadt noch nicht, allerdings stellen sich die Stadtwerke gedanklich darauf ein, über mehrere Jahre eine Open-Air-Spielstätte am Gaswerkareal bereitzustellen. Kulturreferent Jürgen Enninger (Grüne) sagte am Mittwoch, der Schritt zur kurzfristigen Schließung schon in diesem Jahr falle ihm schwer. „Aber Sicherheit ist nicht verhandelbar.“ Das Staatstheater hat seinen schon begonnenen Kartenvorverkauf für das Musical „Monty Python‘s Spamalot“ gestoppt, externe Konzertveranstalter äußerten Unverständnis für das Agieren der Stadt.
Dass an der Freilichtbühne Sanierungsarbeiten nötig werden, ist grundsätzlich schon länger bekannt. Die Stadt hatte eine Sanierung der Bühnenkonstruktion ursprünglich für 2027 geplant, im vergangenen Sommer den Zeitplan aber auf 2029 verschoben, weil sich da schon abzeichnete, dass es mit der Bühne allein nicht getan ist. Auch das hörte sich noch nach einem beherrschbaren Aufwand an, doch inzwischen steht fest, dass statt eines Sanierungskonzepts mit Vorlauf eine sofortige Sperrung kommen muss. Ein Bericht des Hochbauamts vom vergangenen Mittwoch besagt, dass die ganze Tribünenkonstruktion nicht mehr sicher ist.
Schäden an der Augsburger Freilichtbühne kamen nicht aus heiterem Himmel
Die etwa 2100 Sitzplätze in der Freilichtbühne sind auf einer in den Hang gebauten Konstruktion aus Betonträgern und Platten montiert. Zuletzt habe man das alles 2020 in Augenschein genommen, so Baureferent Steffen Kercher (parteilos). Schäden seien da schon sichtbar gewesen, der Betrieb war aber weiter möglich. Nach dem Ende der Saison 2025 sei dann turnusgemäß eine neue Prüfung erfolgt. Das Ergebnis: 20 Prozent der untersuchten Betonbalken sind dringend sanierungsbedürftig, etwa die Hälfte weist Schäden auf.
Die Stahlarmierung in den Betonbalken der fast 100 Jahre alten Konstruktion sei häufig angerostet, teils gar nicht mehr vorhanden. „Das heißt jetzt nicht, dass das alles unmittelbar einbruchsgefährdet sein muss, aber der Nachweis der Standsicherheit ist nicht mehr zu führen“, so Kercher. „Bei Versammlungsstätten gibt es kein ,es könnte halten‘.“ Den Austausch einzelner maroder Bauteile habe man gedanklich untersucht, allerdings sei die ganze Konstruktion so alt, dass ein Eingriff eine komplette Erneuerung nötig mache. Auch die Sperrung von Problemabschnitten komme als Lösung nicht infrage, weil teils Fluchtwege über die maroden Balken führen.
Was auf dem Augsburger Gaswerk-Areal vorgesehen ist
Die kurzfristige Sperrung trifft Publikum wie Staatstheater und externe Veranstalter hart. Kulturreferent Enninger sagte, man sei sich bewusst, dass der Besuch der Anlage für viele Bürger ein „Sommerritual“ sei. „Aber wir sind jetzt in einer Situation, in der wir handeln müssen.“ Geplant ist, auf dem Gaswerk-Areal im Sommer eine Open-Air-Möglichkeit zu schaffen. „Das wird kein Ersatz für die Freilichtbühne sein können“, so Stefan Schleifer, Geschäftsführer fürs Gaswerkareal bei den Stadtwerken, im Hinblick auf die spezielle Atmosphäre in den Wallanlagen. Man werde aber eine gute Lösung bieten können. Rechnerisch sind die mehr als 2000 Sitzplätze auf einer Tribüne vor einer Bühne unterzubringen. „Aber wir sind noch früh in der Planung.“ Mit dem „Modular“ soll sich der Betrieb zeitlich nicht überschneiden.
Augsburgs Theaterintendant André Bücker: „Mir fehlen die Worte“
Theaterintendant André Bücker gab sich am Mittwoch ernüchtert. „Es fehlen einem etwas die Worte, wenn man mit allen Spielstätten ohnehin schon im Interim ist und dann die traditionsreichste Spielstätte nicht mehr hat. Es schmerzt, aber es ist nicht zu ändern. Sicherheit geht vor.“ Das Theater wird Abstriche beim Programm vornehmen, das Monty-Pythons-Musical könne man aber auf die Bühne bringen. Alternativen zum Gaswerk gebe es keine. „Für uns ist es die einzige Chance, einen großen Teil der Freilichtbühnensaison zu retten und das wirtschaftliche Standbein zu erhalten“, so Bücker. Gleichzeitig sei klar, dass die Freilichtbühne eine besondere Strahlkraft habe. „Dort gehen auch Leute hin, die sonst nicht ins Theater gehen.“
Betroffen von der Sperrung sind auch externe Veranstalter. Angefressen reagierte Sebastian Karner (Kantine), nachdem die von ihm gebuchten „Sportfreunde Stiller“ den Umzug ins Gaswerk nicht mitmachen werden, weil noch nicht klar ist, wie die Auftrittssituation dort im Detail sein wird. Die Karten können zurückgegeben werden. „Ich bin wütend und sauer, weil Politik und Verwaltung Fehler gemacht haben. Jahrzehntelang wird am Unterhalt gespart, bis jemand aus der Verwaltung sagt, dass es ab jetzt nicht mehr weitergeht.“
Der weitere Zeitplan für die Freilichtbühne ist laut Stadt unklar. 2026 werde man die Anlage im Detail untersuchen, so Kercher. Ob man dann eine abschnittsweise Sanierung auch außerhalb der Spielzeiten ins Auge fasst oder eine längere Gesamtsanierung ohne Unterbrechungen bevorzugt, ist noch unklar. Wahrscheinlich ist aber eine mindestens zweijährige Schließung, weil parallel zur Untersuchung 2026 keine Sanierung stattfinden wird. Auch zu den Kosten äußert sich die Stadt noch nicht. Im aktuell laufenden Haushalt ist für eine Runderneuerung jedenfalls kein Geld eingeplant.
-
Stefan Krog
Icon Haken im Kreis gesetzt
Icon Plus im Kreis
-
Augsburger Freilichtbühne
Icon Haken im Kreis gesetzt
Icon Plus im Kreis
-
Sperrung
Icon Haken im Kreis gesetzt
Icon Plus im Kreis